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Waffen des Hundes.

75

Herausgegeben und illuſtrirt von

Sudwig Beckmann,

Jagd- und, Thiermaler in Düſſeldorf.

Zweiter Band.

Mit zahlreichen in den Tert eingedruckten Holzſtichen.

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Braunſchweig,

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 18:93.

Unkündigung.

Das vorliegende Buch, deffen Bedeutung weder der praktiiche Züchter und er- fahrene Kynologe, noch der gründliche Belehrung juchende Laie verfennen wird, jchildert in klarer, leicht überfichtlicher Darftelung die anerkannten Hunderaffen aller Länder, ihre Gejhichte und ihre Beziehungen zu einander.

Der erite Band behandelt zunächſt in leichtverſtändlicher Faſſung die zu ein— gehenderem Studium der Hunderafjen der Jebtzeit unentbehrlicden Hülfswiſſenſchaften. (Antike Raſſen, Anatomie, Exterieur, phyſiologiſche und geiftige Eigenthümlichkeiten des Hundes.) Darauf folgt die in ſyſtematiſcher Form durchgeführte Beichreibung der anerfannten Rafjen der heutigen Jagdhunde des In- und Auslandes, deren Ge— ſchichte und wechjelfeitige Beziehungen, durch zahlreiche ganzjeitige Tafeln und viele Kleinere Textbilder reich illuſtrirt.

Der zweite Band ſchildert in ganz gleicher Weiſe die folgenden, weniger zur Jagd verwendbaren Raſſen der Haus-, Hirten- und Kleinen Lurushunde durch Wort und Bild. Daran jchliegen fie), in gedrängterer Faſſung gehalten, Abhandlungen über Zühtungsprincipien und Nomenclatur, praktifche Züchtung, Aufzucht der Welpen, Behandlung und Abrichtung erwachjener Hunde, Krankheiten derjelben, Vereinsweſen, Ausftellungen und Gebraudsprüfungen, jowie einige Ergänzungen, welche die Ergeb- niffe der während des Drucdes der beiven Bände ftattgehabten Ausftellungen u. dergl. verzeichnen.

Das vollftändig vorliegende Werk, aus zwei Bänden beftehend, fann zum Gejammt- preife von Mb. 60.—., geheftet, in Bänden oder in Lieferungen bezogen werden.

Der erſte Band umfaßt zehn Lieferungen zum Preife von Ab. 5.—. pro Liefe— rung, der zweite Band deren neun, von denen die erſte und zweite je Ab. 1,50., die Lieferungen 3 bis 9 je Ab. 1.—. koſten.

Die Abnahme einer erjten Lieferung, -beziehungsweife des erften Bandes verpflichtet zum -DBezuge des vollitändigen Werkes; einzelne Lieferungen oder Bände werden apart nicht abgegeben.

Elegant in zwei Halbfranzbände gebundene Exemplare foften Ab. 72.—.

Ginbanddeden find zum Preiſe von M. 4,50 pro Stüd zu haben.

Daneben ift eine Ausgabe auf feinftem weißen Velinpapier hergeftellt, deren Preis für beide Bände geheftet A. 90.—., in zwei elegante Gapfaffianbände mit Goldiänitt gebunden, Ab. 138.—. beträgt.

Braunjhweig, im Mai 1895.

Friedrich Vieweg und Kohn.

Sefhichte und DBelhreibung

KRaſſen Ye Hundes.

Sm

Holzſtiche aus den xylographiſchen Ateliers von R. Brend’amour & Co. in Düfjeldorf und Friedr. Vieweg & Sohn in Braunjchmweig.

Bapier aus der mehaniihen Papier-Fabrik der Gebrüder Bieweg zu Wendhauſen bei Braunfhweig.

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Deutfhe weiß- und ſchwarzgeflechte Dogge Frihß II. (4616)

von Friß I. aus Diana, gew. Juli 1887. Züchter: W. Gapito. Beſitzer: A. Latz-Euskirchen. 1. Preis in Brüffel, Spaa und Frankfurt a. M. 1891 umd 1892. (Vergl. Seite 20, II. Band.)

Geſchichte und Peſchreibung

Kaſſen des hundes.

Unter Mitwirkung der namhafteſten Züchter und Preisrichter und in Uebereinſtimmung mit den officiell anerkannten Raſſezeichen der maßgebenden Vereine des In- und Auslandes,

herausgegeben und illuſtrirt von

Ludwig Beckmann,

Jagd- und Thiermaler in Düſſeldorf.

In zwei Bänden.

Zweiter Band,

Mit zahlreihen.in den Text eingedrudten Holzitidden.

Braunſchweig, Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 1895.

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Das vorliegende Buch bildet den zweiten Band der „Gejchichte und Be— ſchreibung der Hunderaffen“ und behandelt zunächſt die große Abtheilung der Nicht: jagdhunde, welche aus Nutzhunden (Wacht-, Treib- und Hirtendunden) und Luxus— Hunden beftehen. Eine ftrenge Scheidung der zahlreichen Gruppen ift bei dieſer Abtheilung noch ſchwieriger durchzuführen, als bei den Jagdhunden, und muß in zroeifelhaften Fällen auch hier immer der gemeinfame Typus der Gruppe nicht die oft mit der Zeit wechjelnde Beſtimmung der einzelnen Rafjen den Ausſchlag geben. So ift es 3. B. verkehrt, wenn der Vorſchlag gemacht wird, den Dachshund mit den (aut jagenden Hunden zu vereinigen, da exfterer ebenfalls mit Vorliebe auf der Ober- fläche jagt! Der Dachshund ſtammt allerdings unzweifelhaft vom laut jagenden Hunde ab (wie auch Schweiß- und Vorftehhunde), allein ev hat eben durch die lange Verwendung zur Erdarbeit jene eigenthümliche Form und den originellen Charakter erhalten, welche ihn zur Vertretung einer befonderen, von den Laufhunden ſtreng ge- ſchiedenen Gruppe berechtigen (vergl. Band I, der Dachshund). Ebenſo ungerecht fertigt dürfte die von anderer Seite vorgefchlagene Vereinigung der Doggen umd _ Rüden mit der Abtheilung der Jagdhunde fein. Wenn dieje beiden Hundeformen auch während der langen Periode der Fangjagd vorzugsmeile als Heb- und Fang— hunde dienten, jo find diefelben doch feit Ausbildung der Schußwaffe immer mehr vom Sagdbetriebe entfernt, und Heutzutage find die Doggen reine Lurushunde, Die Rüden fast rafjelos geworden. Nach Anficht des Verfaſſers ſtehen dieſe Hunde daher in den erſten Capiteln des IT. Bandes unter den Nichtjagdhunden am richtigen Platze.

Eine weitere Verwirrung des Naffenbegriffes würde ohne Frage entjtanden jein, wenn der Verfafjer dem gänzlich unmotivirten Wunſche vieler Forterrierfreunde nach— gegeben und diefe englifche Raſſe nebft unferem deutschen Dachshunde unter dem Sammelnamen Erdhunde vereinigt Hätte! Diefe, in den Katalogen unſerer Aus— ftellungen und Preisſchliefen längſt eingebürgerte Gepflogenheit mag für die genannten öffentlihen Schauftellungen eine gewiſſe Berechtigung haben, jo weit fie eine günftige

VI Vorwort.

Beſchickung und zahlreihen Beſuch der Ausftellung beabſichtigt, fie eignet fich aber durchaus nicht Für ein ſyſtematiſch geordnetes kynologiſches Lehrbuch. In der aus vielen einzelnen Raſſen beitehenden Gruppe der Terrier oder Erdhunde iſt der For— terviev nicht allein mit der zum Schliefen nöthigen Paſſion und Energie begabt, wenn er auch in Folge langjähriger Verwendung bis jebt als Schliefer vorgezogen wird. Faſt alle anderen Terrier von geeigneter Größe, ſelbſt unſer deutſcher Rattler, fönnen bei einiger Anführung zu vorzüglichen Erdhunden ausgebildet werden. Es ericheint daher ungerechtfertigt, den Foxterrier allein von der Gruppe trennen zu wollen, um jo jonderbarer ericheint Dies Borgehen aber, wenn man bedenkt, daß die Engländer jelbjt den Foxterrier nicht von der Gruppe der anderen Terrier trennen, während fie unſeren Dahshund wie den Baſſet zu den jagenden Hunden rechnen. Der Irrtum unferer Foxterrierfreunde ift auf den Umftand zurüczuführen, daß man bei Claſſificirung der betreffenden einzelnen Rafjen nur deren augenblidlich vorwiegende jagdliche Verwendung im Auge hatte, aber den Raſſentypus völlig unberückſichtigt ließ.

Wie auch) beim I. Bande hat fi) die Nothwendigkeit Herausgeftellt, einen Nach— trag am Schluß des I. Bandes beizufügen. Derjelbe reicht bis zur großen Erufft’s Schau, 13. bi 15. Februar 1895, und enthält die fett dem Abjchluß des II. Bandes zu Öffentlicher Kenntniß gelangten neuen Vorgänge. Daß die gleichzeitig ausgejprochenen Anſichten des Verfaffers nicht von allen Züchtern getheilt werden, ift ja vorauszuſehen, doch Fehlt es ihm leider an Zeit, fi dieſerhalb auf Federkriege in den Yachblättern einzulafjen. Dem Urtheil unparteiifcher Leſer mag die Entſcheidung überlafjen bleiben. Wenn das Bud) dazu dienen könnte, größere Klarheit in die Verworrenheit der jebigen Raſſenbegriffe zu bringen und gleichzeitig das Interefje für unſere trefflichen deutſchen Raſſen fördern zu helfen, jo ift der Wunſch des Verfaſſers erfüllt.

Düjjeldorf, am 28. Yebruar 1895.

Ludwig Bedmann.

I.

Il.

Il.

IV.

Inhalftsverzeidniß.

Dritter Theil.

Haus-, Hof- und Hirtenhunde, Naffelofe Hunde.

Seite

Tabellariſche Ueberſicht der Haus-, Hof- und Hirtenhunde ꝛc. nad) ihrer J ee ae em ae Re ee ee ae 3 4 1) DE Die 4 A DER DENKEN La DE 881 5 EVIEBDENEI HER DDGNERDELISERtF EI I ee 15 BED Ver Done um an ee Re 22 Der Marie per teuereng yes ner a ee 26 DE Dersenalii en BUlDDgEDerETenenene elle Re. 32 VE DTER DI EN EI ee ae 33 DE Die Dion Spanien. er 49, DE DIEB ICDEIE Eee Ne ee ee erie ore 45 DE Ser inne na we 48 BD DIETEDIGTETLER NND 50 Der St, Bernhardshund, Neufundfänder und Tibetbund . .».... EEE DD DEDELete J66 56 a Die PBIERAN 67 ⏑. ro as or oa 69 DUDEN Pre 1 79 ) —04 1 86 SIIYLERUNDDELUNDETNDEL sn ee EN. 91 DBESILULEITHRIEDEN, rs 1 91 2) DEAN 77 94 Schäferhunde, Spite und wolfsartige Hunde . » : 2 2. mn nn 99 NEDERSwärerhunden am rt ee re 99 A. Die Schäferhunde Deutjhlands und DefterreißE. ... 2.2... 101 BESTE SH erDUNnNDe Belgtener nr 108 O. Die Schäferhunde Tranteeiheundrstalteng na. 108 Dhbhunde Engfgeaeeee 109 1. Der langhaarige ſchöttiſche Schäferhund (Rough-coated Collie) ... . 110 2. Der furzhaarige ſchottiſche Schäferhund (Smooth-coated Collie) .. . . 115 33 Derralienenalihe Schäferhiunorlbobtall) en een are. 117

VIII Inhaltsverzeichniß.

Seite 9) Die Ipikartigengnunde un. = nu. ee 111 121 1.. "Dielangbanzisen Spibe :- =... nme we une Re re 122 a) DETDEUIWEISHTE 2 200 en ade ea 122 bh) Die norariben langhanrigen Spibhunde. . . 2... re 127 J ee ee RS DREDELSOFOTIUTNDTIEHE MUND u. Se en 130 ce) Die jüdnlihen langhaarigen Spikhunde.. .... 2. 2.2.2. . lau | 1. Der chineſiſche Spig oder Tihau (Edible Chinese dog)... .. 134 2. Der algeriſche Spitzhund (Chien des Douars) .....- 22... 136 9. Die odhantigen- Shikhunde. &.... 0. Sun Kan ven en ee 137 a) Dregenirihe,taita „u . fen ne ee 137 b) Der ſkandinaviſche Elhhund (Hund der Lappen und Finnen). . 139 3. Die furzhonrigen Spikhunde. „u. > tn. 200 eu. 143 iſ . ar. Sr BE b) KRurzhaarige Spite in Sumatra und Weu-Srland . ...... 147 eo) sndile Turghaarige Spike .. . u... nu... es 147 5) Die wohnartigen Hunde 2 nenn RN en en 2er ne ee 148 V. Biniher, Terrier und Dalmatiner... 2 2. 111 152 A: Diesventihen- Binder... 20208 11 a B: Die englitnen Terrier . 2... 0 een chartern vl sr. s 108 a) Glatifnarige engliiche Terrier... .. . ehe 157 J. Der Bullterrier - - u nn Ka er EEE VE 157 2. Der jhwarzegelbe englijde Terrier (The Black and tan Terrier)... 2.2.2162 3... Der weike engliihe Ferrier. . .°. u me Se IR 166 4. Der glatthaarige Fuchsterrier (The smootheoated Foxterrier). . . . . 167 b) Raub-praht)hnntige engliihe Zerrier nern ee 175 5. Der rauhhaarige Fuchsterrier (The wirehaired Foxterrier) ...... 175 6... Der. iriihe Verriet 0.0.5 2 ee lan 7. Der Iholtiihe Terrier (The Seottish”Bernier)"= „0.0.2. Korg 181 8.- Der -Wellh-Xterrier: 7. = we A 2 183 9. Der Dondie Dinmont-Zerriern er ee 185 10% Der Beblington-Zerrier. 0 ed ee 189 11.2 Der Nireönlezgeruier ce TEA 111 191 12, Der Stye⸗Terrieeeef Ele a 195 C. Der Dalmatiner (The Dalmatian dos) E12 EEE 197 VL Die Pariahs und verwilderten Hunde: 2 2 U 2 Ws 111 206 1), Die Bariah5 >... 2. ale 1 206 2).-Bertwilderte Hunde: > - 2... 2.0 1 208

Bierter Theil.

Kleinere Fuxus- oder Damenhunde.

Zabellarijhe Ueberjiht der fleinen Luxushunde nad ihrer Nationalität 213

Klemere -Burus= und Domenhünde . „I. MDR er Re. . 214 . Mops und japaniſcher hin. 151%. RR 11 216 1) Der Mops (engl.: The Pug-Dog, franz.: le Carlin) .»..-: 22.20. 216

2) Der japaniſche Tſchin (engl.: The Japanese Spaniel, franz.: Chien du Japon) 219

Inhaltsverzeichniß. IX

Swerguwpelnunpe Vonltejerae. Su u a. ea 224 DE Dee Sinergpuinele 11 224 2) Der Melieien anne Bro er Sie oe 7 225 Die englifchen Zwergſpaniels (Toy-Spaniels) . ». 2. 22 222mm 230 EiDeraie nn Ceimeninißr 2 en. Ba er 236 1) DS Aa ee le er: 236 , Dr She), Aa, ee a ano ee 32. 236 .. Zwergpinfcher, Toy-Terrier und Toy: Bulldog . . » 222 2 22m 240 a Bene ee a ee BEE 240 1, > alfanaee Jia 240 DE Deragtopentut;hrariges 241 b) Der furzhaarige Zwergpinſcher (Rehpiniher) . .».. . . . 2... 2... 242 Sauhlanzigersmeraptn neue or ee. 242 a) Der Affenpinſcher (alter rauhhaariger Zwergpiniher). . » . 2.2... 242 b). Der neuere rauhhaarige Zwergpinjcher oder Zmergrattler . . ...... 244 RB Belijne Alimlalen oo eraiärgun eo o.ose EN En RER, 244 Der belgiſche Affenpinſcher (Griffon Bruzellois) . .. - - 2.22.0002. 244 WERE lullles re ee 245 I Sc haciges 1 245 Der tur,haarigeupnere Smooth on-zerriep nr 245 2. 8181 246 a) De J)ortipite-wertieen ee RE ee IR 246 DL DELLEIHDEeSnnle>Serriere ee 249 D. Der englifhe Zwergbulldog (The Toy-Bulldog). .»..» 2... 2.2... 251

Stalienifches Windfpiel und engliſcher Whippet, nackter Hund und fonjtige fremde DINO re ee ER ee ee = 252 A. 252 EEDers Eh inet nn. N 254 ee ae en ne ee . 254 D. Sonſtige außereuropäiſche Zwerghunddeee 255

Fünfter Theil. Mikkheilungen über Züchtung und Behandlung des Hundes, über kynologiſche Vexeine und ihre Thäfigkeit.

MEBera nie zugegen. > een ne er ale heller Nele 259 BEOHtier 265 Behandlung erwachfener Hunde. - » » . 2... BE NEE. 268 ART N Elena 02 Ne ER 274 Serenthettenvese lugesue 22 A 11 275 rantheiternesb 276 Die Staupe (Seuche, Laune, engl.: distemper, franz.: la maladie)...-.... 277 DIRTIEROTIEH ERLEIDEN le RS 11111 2379

A. Hautleiden, welhe dur Störung der Functionen des inneren Organismus hervorgerufen werden (Flechten, Ausſchlag, Ekzem) 279

X Inhaltsverzeichniß.

Seite

B. Hautleiden, welche durch Anſiedlung von Milben und Pilzen her— ſſſ au... ee en 280° V. Abrichtung Der Hanne Fir ihre Beitimmung . . . 2. 2 283 Dreſſur de Worſtehhßßßzßzßzßzzz N en 283 Erite Dre) auperiooe (Die.Borinule). .. 111 284

Zweite Drejjurperiode (Die Arbeit im freien Felde ohne Flinte, Appor= Hrena BEchelemac.)i. 286 Dritte Dreſſurperiode (Apportiren und Verlorenjuden). ...... 289 Der, junge enJ771[[ 291 VI Vereinsweſen Anzftellungen, Prüfungeee 00. 293

Tabharag aan 08

Tafel

XLVII. XLIII. XLIX.

LVI. LVI. LVIM. IbIDX. TOx IL, ——— LXIM. LXIV. —— LXVI. LXVI. LXVII. ID, X. DAL. LXXII. DOSE LXXIV.

Derzeihniß der Tafeln.

Deutſche Dogge Fritz II. (Titelbild). I er rer 15 Deutſche Doggen (Harras II. und Juno von Leonberg)... 2... 2... 18 Seuſſche Dogge Perle⸗Cuſstixrchee 20 Engliſche Maſtiffs (Guinevere und Boatſwain).. een. Me: 126 . vEnglifhe Bulldoggen (Lorne und Big-Ben).. * 32 Sun her nunde Baldnıı a 2 Sa rer N LEE 1 | . LRurzhaariger und langhaariger Bernhardiner (Hector von Bajel und Brutus) . 57 . vRanghaariger Bernhardiner (Young Barry und Großglodner) . .. ..... 64 Langhaariger Bernhardiner Czrr* 66 EEngliſcher Ianghaariger Bernhardshund Cadwallader... 8* 69 Engliſcher langhaariger Bernhardiner Plinlimmon.... 68* 72 V“Engliüiher langhaariger Bernhardshund Sir Bediver nn. 75 Leitimolanderg re: 79 VRandjeer-Neufundländer Brince Charlie - .. » 2.20. ernennen 85 VER NENTENNE a 87 vHirtenhund der Campagna und Ungarijhe Wachthunde oder Bundaih .. . . 9 vSteppenhunde (Ruſſiſcher Hirtenhund und Hirtenhund von Afghaniſtan) . . . 93 Ge chiiiwerinninele gs en) Eee 94 Deutſcher langhaariger, vauhhaariger und furzhaariger Shäferhum .. - - - 101 vSchottijcher langhaariger und furzhaariger Schäferhund...» . nr... 110 Grauer, weißer und I hvamyerlo pie rer 122 FNordiiche langhaarige und ftokhaarige Spighunde . .. . rn. nn e. 127 vSpishunde und wolfsartige Hunde... . 20m ernennen 148 Kenaliiche alaotthaaxige Terrier... Saunen. 157 vRWelihterrier. Nauhhaariger Forterrier. Schipperfes (Spit und Berthe) . . . 175 Dandie 185 ſ 1 189

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XI Verzeichniß der Tafeln.

Tafel Seite LXXV. ° Sfye-Terrier mit hängenden und mit ftehenden Ohren. 195 LAXVI. V Dalmatiner /(Ciecas uno SBerle, und Silver) . 2... ... 22.0. rue 197 LXXVI. Y Bermüderte Hunde amd Bariahs . UN nn. 2 un 8 0 1 ee 206 LXXVII. DE Son ee cher ee 216 UXXTIX. :VAmergipamele@loy-Spaniels) „2 2 u. u une 230 HRXX. V Blenbeime- Spamtel Brinee Charlie. 2. 2... 232 LXXXI. v Vorkihire- Terrier (Bradford Hero, Conqueror, Violet). . : .-- 2... 246 LXXXH. Mackte Hunde Südamerifas. Das italienische Windjpiel. . . 2... 0. 252 TXXRXIIE. U ennel Yürzerne Meute Suchshunde.. . 2. u un 272

LXXXIV. Deutjhe furzhaarige Vorftehhunde (Graf Hoyer dv. Mansfeld und Botho) . . 312

Abkürzungen.

ON Mustern alte ONE, Ohall Ole er Champ.⸗Cl. ... Stall ne 2.9 © 8%.

D. 9. ©. 2.

S. H. S. B..

unter K. O. R.

8. Pr.; E. Pr.

SS IH Pro. 2. SECHS.

Abbildung.

Ausftellung.

Claſſe.

Challenge-Claſſe. Champion-Claſſe. Sieger-Claſſe. Deutſches Hunde-Stammbuch.

. Oeſterreichiſches Hunde-Stammbuch. .Schweizeriſches Hunde-Stammbuch. .Kennel-Club-Stud-Book.

. unter dem Reglement des Kennel-Club.

Siegerpreis; Ehrenpreis.

Erſter, zweiter, dritter Preis. Robende, jehr lobende Erwähnung. Höchſt lobende Erwähnung.

Beceſitzer.

Züchter.

*

Dritter Theil.

Hans-, Hof- und Hirtenhunde, Rafelofe Hunde,

IE Dale

Seite

Tabellarijche Ueberfiht der Haus, Hof» und Hirtenhunde und der rafjelofen _

Hunde nad ihrer Nationalität

. Gruppe. . Gruppe. . Gruppe. . Gruppe. . Gruppe. . Gruppe.

Doggen und Rüden I. u... 2. 0%

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Bernhardshunde, Neufundländer und Tibetbund. . . » -

Hirtenhunde und Pıdel . .....-

Schäferhunde, Spite und wolfsartige Hunde . ....2....

Pinſcher, Terrier und Dalmatiner. . .

Bariah, Verwilderte Hunde und Dingo

Tabellarijhe Heberjiht der Haushunde ꝛc.

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1*

+ Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde ꝛc.

Erfte Gruppe.

Doggen und Rüden.

1) Die Doggen.

Der Ausdruf „Dogge“ gilt hiev als Collectivbezeihnung aller jener kräftig gebauten furzhaarigen Hetzhunde mit verhältnigmäßig großem Kopf und ſtarker, vorn rechtwinklig abgeftumpfter Schnauze, mit tief herabhängender Oberlippe und jtart entwideltem Unterkiefer und Gebiß. Die deutſche Dogge, der engliſche Maftiff und Bulldog, der Dogue de Bordeaux und die alten Bullenbeißer gehören hierher.

Der Ursprung jümmtlicher heutigen Doggenformen reicht nicht weit über Die hriftliche Zeitrechnung zurüd. Die alten Aegypter Hatten feine echten Doggen; bei den Afiyrern tritt jedoch ein mächtiger, ſchwerfällig gebauter, furzhaariger Kampfhund auf, welcher ebenjowohl an einen plumpen Bullenbeifer, wie (von der Behaarung ab- gejehen) an den Berghund von Tibet erinnert, welcher noch heute Dort eriftirt. Die alten Hellenen übernahmen diefen Hund der Aſſyrer feineswegs; wir finden ſowohl bei ihnen, wie bei den alten Römern nur ſpitzſchnauzige Kampfhunde, mit hohen Läufen und kurzem Haar, während der Hund don Moloffis, welcher meistens fälſchlich als das Ideal aller Doggenformen aufgefaßt wird, ein wolfsartiger Hirtenhund, wie der heutige Hund der römiſchen Campagna war. Eine der früheſten Erwähnungen doggenartiger Hunde in Rom finden wir bei Gratius Faliscus, welcher im zweiten Jahrhundert nach Chriſtus lebte und den Muth und die Kraft der aus Britannien eingeführten breitmäuligen Hunde rühmt, welche bei den Circuskämpfen die Hunde von Moloſſis befiegten ). Trotz der Ueberlegenheit der Britannier im Doggen— züchten erhalten wir doch die erſten Beſchreibungen der Hetzhunde des frühen Mittel— alters erſt durch ſpaniſche und altfranzöſiſche Jagdſchriftſteller des 12. bis 14. Jahr—

) Vergl. Antike Raſſen, Bd. 1.

Die Doggen. 5

Hunderts. Durch Vergleichung derjelben mit den jpäteren englifchen und deutjchen Quellen finden wir, daß die Doggenformen jämmtlicher europäischen Länder vom Mittelalter bis jest fi auf drei Haupttypen bejehränfen, welche ſich im Laufe der Zeit zu befonderen nationalen Raffen ausgebildet Haben. Es find dies 1) die ſchweren Bullenbeißer (annähernd dem Maftiff entſprechend), 2) die großen hochläufigen Doggen, duch Kreuzung des Bullenbeißers mit dem Windhunde entjtanden (im Typus der deutjchen Dogge) und 3) die kleinen Bullenbeißer, welche nur eine durch Zuchtwahl verkleinerte Form des ſchweren Bullenbeigers bilden.

A. Die Doggen in Deutſchland.

In den Volksrechten der germaniihen Stämme werden bereit große und ſchwere Hatzhunde erwähnt, welde das „Schwarzwild“ (Bären, Wildftiere und Sauen)

dig. 9.

Deutihe Bullenbeiker des 18. Jahrhundert2.

Großer oder Danziger Bullenbeißer. Kleiner Brabanter Bullenbeiker. (Nah Riedinger.)

jagen und fangen!). Obwohl diefelben nicht unter einem bejonderen Namen auf— geführt, ſondern nad) ihrer jagdlichen Beſtimmung als „Bärenhunde, Eberhunde, Wolfs- beißer u. ſ. w.“ bezeichnet werden, jo unterliegt es doch feinem Zweifel, daß wir in

1) „De his canibus, qui ursos vel bubulos i. e. majores feras, quod Suarzwild dieimus persequuntur, si de his oceiderit, cum simili et 6 solidis componat.“ Lex Bojuv. tit. 19, art. 7.

„Bonum canem porcaritium, qui capit porcas, ursaritium, qui ursos capit, vel qui vaccam et taurum prendit, si occeiderit aliquis, cum 3solidis componat.“ Lex Alem. tit. 83, art. 3.

6 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

diefen Hunden die Borfahren der jpäteren deutſchen „Bullenbeiger“ vor uns haben, welche wiederum dem alten engliihen Maftiff und dem franzöfiichen alan vautre entjpreden, ohne deshalb genau ein und diejelbe Raſſe zu bilden. Aus diefen großen Bullenbeigern entwidelte fi) im 16. und 17. Jahrhundert eine Kleinere Nebenrafje des jogenannten Brabanter Bullenbeißers, während die alte ſchwere Form als Danziger bezeichnet wurde !).

Wir kommen nun zu einer dritten Doggenform, welche die alten, ſchwer— fälligen YBullenbeißer an Höhe und Gewandtheit weit übertraf. Zu Anfang des

dig. 96.

Deutſche Doggen vom Anfang de3 17. Jahrhunderts,

(Aus einem Bilde van Dyk's ın (Aus einem Bilde von Rubens der Münchner Pinakothek.) im Belvedere bei Wien.)

16. Jahrhunderts wurden nämlich jowohl in Deutjchland wie auf dem ganzen Gon-

tinent von England und Irland aus viele Hochläufige, ftarfe Doggen eingeführt, melche durch Kreuzung des Maftiffs mit den großen irländifchen Windhunden jener Beriode entjtanden waren und überall Auffehen erregten. Diefe Hunde, welche übrigens in durchaus verjchiedener Größe, Schwere, Farbe und Form auftraten, find als die Stammeltern unferer heutigen „deutſchen Dogge“ zu betradten, wir haben jelbjt ihren Namen (vom englifchen „Dog“) beibehalten, und fie jind in Deutſchland vom Anfang des 16. bis Anfang des 19. Jahr hunderts als „engliſche Hunde” bezeichnet. Man nannte jogar den Zwinger dieſer Doggen den „englijchen Stall” und den Wärter den „englifhen Hunds-

1) Aljo in ähnlihem Berhältnig wie in England zur jelben Zeit der Bulldog aus dem alten Maftiff hervorging.

Die Doggen. . 7

jungen“. Thatſächlich wurden diefe „engliichen Hunde“ aber in Deutjchland jeit dem Anfang des 17. Jahrhunderts bereits jelbitändig gezüchtet und zu einer be= ſonderen Raſſe ausgebildet, während in England die alten Maftiffs wie auch Die Stammväter unferer Doggen in Folge der zunehmenden Vorliebe für den Bulldog immer mehr in Vergeffenheit geriethen und verſchwanden. In Deutjchland aber wurden bis zum Anfang dieſes Jahrhunderts neben den jogenannten englijchen Hunden oder Doggen auch die alten einheimifchen Bullenbeißer fortgezüchtet, deren kleinere Barietät (unter dem Namen „Brabanter”) annähernd dem Bulldog entiprad), ohne mit demjelben näher verwandt zu fein. Die eigenthümlichen Beziehungen und MWandlungen diefer drei deutfchen Hunderaffen während mehrerer Jahrhunderte ergeben fi) am beiten aus dem Studium unferer älteren Jagofchriftiteller, venn alle deutſchen Doggen und Bullenbeißer waren bis zum Anfang Diejes Jahrhunderts Jagd- und Hetzhunde umd nicht Gegenstand des Lurus allein, wie dies jeiner Zeit häufig von deutjchen Händlern den Engländern gegenüber behauptet wurde, um die in England damals üblihe Benennung: „German Boarhound“ (Deutjcher Cherhund) zu befeitigen !). Die nachſtehenden, chronologiſch geordneten Citate aus unferer Sagdliteratur dürften hier am Plate fein, um jowohl die fait ausjchlieplic jagdliche Verwendung unferer Doggen in früherer Zeit, wie auch ihre Abjtammung von den englischen Maftifffreuzungen des 16. Jahrhunderts zu bemeijen.

Im Jahre 1538 Hatte Landgraf Philipp zu Hefjen einen Antwerpener Bürger beauftragt, ihm einen ſchönen „englifchen Hund“ zu faufen, derjelbe antwortete, daß er von einem ſolchen höre, der in England fei, doch werde man ihn nicht unter 10 bis 15 fl. erhalten. Wilhelm Bud erwähnt ferner, „daß Landgraf Philipp im Jahre 1563 immer „etliche engliſche Hunde mit fi) führte, als Ball, Türk, Anhalt und den jungen Weduff, welcher ihm ſehr beliebt, mußte bei ihm im Gemad) jeyn, war ſchloßweiß und hat einen rothen Fleck am Ohr und Hinterbaden, war ein treuer Hund, was ex faßt, das hielt er“. Etwa zur felben Zeit ſchrieb Landgraf Philipp: „Wir geben Div zu erkennen, dag fi vorrücdter Tage, wie wir zu Ebbe- dorf jageten, zugetragen, daß unfer großer Hund Weckuf eine wilde Sau, ein Lehen (Bade) angelaufen und die bei dem Ohr befommen, indeß hat die Sau den Hund bei einem Fuß erwiſcht und gebiffen, darüber der Hund gejchrieen und endlich das Ohr verlaffen und die Sau bei dem Maul ergriffen, dadurch erledigt worden und die Sau darnad) anders gefaßt, daß fie gefangen worden.“ Um 1570 jchrieb Landgraf Wilhelm IV. von Hefjen, daß er in drei Jagden 413 Sauen erlegt, wiewohl fie fich „redlich gemwehret, Haben Fürjten und vom Adel, darunter große Nittmeifter, die dor Maſtricht ihre Pferde unbejchedigt davon pracht, die Pferde auch etlicher vom Adel Jeger und Bauern ſelbſt geichlagen und über hauffen gelauffen, auch den Bauern, jo

1) Die Folge war, daß die englijhen Doggenfreunde allerdings die Benennung „Öerman Boarhound“ aufgaben, gleichzeitig aber auch die vorgejchlagenen Bezeichnungen: „German Maftiff“ und „German Dogge* (!) dankend ablehnten und zu dem alten Buffon’ihen: „Grand Danois“ (Great Dane) übergingen.

8 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

uff Beume entfliehen wollen, nachgejprungen, bey den Füßen erwiſcht und widder herabgezogen, doch ſeyn unſere engelifhe Rüdden biß anhero noch Gottlob zimblich ledig ausgegangen, u. ſ. w.“. Am 12. December 1581 ſchrieb Landgraf Wilhelm von Heffen über die Saujagden jenes Jahres: „Wir haben während diefer Schweine- hat ſehr luſtige Jagden gehabt und je zu Zeiten in einem Jagen zu Hundert und etlihe und fünfzig aud) oftmals aus unſerm Schirm allein mit Heben!) zu 60 gefangen, daß wir alſo bis auf dato 1154 Säue erlegt Haben hätten aud) in die 30 und mehr fangen mögen, wo fi) nicht. ein Unglüd zugetragen, indem daß ein Schwein unfern frömmften SKammerjungen Claus Rantzau, welder mit einem Spiefe in die Sue gangen, in den linken Schenkel über der Knieekehlen geſchlagen und ihm die große Adern, jo vom Herzen herunter gehen, getroffen Hatte, aljo daß er dem nächften umgefallen und todt blieben, darüber wir dann im Zorn abgeblafen.“

1582 erwähnt der Ueberjeger von Clamorgan’s Wolfsjagd der „eng— liſchen Doggen“ zur Schweins-, Bären und Wolfshatz. C oler (1591 bis 1601) jagt in feiner „Oeconomia ruralis*: „Es haben auc) etliche große Herren, reiche Leuth, Edelleuth, Grafen und Fürften ihre Moloffen?) und Englifhe ftarte Hund.”

Im Jahre 1680 erſchien das erſte, jelbftändige, größere veich illuftrirte deutſche Jagdbuch von Johann Tänker, und zwar in Kopenhagen. Wir finden hier zuerſt | eine eingehendere Schilderung der immer noch als „engliſche Hunde“ bezeichneten | deutſchen Doggen, wiewohl diejelben längft als deutſche Rafjen zu betrachten waren. |

Ferner ift diefe Beſchreibung den Anfprüchen däniſcher Kynologen gegenüber dadurch wichtig, daß Tänker mit feinem Worte diefer Hunde als einer däniſchen Raſſe gedenkt, wiewohl er doch in Dänemark feit 20 Jahren lebte und fängere Jahre als Wolfsjäger in Jütland fungirt Hatte! Täntzer beginnt fein Capitel über die zur Jagd verwendbaren Hunde folgendermaßen:

„Bon denen Englifhen Hunden. ... und haben die Engliſchen Hunde ihren Nahmen von Engeland oder Irland, diemeilen in jelbigen Landen ſolche große Arth Hunde erftlich befunden und erzogen worden und es werben dieſelben bon den Liebhabern noch fonderlich jepariret, daraus der Unterjehied ihrer Aeftim zu erkennen.

„Denn theils große Herren, jo rechte Luft zum jagen haben, geben den allerbeiten jolher Arth den Nahmen als Kammer-Hunde und fuchen dazu die allergrößten und allerihönften aus. Ferner werden die, nechft diefen auch Leibhunde genennet und

1) Dieſe Hagen wurden ohne Anwendung des Schießgewehrs und der Fanggarne (oder nad) dem damaligen Ausdrude: „ohne Seil und Garn“) abgehalten, indem die von den Rüden aus dem Diekicht ins Freie oder auf den „Laufplag“ getriebenen Sauen mit den hinter Schirmen aufgeitellten ſchweren Hatzhunden (engliihe Doggen und Bullenbeißer) behegt und gefangen wurden. Die von den Hunden „gedeckte“ Sau wurde dann vom Jäger mit dem „Schweinſpieß“ oder Hirfchfänger abgefangen. WS bejonderes Bravourſtück galt das Anlaufenlafjen oder Ab— fangen der von Hunden nicht gedeckten Sau, welches jomoh! von berittenen wie von unberittenen Jägern ausgeführt wurde und nicht immer ohne Schädigung derjelben endete. | 2) Canis Molossus, der antife Kampfhund aus Molojfis entipricht dem heutigen Hirten-

|

| hund der Gampagna, ward aber von deutſchen Gelehrten des 16. Jahrhunderts und jpäter als

Bezeihnung des Urtypus der ſchweren Bullenbeiger und Maftiffs angewandt.

Die Doggen. 9

N:

die übrigen ſeyn und bleiben Englifhe Hunde Jetziger Zeit werden jolde Hunde jung an den Herren-Höfen erzogen, und gar nit aus England geholet; auch am beften, warn jo einer ein Jahr oder >/; Jahr alt ift, ehe er neben anderen ſchon geübten Hunden dann mit eingejchäget wird. Ihre Abrichtung ift wenig Mühe und zuförderft nötig, daß dieſelben in ihrer Jugend bändig gemachet und zu führen gemwehnet werden. Damit fie das Viehe gemwohnen u. |. w.“

dig. 97.

Gejadte oder gepanzerte deutſche Dogge. 17. Jahrhundert. (Nah den Driginaljaden der Herzogl. Coburger Sammlung.)

Täntzer erzählt dann weiter, daß „große Herren Liebhaber die Leibhunde mit filbernen, die Kammerhunde aber mit filbern vergoldeten Halsbändern ziereten, welche mit Seyden oder anderen föftlichen Franzen bejeget und mit Sammt gefüttert ind“.

Der junge Hund wurde mit eimem alten auf einen angejchofjenen Hirſch geheßt, und wenn der alte gefangen, zeigte man ihm, daß er den Hirſch nur don der Seite am Gehör faſſen dürfe. Später brachte man ihn nebſt dem alten Hunde an geringe Baden, und zuleßt an Seiler, wobei den Hunden, dann zuvor die jogenannien „Jacken“ angelegt wurden, um fie gegen die Schläge derjelben zu ſchützen. Dieje Jacken wurden zu Täntzer's Zeit „aus braunem Barchent oder Baumjeiden aus-

10 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde ıc.

wendig gemacht und unten mit fefter Leinwand ausgefüttert, mit Haaren oder Baumes wolle wol auzgejtopfet und ganz durchnähet, unter dem Bauch und der Bruft aber iſt es am gefährlichiten und find die Jaden Hier mit Fiſchbein ausgeleget und mit eitel Nöfjel- Löchern hart an einander gemachet mit vieler Arbeit, daß es als ein Pantzer feſte“ (Fig. 97).

„Zum Bähren aber find allen die Jaden unnötig, weiln es da meilt Ohrfeigen giebt und ſolches ein ſolcher Hund in der Furie nicht groß achtet oder fühlet.“

Außer diefen „engliihen Hunden“ erwähnt Täntzer dann nod) der „eng— liſchen Zwitter oder Bährenbeyßer“, welche feiner Beichreibung nad durch Kreuzung der großen engliihen Hunde mit Eleineren Hunden gezüchtet wurden. Diefe Zwitter waren niedriger von Läufen und ſtark von Leib und Kopf. Man ftugte ihre Ohren und Ruthen kurz und benubte fie hauptſächlich zu den Bärenhegen im Zwinger, wie au an Sauen, Wölfen und Luchſen. Außer den „englischen Zwittern“, welche immer noch ſchwere Hunde waren und an den meilten Höfen durch die alte Raſſe der Bullenbeiker vertreten wurden, beſchreibt Täntzer dann auh die Zwitter zwiſchen englifchen Hunden und Windjpielen, welche zu zweien oder dreien zur Hebe angeſchoſſener Hirſche und Bachen, aber nicht auf Keiler und grobe Sauen verwendet wurden.

Den Beihluß der Hebhunde machen bei Täntzer nad den Windhunden die Rüden oder „Rüthen-Hunde”, melde in größerer Anzahl zum Regemachen der Sauen verwendet wurden. Später werden ſie nähere Erwähnung finden.

Mie verſchieden übrigens diefe in Deutjchland gezüchteten „engliihen Hunde” zu Täntzer's Zeit noch waren, ergiebt fi aus feiner eigenen Cintheilung derjelben al „Rammer=, Leib- und gewöhnliche englijhe Hunde“ Unter den damaligen Abbildungen diefer Hunde finden wir jchon zur Zeit Rubeng’!) Erem- plate, welche fi) nur menig von unferen heutigen Doggen unterſcheiden; daneben aber auch jehr ſchwere umd leichtere Formen. Lebtere ſchildert u. A. v. Hohberg 1701 in feinen „Georgica Curiosa“ folgendermaßen: „Die englifhen Hunde find auch gute Schwein-Hunde, etliche deren find jchnellen Laufs und hat der Herr 3. B. Colloredo Obrift-Lieutnant einen ſolchen Hund anno 1637, als wir Havel— berg eingenommen, von den Schwedischen befommen, der 2 oder 3 mal einen Hafen in der erften His befommen. Derſelbe Hund fing einen auf ihn zulaufenden Hafen, indem er fich in eine Furche drüdte und ihn beim Herankommen im Sprunge faßte.“ v. Hohberg überjchreibt daS betreffende Gapitel: „Bon den Schwein-Rüden“ gebraucht diefe Benennung alfo no in der Weife des Mittelalters als Gollectiv- namen für alle bei der Sauhatze gebräuchlichen Habhunde außer den großen Windhunden.

Fleming (1719) liefert bereit3S eine genaue Bejchreibung und ziemlich harakteriftiiche Abbildungen jämmtlicher deutfchen Haßhunde feiner Zeit, und rechnet dazu: „Englifhe Doden, Bären oder Boll-Beißer, leihte Cours—

1) Abbildung Fig. 96 auf ©. 6.

Die Doggen. 11

Hunde, Saurüdden und Windſpiele.“ In Betreff der „englifhen Docken“ erwähnt Fleming ebenfalls, daß dieſe Hunde „in jegiger Zeit nicht mehr fo meit geholet, jondern in Teutſchland an großer Herren Höfen von Jugend auf erzogen, zur Pracht erhalten, auch nach ihrer Größe, gutem Gewächs, Schönheit und Farben als „Kammer-, Leib- und Englifhe Hunde“ unterjchieden und äftimiret werden“. Die „Bären= oder Boll-Beißer“ fhilvert Fleming als Hunde „von mittelmäßiger Größe, breiter Bruft, kurzem und diem Kopf, kurz aufgeworfener Naſe, ſteif ftehenden und ſpitzig verjchnittenen Ohren, dDoppeltem Gebik, weßwegen fie fi) jehr verfangen fünnen, von breiter Stirne zwilchen den Augen. Welche Hunde zwar Dice, ſchwer, jtark und unbehende zu lauffen, im fangen aber ungemein hibig erbittert und jo grimmig anfallen, daß fie darvon zittern und ſchwer abzubringen find, wie dergleihen Art man in Dantzig bey denen Fleifchern in ihrem Spicher von unterjchiednen Sorten antrifft und ſoll diefe Art aus Moscau herkommen, wie ichs dann jelber vor eine Tatariſche oder andre grimmige Art Hunde halte. Dann fie gantz böſe und tückiſch ausſehen und vor unfern Hunden was bejonders haben. Sie werden insgemein zur Büffel-Ochfen- Hab, wie auch zumeilen die Bäre damit zu hegen gebrauchet, zu welchem Kampffjagen fie denn auch am nüblichften dienen. Noch eine andre Art, jo mittelmäßiger, doch etwas niedriger, aber fait an allen Gliedern denen vorigen ähnlich ift, Hat man in Brabant, die fie Boll-Beißer nennen, diejelben haben faft gleiche Beichaffenheit mit vorerwehnter, nur daß fie, tie gemeldet, Feiner find. Sonſten pflegt man aud in Ermangelung vorerwehnter Arten dergleichen jelbiten zu ziehen, wiewohl zwiſchen denjenigen, jo von ihrer Art gefallen und denen Baftarten An Unterſchied it“. Dieje Kleinen Bärenbeißer wurden Hauptjählic zu den Kampfjagen und Thierhegen verwendet, fie mußten „den Bär Hin und her ziwaden, ängftigen und plagen, daß er fih von einem Windel in den andern bey dem Kampfjagen retiriret und wo Waſſer vorhanden, bald hinein, bald wieder herausfähret, mit Ohrfeigen umb ſich ſchmeißet, bis die Hunde müde und die Herrichaft überdrüjlig wird, jodann wird den Bär von der Herrfehaft mit dem Fangeiſen der Reit gegeben, nachdem die Cammer- oder Leibhunde borgerüdet und den Bär gefangen, darzu von den Jägern mit Wald- und Hüfthörnern geblafen wird. Wo die Bäre jelten, pflegen manche Herrichaften darmit Stiere oder Bollen zu hetzen, welches aber eine Uebung jo mehr denen Fleifhern als Jägern anftändig, mir aber unbekannt iſt“. Das Weußere der genannten Bären- oder Bullenbeißer Ihildert Fleming noch weiter: „Sie find meift von kurzen Nafen und ſchwartz umb das Maul, die Unterkiefer ftehen vor, find gelblicht oder braunftreiffig an Farbe und jehen mit denen Augen jehr unfreundfih und launif aus“). (Vergl. Fig. 95.)

1) Fleming erwähnt zum Schluß auch der Cours-Hunde und verfteht darunter die ion bei den Windhunden erwähnten jtarfen curländiſchen Windhunde, in deren Erman— gelung man ſich auch der Baftarde einer großen Windhündin und einer engliſchen Dode bedienen fünne. Dieje Hunde gehörten nah Fleming's Anfiht in „ven engliſchen Stall“, da fie zum Behegen des flüchtigen Wildes verwendet wurden.

2*

12 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde ꝛc.

Riedinger giebt in dem 1738 erjhienenen „Entwurff einiger Thiere“ u. X. 18 Abbildungen von Jagdhunden. Hier macht eine jehr jchöne Abbildung ver „englifhen Dode“ den Anfang, darauf folgt als Nr. 2: „große Arth der Bährenbeißer“ und Nr. 3: „Eleinere Arth von Bährenbeißer“, melde fämmtlih der Fleming'ſchen Auffaſſung der damaligen deutſchen, ſchweren Hab- hunde entſprechen Außerdem find Windhunde, Rüdenhunde und der „leichte Cours— hund“ Fleming's abgebildet. Den Beſchluß macht Taf. 18: „D äniſcher und verſchidene Budelhunde“ two eine leichte Blendlingsform der Dogge neben mehreren Wafjerhunden liegend dargeftellt it. |

In Döbel's „Jägerpractica” (1746) finden wir: „Yu Hetzhunden werden unter- ichiedliche Arthen genommen; als da hat man die Engliſchen Hetzhunde oder Token und Docken genennet, diefelbigen find unter allen Hunden die größeften,

indem einige derjelben über drei Schuh had) wachſen und find alfo auch ſchwer. Wo

fie aber etwas paden, halten fie es auch gewiß.“

„Berner find da Bären= oder Bullenbeißer, welche gegen jene viel niedriger fein, daß fie jelbigen unterm Leibe wegkriechen können, ohne anzuſtoßen, haben kurze dide Köpfe, packen Alles, woran fie gehebet werden, daß fie ſich fat allemal ver- fangen.” (Vergl. Fig. 95.) ;

„Sp hat man aud die Blendlinge, melde beſonders däniſche Blend— (inge genannt werden, diefe find etwas höher mie die Bullenbeiker, leichter zum Saufen, haben etwas ftarfe, doch nicht jo ſehr kurtze Köpfe wie die Vorigen.“ Es ift zu beachten, daß hier zuerſt der däniſchen DBlendlinge näher gedacht wird. Die erfte beiläufige Erwähnung derſelben finde ich bereit bei Fleming im Gapitel „bon denen Blendlingen“, worin es heißt: „Sie (Die Blendlinge) werden aber zuwege gebracht, wenn eine niedrige dähnijche Hündin mit einem Windhund belegt wird (aljo doppelte Kreuzung; der Verf.) oder wenn man in Mangel derer eine andre gemeine Hündin nimmt, doch von glatten Haaren, jo füllt öfters eine gute Art 1... w.”

v. Heppe (vom Leithund 1751) erwähnt unter den Hebhunden zunächſt der

engliſchen Doden, er unterſcheidt Kammer-, Leib- und gemwöhnlide

Hunde, erwähnt ferner, daß fie zu den Saujagden gepanzert jein müßten, daß bie irländifchen den englifchen an Höhe und Stärfe um ein gut Theil noch vorgehen umd als „ſchwere Hatzhunde“ zu bezeichnen wären, da fie wohl zum Niederziehen und Würgen des fich ftellenden Wildes, aber nicht jo gut zum Ginholen defjelben in freier Flucht zu gebrauchen wären. Zu den ſchweren Hakhunden zählt v. Heppe ferner die Bären- und Bullenbeißer, und unterfcheidet ebenfalls noch die hohen Danziger und die niederen Brabanter Hunde (vergl. Fig. 95). Unter den leichten Hebhunden nennt v. Heppe zunächſt die deutſchen alten Gourshunde als jehr nützlich im Lichten (Freien) zum Einholen und Stellen des flüchtigen Wildes, wie au die dänischen Blendlinge (Windhundkreuzung), melde er als jehr raſche, etwas „rane” (ſchmale) Hunde mit wohlproportionirten, etwas ſpitzen Köpfen

Sn re Aue

Die Doggen. 13

ſchildert; „fie find ſehr nüglih im Freien auf Sauen, Rehe und Füchſe lernen au Künfte und apportiren”. Außerdem erwähnt v. Heppe der Zwitterhunde (gefreuzte Blendlinge) von allerhand Arten „fie find gute Hatzhunde auf allerley Wildprett“.

Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts treten mit der Abnahme der Thier— hetzen im Zwinger die alten deutſchen Bullen- und Bärenbeißer immer mehr in den Hintergrund. Graf Mellin (1779) erwähnt ihrer in ſeinem trefflichen Werke (Anlage der Wildbahnen) als Jagdhunde gar nicht mehr und theilt die Hetzhunde in ſchwere und leichte Hunde. Zu erſteren zählt er nur die engliſchen Hunde und die ſtarken „Pommeriſchen Saurüden“ zu den leichten nur die Pürſch— und Windhunde. Letztere werden zum Einholen des flüchtigen Wildes, erſtere zum Packen und Halten deſſelben gebraucht. Unter „Pürſchhunden“ verjteht Graf Mellin die öfters erwähnten Curländer Windhunde, welche er augenſcheinlich als eine Doggenkreuzung (mit dem Windhund) auffaßt.

Hartig (1811) erwähnt in feinem „Lehrbuch für Jäger und die e3 werden wollen”, im Gapitel von den Hunden, der Saurüden, engliihen Hatzhunde oder Doggen und der Bullen- oder Bärenbeißer ala der ſchweren Yab- hunde und der „Blendlinge al der leiten Hunde“. Die engliihen Doggen werden auch hier noch als die ftärkiten, das heißt als die größten und ſchwerſten „unter allen Hunden“ erwähnt. „Kopf und Schnauze find did, der Leib gejtredt, die Läufe ftart und musculös, die wenig gekrümmte Ruthe lang, das Haar immer kurz und glatt, in der Farbe aber ſehr verſchieden.“ Auch braun und ſchwarz ge- flammte werden angeführt, wie getigerte und gefledte, die, wenn fie recht jchön und groß, oft ſehr theuer bezahlt wurden. Vom Bullenbeiker fennt HYartig nur no die große Form, „welche den englifchen Doggen an Größe fat gleich, der ganze Körperbau aber fürzer und gebrängter, der Kopf bon mopsartigem Anfehen. Man findet viele mit gejpaltenen Najen, auch mit jehr kurzen Ruthen und ganz ftumpf geborne Die Farbe meiftens gelblich mit ſchwarzem Maule oder ganz ſchwarz“. Zu den leichten Hebhunden zählt Hartig die Kreuzungen von Sau— rüden und Doggen oder vom Bullenbeiger und Windhund. „Es find daher dieſe Hunde groß und ftark, lang gejtredt, Hochläufig, ſpitzköpfig und Haben viele Aehnlich— feit mit dem Windhunde.“ Der däniſchen Blendlinge erwähnt Hartig mit feinem Worte.

©. %. D. aus dem Windell giebt in feinem Handbuch für Jäger (1820, 2. Aufl.) nur noch eine jehr oberflächliche Beichreibung der Bullenbeißer und eng= lichen Doggen. a. d. Windel! erwähnt auch der dänischen Blendlinge, welche bei der Saujagd näher bejhrieben werden jollen, doch ift hier nur noch die Rede von Blend— lingen im Allgemeinen und ihren Vorzügen bei der Jagd auf Sauen, da Doggen und Bären= oder Bullenbeißer wegen ihrer Schwere, Ungezogenheit und Bos— heit hier füglich nicht zu gebrauchen. „Farbe und Bau der gewöhnlichen Hebhunde, jeldft der Name „Blendlinge” ſcheint zu beweilen, daß fie von vermifchten Raſſen

14 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

entiproffen find. Meiftens waren ihre Stammältern Rüden und Windhunde. a. d. Windell bemerkt noch, daß vor ungefähr 30 Jahren im Deſſauiſchen alljähr- (ih an 800 bis 2000 Sauen gehebt wurden, während 1820 im ganzen Lande nicht 100 mehr zu finden jeien. Man bediente fi) damals in Deſſau noch der irländiſchen Hunde, welche durchweg 27/, Fuß, oft noch Höher waren, von Farbe meilt weiß— bunt, jelten ganz blau, nie roth oder graufträhnig, „trotz ihrer außerordentlichen Stärke waren fie jo leicht”, daß oft im Freien Füchſe mit ihnen gehebt wurden. Am längften erhielten ich die eigentlihen Sauhagen in Kurheſſen, wo noch jebt Nachkömmlinge der alten kurfürſtlichen „Saupader“ (gelb mit ſchwarzem Yang) eriltiren.

In vielen Gegenden Deutjchlands waren die Saujagden mit ſchweren Habhunden zu Anfang dieſes Jahrhunderts indeß längſt bejeitigt; den Bullenbeiker fannte man nur dem Namen nad, und die „engliſchen Doggen“ waren aus den fürftlihen Jägerhäufern und Zwingern vielfach in Privatbeſitz übergegangen. Statt der alten „Kampfjagen“ und Thierhatzen in den fürftlihen Zwingern und Hebgärten finden wir namentlic) in den Hanſeſtädten oft Hegen von Bären und vergl. öffentlich angezeigt, bei denen „Saupader und Solofanger“ als Hebhunde figuriren. Die deutſchen Bullenbeißer verſchwanden völlig, dagegen wurden die „englischen Doggen“ zahlreich und als Luxus— hunde in verjchiedenen Varietäten, namentlih im Württembergiſchen, in Mm und Umgegend gezüchtet. Erſt jet ward es bei den Händlern üblih, die früher als „engliihe Doggen“ benannten Hunde bald als Ulmer, bald als dänische Doggen zu bezeichnen, je nachdem der Käufer einen ſchweren oder leichten Hund wünſchte. Hierzu trug ſowohl die Verwechfelung mit den jogenannten „däniſchen Blendlingen“ (Kreuzung zwiſchen Rüden und Windhund), wie die bereitS zu Anfang vorigen Jahr- hunderts entitandene Hypotheſe Buffons bei, nach mweldher der Windhund unter dem Einfluffe des dänischen Klimas fi) zu einer Dogge (Grand Danois) aus- gebildet Habe! (Vergl. Doggen in Frankreich.) Auf der erjten größeren deutjchen Hundeausftellung in Hamburg 1863 fanden fi unter dem Titel „Dänische Doggen“ 8 Exemplare, während in der Claſſe der als „Ulmer Doggen” bezeichneten Hunde 7 Stüd ausgeftellt waren. In der Ausftellung zu Altona 1869 finden wir 15 „dänifche Doggen” und 12 „Ulmer Doggen“. Im Jahre 1876 erjchienen auf der großen Hamburger Ausftellung 24 „dänifhe” und 45 als „Ulmer“ benannte Doggen. Bon allen diefen Hunden mar fein einziger aus Dänemark eingejchidt over feine Abftammung von dort angegeben fie gehörten vorwiegend Hamburger und Ulonaer Bürgern und waren theils im Württembergifchen, theils in Berlin ge= züchtet. Bei Gelegenheit der Hamburger Ausftellung (1876) ſtellte fich zuerſt die Unmöglichkeit heraus, die ausgeftellten Doggen nad) den angenommenen Glafjen als berjchiedene Hunderafjen zu behandeln, und die deutſchen Preisrichter machten hier zuerjt (auf v. Wardenburg’3 und Lang's Anregung) den Vorſchlag, die Doggen= clafjen auf eine einzige Kaffe zu bejchränfen und diefelben einfach als „deutſche Doggen“ zu bezeichnen, was ſie thatfächlich bereits jeit mehreren Jahrhunderten find.

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Tafel XLVII.

Deutſche Dogge Harras I.

v. Lord (I, Preis, Berlin 1880).

Bühter: Stahl-Ehlingen; Beier: Dr. Cafter- Winkel.

Die Doggen. 15

Die deutſche Dogge der SJehtzeit.

Wie ſchon erwähnt, variirten die deutſchen Doggen jener Zeit namentlich) in Bezug auf Größe und Stärke, doch entjchloffen ji die maßgebenden Preisrichter und Züchter bald, nur jene, in Deutſchland am häufigiten gezüchtete und ſchönſte Form anzunehmen, welche genau die Mitte hält zwiſchen der ſchweren Form der Bullen- beiger und der des Windhundes!). Im Jahre 1880 wurden bei Gelegenheit der Austellung in Berlin die Nafjezeihen dieſer Form in einer Verfammlung von Dele- girten unter Borfig des Präſes Dr. Bodinus feitgeltellt, mit der vorgevrudten An— merfung:

„Raſſezeichen der deutſchen Dogge. (Berlin 1880.)

(Mit der allgemeinen Annahme viejes Namens find die bisher üblichen aber unberechtigten Bezeichnungen „däniſche Dogge“ und „Ulmer Dogge” fortgefallen.)“

Bei Gelegenheit der allgemeinen Reviſion der Rafjezeihen der Nichtjagdhunde im Jahre 1891 wurden auch die Points der deutſchen Dogge auf Anregung des Berliner „Doggenclubs“ in folgender Weiſe abgeändert:

Die deutihe Dogge.

1) Allgemeine Erſcheinung: Die deutjche Dogge vereinigt in ihrer Ge— ſammterſcheinung Größe, Kraft und Eleganz wie faum eine andere Hunderafje. Sie hat nicht das Plumpe und Schwerfällige des Maftiffs, ebenjomenig die zu jchlanfe und leichte, an den Windhund erinnernde Form, jondern Hält die Mitte zwiſchen beiden Extremen. Bedeutende Größe bei Fräftiger und doc) eleganter Bauart, meiter Schritt und ftoße Haltung, Kopf und Hals hoch, die Ruthe in der Ruhe abwärts, im Affect geftrect oder mit möglichſt Schwacher Biegung nach oben getragen.

2) Kopf: Mäkig langgeftredt und eher hoch und ſeitlich zujammengedrüdt al breit und platt ericheinend. Stirn, von der Seite gejehen, merklich vom Najen- rücken abgejegt erjcheinend und mit. diefem parallel nach hinten verlaufend oder nur ſchwach anfteigend, von vorn gejehen nicht auffällig breiter als der ſtark entmidelte Schnauzentheil; Badenmusfeln nicht zu ſtark herbortretend —: der Kopf ſoll von allen Seiten edig und beftimmt in jeinen Außenlinien ericheinen. Naſe groß, Najen- rücken gerade oder nur. ganz ſchwach gebogen, Lippen vorn ſenkrecht abgejtumpft und nicht zu ftarf an den Seiten überhängend, jedoch mit gut ausgejprochener Yalte am

1) Eo ſchwierig die Löſung diefer Aufgabe auch anfänglich erſcheinen mag, jo ergiebt fie fi) doch von jelbft, jobald eine größere Anzahl von Hunden verjchiedener Stärke neben einander geitellt werben.

16 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

Lippenwinkel; Unterkiefer weder vorjpringend noch zurüditehend. Augen mittelgroß, rund, mit ſcharfem Ausdruck, Brauen gut entwidelt; Ohren hoch angejeßt, nicht zu weit auseinander ftehend, wenn geftußt, jpis zulaufend und aufrecht ftehend.

3) Hals und Schultern: Hals lang, kräftig, leicht gebogen, mit gut aus- gebildetem Genickanſatz, von der Bruft bis zum Kopfe ſich allmählich verjüngend,

dig. 98.

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Schädel einer deutſchen Dogge (Meßter'ſche Züchtung). (Nr. 3922 de3 königl. landw. Muſeums in Berlin.)

ohne Wamme und ohne ftarf entwickelte Kehlhautfalten ſchlank in den Kopf über- gehend. Schultern lang und ſchräg geftellt.

4) Bruft: Mäßig breit, Rippenkorb gut gewölbt, langgeftredt, vorn tief, mög- lichſt bis zu den Ellenbogengelenfen hinabreichend.

5) Rumpf: Nüden mäßig lang, in der Lendengegend leicht gemwölbt, Kruppe furz, wenig abfallend und in ſchöner Linie zur Ruthe übergehend. Von oben ges iehen, verbindet fich der breite Rücken gut mit dem ſchön gemölbten Rippenkorbe, die Lendengegend ift Fräftig entwidelt, und an den Heulen fällt die ſtark ausgeprägte Muskulatur vortheilhaft auf. Bauch nach Hinten gut aufgezogen und mit der Unter— ſeite des Bruftforbes eine ſchön gejchweifte Linie bildend.

6) Ruthe: Mittellang, nur wenig über die Sprunggelenfe hinabreichend, breit angejeßt, aber ſchlank und dünn auslaufend, jedoch nie, felbft in der Erregung nicht, hoc) über den Rüden erhoben oder geringelt getragen.

Die Doggen. 17

7) Vorderläufe: Ellenbogen gut niedergelaſſen, d. h. möglichſt im rechten Winkel zu den Schulterblättern ſtehend, und weder nach innen noch nach außen ge— dreht, Oberarme muskulös, die ganzen Läufe ſtark, von vorn geſehen wegen der ſtark entwidelten Muskulatur ſcheinbar ſchwach gebogen, von der Seite gejehen aber völlig gerade bis zu den Fußgelenken hinunter.

8) Hinterläufe: Keulen muskulös, Unterſchenkel lang und ſtark, in einem nit zu ftumpfen Winkel zu den kurzen Fußmurzeln flehend. Bon Hinten gejehen erſcheinen die Sprunggelenfe völlig gerade und weder einwärts noch auswärts geftellt.

9) Pfoten: Rundlich, weder nad) innen noch nad) außen gedreht, Zehen gut gewölbt und geſchloſſen, Nägel jehr ſtark und gut gerümmt. Afterklauen zwar nicht fehlerhaft, doch nicht erwünfcht.

10) Behaarung: Sehr furz und dicht, glatt amliegend, an der Unterfeite der Ruthe nicht merklich länger.

11) Farbe: A. Geftromte Doggen: Grundfarbe vom helliten Gelb bis zum dunklen Rothgelb, immer mit ſchwarzen oder doc dunklen Querftreifen geſtromt. B. Einfarbige Doggen: Gelb oder grau in den verſchiedenſten Tönen, ent— weder ganz einfarbig oder mit dunklerem Anflug an der Schnauze, den Augen und dem Rückenſtrang; ferner einfarbig ſchwarz und einfarbig weiß. Die Naje iſt bei den geſtromten und einfarbigen Doggen (außer bei den einfarbig meißen) immer ſchwarz, Augen und Nägel dunkel, weiße Abzeichen find nicht erwünſcht. Dei den grauen Doggen find hellere Augen, aber keineswegs Glasaugen zuläſſig. C. Ge— fle&te Doggen: Grundfarbe weiß mit unregelmäßig zerrifjenen, aber über den ganzen Körper möglichft gleihmäßig vertheilten, am beiten ſchwarzen oder auch grauen Flecken. Andere Farben bezw. Zeiinungen als die hier angeführten find nicht gern gejehen. Bei den geflekten und auch bei den einfarbig weißen Doggen ſind Glasaugen, fleiſchfarbene und gefleckte Naſen, ſowie helle Nägel nicht fehlerhaft.

12) Größe. Die Schulterhöhe eines Rüden ſoll nit unter 76cm, mög— lichſt SO, die einer Hündin nicht unter 70 cm, möglichſt 75 betragen.

In Betreff der Abbildung des Doggenſchädels Fig. 98 ſei bemerkt, daß derjelbe einer don Herin Meßter-Berlin gezüchteten Dogge ſchwerſten Schlages angehörte. Die jetzigen Doggen zeigen auch nicht mehr den ftarfen Abſatz dor der Stirn. Dr. Bodinus bemühte fich feiner Zeit vergebens, außer der noch jetzt zu Recht be— ftehenden mittleren Form der deutjchen Dogge auch eine möglichſt ſchwere Raſſe zu züchten, um fo mehr, als bereits verſchiedene Prachtexemplare derjelben eriftirten. Der wiederholt geftellte Antrag des Dr. Bodinus fand jedoch niemals Unterftügung und es dürfte ſchwer halten, jest noch eine zweite, ſchwerere Raſſe der deutſchen Dogge ins Leben zu rufen und noch ſchwerer, dieſe neben der erften aufrecht zu erhalten.

Die deutſche Dogge in ihrer jegigen Form ift vielleicht die vollendetite und ihönfte Hunderaffe, welche bis jebt eriftirte Es gehörte aber auch ein jo langer Zeitraum beftändiger jagdlicher Thätigfeit dazu, um diefe Größe, Kraft und Gemwandt- heit in ein und derfelben Raſſe zu vereinigen und erblich zu machen. Noch jet

15 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

erfordert die Aufzucht diefer Hunde mehr Aufmerkſamkeit, als die irgend einer anderen Raſſe; vor Allem müfjen diefe Hunde ſchon in früher Jugend viel Freiheit haben. Im gejchloffenen Zwinger gedeihen fie ſchlecht, und wir finden daher die ſchönſten Eremplare im Württembergijchen, meiftens im Befit von Mebgern und anderen Ge- werbetreibenden, melde viele Gänge über Land machen und die jungen Hunde mit ji führen und frühzeitig gewöhnen. Eigentliche Züchtereien in größerem Maßitabe giebt es in den doggenzüchtenden Diltricten faum. Gaftwirthe, Abdeder und Mebger halten oft eine gute Hündin, laſſen fie von einem ausgewählten Hunde belegen und ziehen öfters ein kräftiges Junges auf. Umgekehrt kaufen auch viele Leute, welche Futter für einige Hunde Haben, jolde im Alter von etwa act Wochen auf und ziehen jie aus Speculation auf. Bon größeren Züchtern ift jomit dort faum die Rede und ebenjo menig wird die Eintragung der deutſchen Doggen in Das D. 9.-6t.-Bud mit jolhem Eifer betrieben, wie dies. bei den meilten anderen Rafjen der Fall if. Dafür ift das Intereſſe für die Züchtung rajfiger Hunde und die

Kenntniß derſelben um jo größer und feit langer Zeit im dortigen Volke verbreitet,

und die hohen Preiſe, welche namentlich in England für vorzügliche Doggen bereit- willig gewährt werden, ermuntern die einzelnen Züchter und fördern die Ausbildung der Raſſe. Bemerfenswerth it unter Anderem noch, daß von der in älteren Jagd- büchern ſtets beklagten geringen Fruchtbarkeit der Vorfahren unferer Doggen gegen- märtig nicht mehr zu bemerken ift, doch pflegen diefe Hunde frühzeitig zu altern.

Auf der Frankfurter Ausſtellung 1888 erſchienen etwa 110 deutſche Doggen; unter den einfarbigen erhielt Helios, Be. Ulrich-Doos, den Ehrenpreis; unter den Hündinnen: Berle von Blauen, Bel. M. Hartenftein=-PBlauen: Ehrenpreis. Unter den gejtromten Hunden: Harras IL, Bel. Ulrich-Doos: Ehrenpreis (Ab— bildung, Tafel XLVIII); Hündinnen: Nora-Doos, Bei. Ulrich-Doos: Chren- preis. Getigerte Hunde: Macbeth, Bel. U. Latz-Euskirchen: Ehrenpreis; Hün— dinnen: Dorina, M. Hartenftein- Plauen: I. Preis.

Die Kölner Ausftellung 1889 war ebenfalls jehr gut mit 116 deutjchen Doggen beſchickt. Der größte Theil derjelben ftand in einer langen Reihe hoch auf- gejtellter Boren, und es gewährte einen eigenthümlichen Anblid, wenn die ftattlichen Thiere beim Erjcheinen des Wärters oder eines Hundes am oberen Ende des Ganges plöglidh mie auf Kommando vorwärts traten und mit gehobenen Köpfen und ge- ſpitzten Ohren till und unbeweglih nah ein und derfelben Richtung ftarrten. Unter den einfarbigen Hunden erhielt Pirſcho, Bel. Dav. Wied-Cannftadt: einen IL. Preis und Specialpreis, und Apollo, Bel. U. Latz-Euskirchen: den Ehrenpreis, Specialpreis und I. Preis; Hündinnen: Rhein-Perle, Bei. X. Latz-Euskirchen: I. Preis und Specialpreis. Geftromte: Hannibal, Bel. W. Hertned- Stuttgart: Ehrenpreis und III. Specialpreis; Hündinnen: Senta-Bella, Bel. Eugen Maiſch— hofer- Pforzheim: J. Preis. Getigerte: Pormann, Bei. Herm. Brodbed- Eplingen a. N.: I. Preis und Specialpreis; Alexander (Fig. 99), Bel. Fr. Pietſchker— Friedenau: Ehrenpreis; Hündinnen: Diana-Eſſig, Be. Chr. Eſſig-Leonberg:

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Die Doggen. 19

I. Brei und Specialpreis. Den Ehrenpreis für die befte und reichhaltigfte Collection erhielten zugleih U. Laß - Euskichen und S. Cohn-Hamburg.

Der Katalog der Caſſeler Ausftellung Juni 1889 zählte auffällig genug in der Gruppe der Doggen nur 39 Nummern, Doc wurde diejelbe dadurch intereffant, daß die in Köln fehlenden beiten Hunde des Hartenftein’hen Zwinger hier vertreten waren. Unter den einfarbigen finden wir: Nedar: Ehrenpreis, Hündinnen:

Fig. 99.

Alerander (5854), Hannibal J, v. Cäſar a. d. Tiga. v.. Moreau a. d. Flora, 1887. Beſitzer Fr. Pietſchker, Friedenau. Befiker Ulrich-Doos, Nürnberg.

Dtter: Ehrenpreis. Geftromte: Favor: Ehrenpreis, Hündinnen: Ruth: Ehren- preis, ſämmtlich im Befib von Mar Hartenftein- Plauen i. 2.

Im Spätherbft 1889 fand auch eine Ausftellung zu Cannſtadt in Württem- berg ftatt, wo die Doggen, wie vorauszuſehen, jehr gut und zahlreich vertreten waren. Dies gilt namentlich von den Tigerdoggen - Hündinnen. In der Tigerclaffe errang Hannibal (Figur 99), welcher in Belib des Herrn Ulrich-Doos bei Nürnberg über- gegangen war, den von Sr. Maj. dem König Karl geftifteten Ehrenpreis. Die ‚große Berliner Ausftellung 1890 hatte 118 Meldungen, Nürnberg 62, Frankfurt 1891 brachte 105 Doggen, doch erreichte diefe Ausftellung die Cannftadter und Kölner qualitativ nicht völlig. Erſte Preiſe erhielten (in Frankfurt) in den geftromten Claſſen nur Ella-Hanja von ©. Cohn-Hamburg; gelbe: Halfvan-Doos,

3*

20 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

B. Ulrich-Doos und Bella- Göppingen, Bei. 9. Gaiſer; graue: Falkner-Plavia, Bei. Albert Laß-Eusfirhen, und Diana-Dortrecht (ſchw. w.), Bel. F. U. Onder- water. Jugendclafje: Banther=- Hamburg, Bei. 9. W. Lorengen, und Bella von Giebichenftein, Bei. R. Oruneberg 9. 2. E. Wahrſcheinlich in Folge ver Verbandes-Ausftellungen war Münden 1892 nur mit 68, jedoch vorwiegend guten Hunden beiehidt, ebenjo hatte Hannover 1893 nur 18 Meldungen. Hier erhielten I. Breife unter den einfarbigen: Perle-Euskirchen (Abbildung, Tafel XLIX.), Bei. Albert Lab; geftromte: Hödur, Bei. C. Püſchel-Schöneberg, und Bella von Giebichenftein des Hein R. Oruneberg; gefledte: Cröſus, Bel. U. Knödler-Stuttgart.

Nachitehend möge hier noch eine furze Weberficht hervorragender Doggen vom Jahre 1885 bis Ende 1893 Pla finden:

Der Großvater Hannibal’, Dr. Caſter's gelbgeftromter Yarras I. (Tafel XLVIL, v. Zord, I Preis Berlin 1880, geworfen 1883, 3. Stahl-Eßlingen), imponirte weder durch ungewöhnliche Größe, noch dur) eine auffällig ſchöne Färbung, allein der Hund war in jo durchaus regelmäßigen Berhältnilfen gebaut und ftand jo vortrefflich auf den Läufen, daß er bei näherer Betradhtung regelmäßig die ihm anfänglich weit überlegen jcheinenden Concurrenten fchlug.

Ein anderer Harras, II. (2713, Delft. 9. St. B. 474) des Herrn Ulrich— Doos erhielt 1886 Ehrenpreife in Wien, München und Leipzig u. |. w. erſchien auch nod in Köln 1889, wo er jedoch nur noch einen II. Preis errang. Harras d. Nero, Sohn des Lord (I. Preis Berlin 1880) a. d. Fanny Eijele’s, Tochter Rigo's (I. Breis Frankfurt 1878) war in der Zeit feiner Blüthe eine ftattliche Erfcheinung, Farbe goldgejtromt. Züchter: Etjele-Stuttgart. Die Maße dieſes ſchönen Hundes (Abbildung, Tafel XLVIII.) find: Schulterhöhe 79 cm, Kopflänge 27 cm, Schnauze 12 cm, Ellen- bogen vom Boden hoch 42 cm, in der Weichengegend vom Boden Hoc) 56 cm, ganze Länge des Rumpfes vom Schultergelent horizontal bis zum hinteren Rande der Keule 871/, cm, Umfang der Bruft Hinter den Schultern 93 cm, Länge der Ruthe 57 cm. Eine etwas leicht und jchlanf gebaute Hündin Juno (Tafel XLVIII.), Beſitzer Gh. Ejjig-Leonberg, erihien ebenfalls 1886 auf der Münchener Ausftellung. Die Hündin war auffällig durch die fofette Haltung des Kopfes und ihre bunte, weiß, gelb und braun gefledte Färbung, wie dur) die Eleganz ihrer ganzen Erſcheinung. Maße: Schulterhöhe 74 cm, Kopflänge 26 cm, Schnauze 13cm, Höhe in der Meichen- gegend vom Boden 53 cm, Ellenbogen 43 cm, ganze Yänge des Rumpfes horizontal gemefjen 81 cm, Bruftumfang 90 cm, Borarm im Umfange 24 cm, Ferſe vom Boden hoch 23 cm, Ruthe 52 cm. Fritz IL (4616; Abb. Titelbild) des Herrn A. Laß und Ulerander (Figur 99 a. d. ©.) des Herin Fr. Pietſchker in Friedenau bei Berlin vd. Cäſar (Schmidt-Stuttgart) aus der Tiga (Schaub-Ehingen) ge= morfen 1886 beide rein weiß und ſchwarz gefledt, 81 cm Schulterhöhe, von eleganter, doch Fräftiger Bauart, zählen zu den beiten ZTigerdoggen neuerer Zeit. Ferner Hannibal I (Figur 99 a. v. ©.) gelbgeftromt, v. Moreau a. d. Flora, geworfen 1887. Züdter: M. Diejch-Blanfenhorn. Beſitzer: Ulrich-Doos b. Nürnberg. (Moreau ftammt

Tafel XLIX.

Deutfche blaugraue Dogge Perle-Euskirden.

I. Preis Hannover 1893. v. Fauft (2270) aus Aftriv-Plavia (4622), gew. 27. Yebruar 1890. Züchter: M. Hartenftein; Befiger: U. Lat - Euskirchen.

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Doggen. 21

von Dr. Bafter’3 Harras I. aus Hertned’3 Liza.) Hannibal I. ift oder war vielleicht die beite geſtromte Dogge noch vor wenigen Jahren, ex wurde 1892 für hohen Preis nad) England und von dort nah Moskau verkauft. Seine Maße find: „Schulter-

Fig. 100.

Hannibal-Zaandanm, dunkel geſtromte, deutſche Dogge, dv. Ador a. d. Flora 1891. Züchter: M. Lüde-Berlin, Beſitzer: 3. 3. Zwaardenmaker-Zaandam.

höhe 82 cm, Kopflänge 29 cm, Schnauze bis zum inneren Augenwinkel lang 13 cm, Ellenbogen vom Boden hoch 46 cm, hinterer Mittelfuß ,22 cm, Yüänge der Ruthe 55 cm, Rumpflänge vom Bugbein bis zum hinteren Rande der Keule horizontal 87 cm, ganze Länge von der Nafenfpige über den Rüden bis zur Ruthen— ipige 180 cm, Umfang des Kopfes 59 cm, Umfang der Bruft Hinter den Schultern 100 em, Umfang des Vorarms 28 cm.”

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Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

In neuefter Zeit find noch folgende Doggen in den Vordergrund getreten: 3.9. Zwaardenmaler’s Hannibal, dunkel geſtromt, v. Ador a. Flora, 1891, Züchter: M. Lücke-Berlin (Figur 100 a. d. ©.). Cröſus (6439), weiß und ſchwarz geflect, Beſitzer: Anödler-Stuttgart, d. Lord a. Minfa 1891. Falkner-Plavia (4615) blaue Dogge, 1888 v. Pollux I. a. Perle; Beliger: Erdm. Wichele-Nieder- ihönhaufen. Perle-Euskirchen (6444), blaugraue Hündin (Abbild., Tafel XLIX.), Befiger Albert Lag- Euskirchen, Rheinprovinz, v. Fauft (2270) a. Aſtrid Plavia (4622) geworfen 1890.

Vor mehreren Jahren wurden deutſche Doggen, namentlih in Württemberg, in großer Zahl fir England aufgefauft, und es bildete ſich dort auch ein Verein zur Züchtung derfelben nach) umgeänderten Points (Great Dane-Club). Doch ift bis jeßt durchaus feine Vervollkommnung der Rafje in England eingetreten, und es ſcheint fait, als ob die Kaffe (mie auch unfer Dachshund) beveit3 in Deutſchland den Höhepunkt typifeher Ausbildung erreicht hätte. In neuerer Zeit werden auch viele Doggen von deutſchen Züchtern nach) Amerika, Frankreich und den Niederlanden verſchickt.

B. Die Doggen in England,

Nach der Eroberung Britannieng durch die Römer wurden die dort zahlreich gezüchteten ftarfen Kampfhunde Häufig nad Rom eingeführt. Wrrian (2. Jahrh. Fig. 101.

Maftiff und Bulldog im Jahre 1796. (Aus Thomas Bewid’3: History of Quadrupeds.)

vor Chr.) fpriht von den breitmäuligen, britifhen Hunden, melde den Nacken der Stiere in der Arena brechen. Man hat aus diejer Beichreibung her— geleitet, daß der „breitmäulige” Hund jedenfalls der Bulldog gemwejen und dieſer mithin als Vorgänger des jpäteren Maftiff zu betrachten jei. Allein jene Bezeichnung ift wohl nur als Gegenſatz zu den ſpitzſchnauzigen Kampfhunden der Römer zu bes

Doggen. 23

trachten, denn ſtumpfſchnauzige Hunde, wieder Bulldog und Maftiff, waren in Griechenland mie im alten Rom augenſcheinlich unbekannt, wiewohl die Aſſyrer die— jelben bereits gezüchtet hatten. Griechen und Römer aber bildeten vor Ein- führung britifcher Hunde ſelbſt den Höllenhund Kerberos mit ſpitzer Schnauze ab. Der Heutige engliſche Maftiff und der Bulldog ftehen augenjheinlih in dem—

jelben Verhältnig zum alten britiichen „Maftiff“, wie der heutige englische Setter und der Spaniel zu dem alten ſpaniſchen Vogelhunde. Spaniel und Bulldog ſind mehr oder weniger al3 Zwergformen und rhachitiſche Abänderungen des Setters und Maſtiffs zu betrachten, aber auch diefe werden in ihrer jegigen Geftalt ſchwerlich mehr den alten Stammraſſen völlig gleichen, die überhaupt nicht To ausgeglichen waren, wie es heutzutage verlangt wird. Ebenſowenig ift anzunehmen, daß der alte Maftiff zuerft auf britifhem Boden entftanden ſei. Selten und germanijhe Stämme züchteten ſchon in früher Zeit große Kampfhunde, umd es ift wahrſcheinlich, daß Die Borfahren des Maftiffs bereits durch die Angelſachſen eingeführt wurden). Der alte britiſche Maftive, der altſpaniſche „Alano* und franzöfiiche „Vautre*, tie der „hessehunt“ der germanifchen Stämme find wohl nur Variationen ein und derjelben Form, entftanden durch die langjährige Züchtung in eimfeitiger Hinficht auf Kraft und Körpermaffe. Bei den Kelten waren die Kampfhunde Hoch geſchätzt. Anewien, ein feltifchen Dichter des 6. Jahrhunderts, jagt in feiner Schilderung dev Schlacht bei Gattraeth, in welcher feine Landsleute von den Sachjen geſchlagen wurden und an welcher er als nordbritiiher Häuptling theilnahm:

„&3 entrannen nur Drei der Macht ihrer Schwerter,

Zwei Kampfhunde von Xeron und Cynon,

Und ih.“

. Sn den „Welsh-laws“ des 9. Jahrhunderts werden drei Formen der Nicht- jagdhunde erwähnt: der Maftiff, der Schäferhund und der Haushund (house-cur, ein Kleiner Wachthund). Ebenſo wird der Maftiff von den jpäteren engliſchen Schrift- ſtellern meiſtens als Wächter des Haufes und der Gehöfte aufgefaßt. Schon ſeit Kanut's Zeiten (1013) bis in die erfte Hälfte des 17. Jahrhunderts mar es üblich, den Forſtgeſetzen entſprechend die Maftiffs, welche innerhalb oder in der Nähe der föniglichen Forſten gehalten wurden, an einem Vorder- oder Hinterfuße zu lähmen, während andere, flüchtigere Hunderafjen dort gar nicht geduldet wurden ?).

1) Die Benennung „Maftiff“ ift dem germaniſchen Sprachſchatz entlehnt (Orimm); Die ültefte engliſche Form lautet angeblid) „Mase-theve“, was man in neuerer Zeit durch „master of the thieves* (Meifter der Diebe) zu erklären verjuchte! Da liegt doch, meiner Anſicht nach, das jedem Norddeutſchen noch heute verjtändliche „Mast-teve“ (ſchwerer, plumper Hund) weit näher. (Das lateiniſche C. mastivus ift dem altenglijchen mastive nachgebildet, aber nicht das jpanijche „mastin“.) (Bergl. Doggen in Frankreich und Spanien.)

2) Dieje barbarijche Verſtümmelung ward unter dem Namen „lawing* (von law, Gejet) oder „maiming“ (lähmen) in den betreffenden landesherrlichen Jagdbezirken in Zwiſchenräumen von zwei Jahren ausgeführt. Es gejhah dies anfänglich durch Lähmung der Hadenjehne (Hockney- sewing), jpäter durch Abtrennung von drei Zehen eines Vorderfußes (expeditate, von ex und pes, Fuß) oder durch Ausjchneiden eines Fußballens.

24 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde ꝛc.

Wie Schon bei der Beſchreibung der deutfchen Doggen erwähnt, wurden die Vor- fahren derjelben bereits im Anfange des 16. Jahrhunderts häufig aus England, nament- li) aber aus Irland eingeführt. Dieje Hunde entſprachen keineswegs den Schilde- rungen des engliſchen Maftiffs jener Zeit, welcher ſich wenig von den alten deutjchen Bullenbeißern unterſchied. Höchſt wahrſcheinlich entitanden dieſe zahlreich nad) dem Continent, hauptſächlich nach Deutſchland importirten „Doggen“ durch Kreuzung der alten Maſtiffs mit den großen iriſchen Windhunden, denn ſie waren höher und raſcher als unſere alten Bullenbeißer und ſehr verſchieden in der Form. Die damaligen engliſchen Jagdſchriftſteller unterſchieden ſie nicht als beſondere Raſſe, doch ward ſchon zu Cromwell's Zeiten ein ſo ſchwunghafter Handel mit dieſen, in Irland auch zur Wolfsjagd benutzten Hunden betrieben, daß die Ausführung derſelben zeitweilig von der Regierung unterſagt wurde. Aus alledem geht hervor, daß man in damaliger Zeit in England und Irland mehr Werth auf die Production großer und ſchöner Exemplare als auf Reinzüchtung beſtimmter Raſſen dieſer Hetzhunde hielt. Die früh— zeitige Abnahme der Wölfe, Bären und des Schwarzwildes in England bildete die Urſache, daß die Hetzhunde hier ſchon im 16. Jahrhundert nur noch für den Verkauf und für die Thierhatzen im geſchloſſenen Raume gezüchtet wurden. Die ſogenannten „Bären— garten“ (Bear-gardens) exiſtirten ſchon vor der Zeit Eliſabeth's. Der Züricher Pfarrer Jojua Maler, welder im Jahre 1551 London bejuchte, erzählt u. U.: „Wir bejahen auch einen Dxt, die Barbiet (Bear-baiting) genannt, darinnen durch vereidete Perſonen in merfliher Anzahl die jungen ftarfen Toggen und Jagdhund jeder in jeynem Hüßle (Haufe) an ftarke Kettinen angelegt zum Jagen und wie ſy das Gemild anfallen jöllen, abgerichtet wurden und ſömlichen Meiftern, jo dis Abrichten könnind, ump ein bejtimpt Geld und uf eine gewiſſe Zeyt verbingit wordind. Wer jümlichen Schimpf (den ganzen Spaß) begert zu fehen und wie die Hund an Bären, Wolff, Stiere, ſtarke Schweyn angeheßt merdind, der kann zu gewiffen Tagen und Stunden um ein klein Gaffpfenning jömliches wohl zumegen bringen. Es ift ein jundre Luft jo viel jtarfer und ſchöner englifher Toggen und Rüden zu jehen. &3 ift in diefen Barbitinen ein fat unruhig Wejen, mit dem fteten Bellen der Hunden, alſo daß mans von wytem hören kann, gleich wie die armen Gefangenen im Chatelet zu Paris.“ Dieje naive Er- zählung des Züricher Pfarrers giebt uns ein beſſeres Bild der damaligen Verhältniffe, als die Mittheilungen feiner englischen Zeitgenofjen, welche an diefe Dinge von Jugend auf gewöhnt waren. Am 12. Mai 1600 ſchrieb Romland White an Sir Rolat Sidney: „Ihre Majeftät (Königin Elifabeth) befindet ſich wohl, heute Hat fie bejtimmt, den Franzojen zu jehen, der in Gonduityard Kunſtſtücke auf dem Seil verrichtet, auf morgen hat jie die Bären, den Bullen und den Affen befohlen, welche in Tilt-yard gehegt werden jollen. Am Freitag wird feierliher Tan, (solemn dancing) ftatt- finden.” Bären- und Bullenhegen waren allerdings unter Jacob I. an Sonntagen unterfagt, allein fie gingen oft mit dem Gottesdienfte Hand in Hand. Bei An— mejenheit des ſpaniſchen Gejandten in London im Jahre 1623 wurden Bullen, Bären, Pferde und Affen gehebt; zuleßt ward ein weißer Bär (Eisbär) in die Themſe

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Doggen. 25

geworfen, wo ihn die Hunde ſchwimmend hesten welches „ver beſte Sport vor Allem war“. Unter Jacob I. fanden auch verjchiedene Löwenhetzen jtatt, bei denen fi) ftet3 herausftellte, daß der Löwe den Maftiffs allerdings an Kraft und Stärke der Waffen bedeutend überlegen war, aber den Hunden an Muth und Todesverach— tung bei Weitem nachſtand. Beim erften Verſuche wurde ein ſtarker Hund auf den kräftigſten Löwen Iosgelaffen, welcher den Löwen jofort im Geſicht padte, von dieſem aber abgejchüttelt, feit im Naden gefaßt und die Stiegen auf und niedergejchleppt wurde. Daffelbe mwiederholte ſich mit zwei anderen Hunden, zulegt flüchtete der Löwe in feinen Käfig, indem er über die Hunde hinwegſprang. Zwei von Diejen ftarben mährend ver nächften Tage, der dritte wurde, als er genejen mar, nad) dem St. Jamespalafte geſchafft und dort bis an jein Ende verpflegt.

Die zunehmende Popularität der Stierhegen übte eigentHümlich genug auf die Züchtung der großen englifchen Doggen und Maftiffs einen lähmenden Ein- flug. Die Stierhegen waren allerdings ſchon im frühen Mittelalter in England als Volfsbeluftigung fehr beliebt, allein fie unterſchieden fi) von den fpäteren „bull- baiting“ dadurch, daß der Stier frei umher Tief und von einer größeren oder geringeren Zahl großer Humde gehetzt wurde. Im Laufe der Zeit bildete ich dieſes Stierhegen in höchſt raffinirter Weife jo aus, daß nur ein einziger umd verhältnißmäßig Kleiner Hund auf den an einem langen Stride befeftigten Stier gehetzt wurde. Der Hund ſuchte dem Stier, der ihn mit tief geſenktem Kopfe erwartete, dadurch beizufommen, daß ex, mit dem Bauch am Boden friechend, ſich ihm zu nähern versuchte und ihm im geeigneten Moment an der Naſe oder Oberlippe padte, wodurch der Stier augenblicklich Hülflos wurde ). Der techniſche Ausprud für diefen Angriff war „pinning and holding“. Oft wurde der Hund aber auch) dom Stier mit den Hörnern gefaßt und weit fortgejchleudert.

Die erſte Erwähnung des Bulldog als einer beſonderen Rafje findet fich ſchon 1631 und 1632 in einem Briefe des P. Eaton von St. Sebaftian an 3. Willington in Zondon. Der Schreiber bittet hier um einen guten „Maftivedogge“ mehrere Flaſchen guten Liqueurs und zwei gute Bulldoggen, welche mit dem exjten Schiff verjendet werden jollen. In einem jpäteren Schreiben dankt Eaton für einen anderen Hund und wünſcht noch ein paar zu erwerben, welche wie Die vorigen als Geſchenke fur die holländiſche Handelsgeſellſchaft dienen ſollten. „Siehe zu“, ſchreibt Eaton, „daß die Hunde gut zum Bullen ſind, mögen ſie koſten was ſie wollen, aber laß ſie gut fein und feine Köter. Daher, lieber Bruder, verſchaffe fie vom Bärengarten.“

Das Beftreben, fir die oben geſchilderte Art der Stierheße einen möglichſt geeigneten, Kleinen, aber äußerft kräftigen und ftarkmäuligen Hund zu züchten, Tieß

1) Pan pflegte daher dem unerfahrenen Stier vor jeinem erften Kampfe zu Hülfe zu fommen, indem man auf den Platze eine Vertiefung in das Erdreich grub, in welche der Stier die bedrohte Schnauze vor dem tückiſchen Angriff des Heinen Bulldog verbergen konnte. Man jagt, dab er: fahrene Stiere bei ihrer Ankunft auf dem Plage ſofort ein joldhes Loch mit den Vorderhufen ausſcharrten, jobald fie feins vorfanden.

26 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

allmählich die Vorfahren des heutigen Bulldog entjtehen, welcher ftreng genommen nichts Anderes ift als eine kurzköpfige (brachycephale) Zwergform des alten Maftiff !). Die Bevorzugung des Bulldog bei den beliebten Stierfämpfen und die Abnahme des Doggen-Handels nad) dem Gontinent (namentlich nad Deutſchland) waren Urſache, daß die Züchtung der großen Doggen und Maftiffs in England immer mehr ver- nachläffigt wurde und zuleßt ganz in Vergeſſenheit gerieth.

1. Der Maftiff der neueren Zeit.

Schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ſchrieb Thomas Bemwid ala Er- klärung feiner Abbildungen des Maftiff und Bulldog (Fig. 101 a. ©. 22): „Der Maftiff wird jet nur noch felten angetroffen und die Mehrzahl derſelben ift entitanden

P Fig. 102.

Engliſcher Maftiff The Emperor des Mr. 9. Evans.

(compounded) durch Kreuzung des Bulldog, däniſchen Maftiff (deutſche Dogge; d. 2.) und des „Ban-dog“. Fed |

Unter den noch jet exiftirenden älteren Stämmen aller Zuchten ift wohl nur nod) der „Lyme-Hall Mastiff“ zu erwähnen, welcher in der Yamilie der „Leghs“ jeit dem 15. Jahrhundert (!) erhalten fein fol. Ohne die Richtigkeit dieſer An- gabe bezweifeln zu wollen, jei hier nur erwähnt, va Stonehenge, Hugh Dalziel u. A. hervorheben, daß man für feine andere Hunderafje Englands auf ein jo hohes Alter

1) Eine Bergleihung der Bulldog und Maftiff- Abbildungen des) vorigen Jahrhunderts (S. 22, Fig. 101) läßt die nahe Verwandtichaft beider Raſſen erfennen.

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Englifhe Mafifrs. Guinevere (R. C. ©. B. 15046) und Bontfwain (K. C. ©. B. 13711).

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Anſpruch zu erheben wage, und daß fein Beweis für jo lange fortgejegte Inzucht ohne gelegentliche Kreuzung mit verwandten Rafjen zur Auffrifchung des Blutes vorliege. Andererfeits wird die Reinheit: des Lyme-Hall-Stammes durch den Beſitzer, wie duch Mr. H. D. Kingdon, welcher Lyme-Hall-Zuchthunde durch den Eigenthümer Mr. Legh) erhielt, wie auch durch Mr. E. Hanburh, welcher dieſelben in ſeine eigenen Kennels durch Mr. Kingdon's Zucht einführte, .eifrig vertheidigt ). Hinſichtlich der neueren Züchtung des Maſtiffs bemerkt Stonehenge ſehr richtig: „Wir verlangen einen großen und ſchönen Hund, begabt mit einem friedliebenden, gutmüthigen Tempe— rament, der aber ſeinen Herrn bis auf den Tod vertheidigen wird.“ Die körperlichen und geiſtigen Eigenſchaften wurden ſorgfältig beachtet duch Mr. Lukey, welcher als der Gründer der neueren Maftiffzucht betrachtet werden kann, und deſſen Beiſpiel die Herren E. Hanbury, Capt. Garnier, Miß Aglionby, Miß Yales, Mr. M. B.Lyms, Mr. Lindoe, Mr. Nichols und Mr. W. George folgten. Stonehenge iſt der An— fiht, daß Die oben geforderten Eigenſchaften ſich vorzugsweiſe bei der durch Mir. Lukey gegründeten Maftiffzucht vereinigt fänden und beſchränkt ſich daher lediglich auf dieje bei Bejchreibung des modernen Maftiff. Danach erhielt Mir. Lukey vor fänger al3 40 Jahren eine geftromte Maftiffhündin durch den Herzog von Devonfhire, melde er mit Lord Waldegrave's berühmtem Hunde Türk paarte und ihre Nach— fommen mit Pluto des Marquis von Hartford. Dadurch erhielt Mir. Lufey einen Stamm, mwelder ihn für mehrere Jahre al3 den berühmteften Maftiffzüchter feiner Heit hinftellte. Durch Fortfeßung der Inzucht Ausartung befürchtend, wandte fih Mr. Lufey hierauf an Gapt. Garnier’3 Kennel und erzielte dann die großartigen Hunde

Governor und Harold (von Capt. Garnier's Lion aus Mr. Lukey's Counteß). _

Ein meiteres Eingehen auf die Einzelheiten der damaligen Maſtiffzüchtung würde ung zu mweit führen. Es jei daher nur noch erwähnt, daß nicht nur die Lyme-Hall— Zucht, fondern jogar die furzhaarigen Alpenhunde oder St. Bernhards (Alpine mastiffs) zur Züchtung der damaligen engliſchen Maftiffs zunächſt durch Capt. Garnier Starke Verwendung fanden. Nah Garnier's Mitteilungen waren die beiden Hauptdeckhunde des Mr. Lukey: Couchez (früher Türf genannt) und "Ami, vom Hofpiz St. Bernhard importirt. Ebenſo ſtammte eine berühmte Zuchthündin (geftromt und ohne Ruthe) des Mr. Lukey von dem aus reinen „Alpine“-Maſtiffs beftehenden Chatsword-Stamme. Dieje Alpenhunde waren größer und ſtärker als die damaligen engliihen Maftiffe.

1) Stonehenge jagt in Bezug auf dieje Streitfrage: „Wiewohl wir bereitwillig zugeftehen, daß eine Maftiff- Zucht jeit vielen Generationen auf Lyme-Hall unterhalten wurde, jo erijtiren un- glüdlicherweije doch feine jehriftlichen Beweiſe für die Reinzucht derjelben, und man fünnte ebenjo- wohl Mr. Lukey's gejtromte Hündin, mit welcher derjelbe feinen Kennel begann, für vein gezüchtet erklären, wie die Lyme-Hall-Zucht. Thatjahe it, daß feine Zucht der britiiden Hunde exiſtirt, deren Stammbaum rein dur alle Generationen bis vor 200 Jahren zurüdgeführt werden fann und jehr wenige Individuen nur halb jo lange. Mit Ausſchluß der Fuchs- und Wind- hunde reicht feine engliihe Zucht auch nur jo weit, wie zulegt angegeben, und die übrigen gehen faum Y, Jahrhundert zurüd ohne ein zweifelhaftes Glied der Kette.“

4*

25 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

Später wurden auch Kreuzungen mit dem Bloodhound und der deutſchen Dogge, namentlich auch mit dem Bulldog verjucht, jedoch ohne günftigen Erfolg.

Die Naffezeihen des Maftiffs wurden vom „Old English Mastiff Club 1883* feſtgeſtellt wie folgt:

Allgemeine Erſcheinung: Von großem, mächtigem, kräftigem, ſymmetriſchem und wohl gefügtem Bau; eine Vereinigung von Würde, gutem Temperament, Muth und Gelehrigkeit.

Allgemeine Beſchreibung des Kopfes: Die Umriſſe erſcheinen viereckig, in welcher Richtung man ſie auch betrachten mag. Beträchtliche Breite erwünſcht, und es ſollte ſich dieſelbe im Verhältniß zur Länge wie 2 zu 3 verhalten.

Fig. 103.

Mr. W. K. Taunton's Maſtiff Beaufort (18504), Pr. L. Dobbelmann's Max, (v. Beau a. Lady Zabel). (v. Charleywood a. The Brinzeh).

Körper: Mächtig, breit, tief und lang, kräftig gebaut und auf weit und im Viereck geftellten Läufen ruhend. Musculatur Scharf ausgeprägt. Höhe ift von ge— ringerer Bedeutung als Fräftige Bauart, jedoch iſt es erwünſcht, daß beide Gigen- Ihaften in richtigem Berhältniß vereinigt find.

Kopf: Breit zwijchen den Ohren, Stien flad, und gerungelt, wenn die Auf— merfjamfeit erregt ift. Die Augenbogen leicht erhoben, die Musfeln der Schläfen und Baden (temporalis und masseter) gut entwidelt. Der Oberkopf zeigt, von vorn

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gejehen, eine flache Wölbung, und eine Vertiefung zwiſchen den Augen (Stirnfurche) läuft in der Mitte der Stirn aufwärts bis fait zur Mitte des Dberkopfes.

Schnauze (Geiidht): Kurz, unterhalb der Augen breit und bis zur Nafen- ſpitze ziemlich gleihmäßig breit bleibend; vorn ſtumpf und vieredig abgejchnitten und ſomit einen rechten Winfel mit der Linie des Najenrüdens bildend, jehr tief von der Naſenſpitze bis zum Unterkiefer, der breit bis zum vorderen Ende ift; die Tangzähne kräftig und weit von einander ſtehend; die Schneidezähne gut auf einander paljend, oder der Unterkiefer den oberen ganz wenig überragend, aber niemals ſoviel, daß dies bei geichloffenem Maule erkennbar iſt. Die Länge der Schnauze zum ganzen Kopfe verhält fi wie 1 zu 3, der Umfang derjelben (in der Mitte zwiſchen Augen und Naſe gemefjen) zum Umfang des Kopfes (vor den Ohren gemefjen) wie 3 zu 5.

Ohren: Klein, fih dünn anfühlend, weit von einander an den höchſten Punkten der Seiten des Schädels angejeßt, jo daß fie die Fortjegung einer quer über die Höhe des Oberkopfes gedachten Linie zu bilden jheinen, und gejchlofen flach an den Wangen anliegend, wenn der Hund ruhig it. |

Augen: Klein, weit aus einander ftehend, mindefteng um die Breite zweier Augen von einander entfernt. Die Einjenfung zwischen den Augen gut, aber nicht zu unvermittelt marfirt. Farbe haſelnußbraun. Die unteren Lider jollen gegen den - inneren Nugenminfel gut jchließen, jo daß feine mwulftige oder hochgeröthete Bindehaut- falte hervortritt.

Nafe: Bon vorn breit mit weit geöffneten Nüftern, feitlih flach (nicht zu— gejpist oder aufgeftülpt) erſcheinend; ſchwarz.

Lippen: Von der Scheivelinie in jtumpfen Winkeln abgehend und Leicht hängend, eine viereckige Seitenanficht bildend.

Hals: Oben leicht gewölbt, von mäßiger Länge und jtarf bemusfelt. Im . Umfange etwa 25 bis 50 mm- fleiner als der Oberkopf vor den Ohren, rund gemefjen.

Bruft: Breit, tief und gut zwiſchen den Vorderläufen niedergelafen. Die Nippen gut gewölbt. Die Bauchrippen tief und ſich weit zurüd gegen die Hüften erſtreckend. Der Umfang der Bruft beträgt ein Drittel mehr als die Höhe an der Schulter.

Schultern und Borarme: Etwas jhräg geftellt, ſchwer und musculös.

Borderläufe und Pfoten: Gerade, ftarf und weit aus einander geftellt, mit ſehr ftarken Knochen; die Ellenbogen weder nach innen noch nad) außen gedreht; die Fußwurzeln aufrecht; große, runde Pfoten; die Zehen gut aufgebogen; Schwarze Nägel. Keine Afterklauen.

- Nüden, Lende und Flanken: Breit und musculds; bei der Hündin flach und jehr geräumig, beim Rüden leicht gewölbt; die Flanken jehr tief. Hintertheil und Schenkel: Umfangreich, breit, gut bemusfelt; Unterjchentel gut entwidelt und gerade im Knieſcheibengelenk geftelt. Die Sprunggelenfe winklig gebogen und von vorn gejehen weit aus einander und völlig gerade ftehend.

Ruthe: Hoc angejebt, bis zu den Sprunggelenfen oder ein wenig darunter veichend, breit am Anja und in eine Spibe auslaufend; in der Nuhe gerade herunter-

30 Dritter Theil. Die Haus» und Hirtenhunde x.

hängend, in der Erregung eine Bogenform mit aufwärts gerichteter Spibe zeigend, nicht über dem Rücken getragen.

Behaarung: Kurz und glatt anliegend, am Naden, Rüden und den Schultern nicht zu fein.

Farbe: Röthlichgelb oder filbergrau oder dunkel graubraun gejtromt. In jedem Falle find die Schnauze, die Ohren und die Nafe ſchwarz, ebenjo befinden ſich Ihmwarze Stellen rings um die Augen und zwiſchen denjelben aufwärts 1).

Größe ift ein weſentliches Erforderniß, fofern fie mit ſonſt guter Beichaffenheit verbunden ift. Höhe ift von geringerer Bedeutung als fräftige Bauart, jedoch erwünjcht, wenn beide Eigenjchaften in richtigem Verhältniß zu einander vorhanden find 2).

Zu den, auch auf deutjchen Auzftellungen, feit Anfang der 80er Jahre be- fannt gewordenen Maftiffs zählt zunächſt Mr. T. E. Harri’s berühmter Hund

dig. 104.

IR AN IN Beaufort the Black Prince. Ihe Shan. (Bei.: Mr. 3. 2. Windell.) (8. &. ©. B. 4457.)

Ihe Sham (4457 des 8. C. © B.) vom Rajah a. d. Ino, welder als Puppy im Kryſtallpalaſt in ſtark bejeßter Glaffe den I. Preis erhielt und von da ab auf allen Ausftellungen Englands und auf dem Gontinent fiegte. Auf der Berliner Ausftellung 1880 erregte „Ihe Shaw” großes Aufjehen, ſowohl durch jeine mächtige, äußerft typiiche Erjcheinung, wie durch feinen auffälligen Halsihmud in

1) Die eigenthümliche ſchwarze Zeichnung des Maſtiffkopfes zeigt in ihrer höchſten Vollendung den volllommenen Gegenſatz zu der ſchwarzgelben regelmäßigen Zeichnung der Dachshunde und der black-tan terriers. Dieje meines Wiſſens von anderer Seite nie hervorgehobene Eigen- thümlichfeit findet nähere Erwähnung im Gapitel Farbe, I. Band, ©. 37.

2) Bei Beurtheilung der Größenverhältnifje des Maftiffs gilt wohl als Norm, daß der Um— fang der Bruft ein Drittel mehr beträgt, wie die Schulterhöhe, und der Umfang des Vorarms an jeiner ftärkjten Stelle gleich ift einem Drittel feiner Schulterhöhe,

Doggen. al

Form eines fußbreiten Bruftjchildes, welches mit filbernen und goldenen Preis— medaillen überfäet war. Mit Mr. Ramlinjon’s Championhündin Counteß zeugte The Shaw eine vortrefflihe Nachkommenſchaft, namentlich den berühmten Hund The Emperor (9340 d. 8. C. ©. B.), geworfen 1877. Unfere Abbildung dig. 102 zeigt das Profil des Kopfes dieſes ſchönen Maftiffs, melcher ſpäter in den Beſitz des Mr. Evans gelangte und feiner Zeit für das beite Exemplar jeiner Raſſe gehalten wurde Mi. Evans war auch Beſitzer und Züchter des berühmten Maftiffs Moſes (R. C. ©. B. 14266) und der Hündinnen Elaine (R. C. ©. B. 15753) und Vivian (R. €. B. 15604). Unter den jpäter in den Vordergrund tretenden Hunden find namentih Mr. W. K. Taunton's „Beaufort” (Fig. 103); Mr.

Fig. 105.

Boatjwain (8. C. ©. 2. 13711).

3.2. Winchell's „Beaufort tHe?Blad Prince” (Fig. 104); Mr. 9. Moore’s „Minting”; Mr. Taunton’s „Carſhalton Prince“ und „Mar“ (Fig. 103) des Heren 2. Dobbelmann-Rotterdam zu erwähnen. Die beiden Kennelclub- Schauen im Jahre 1892 wurden nur Shwad-beihidt. Mi. Taunton’s Garjhalton Prince und Mr. Cook's Jllfard County Member nebſt Mr. Whittle’s Diana of Hayes waren die Hauptlieger. In der „Crufft's Show“ (Agriculture Hal), Vebruar 1893, war nur Gapt. Piddocke's ftarker Trupp (team) feiner Maftiffs be- merfenöwerth. Der gejtromte Hund Ogilvie fiegte in der Challengeclalje, mie feine Gefährtin Brampton Beauty. In der offenen Clafje erhielt Mr. Cunning- ham's AJuftice Bruce den Vokal für den beiten geftromten Hund. Auf der

32 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

Schau zu Islington 1894 waren die Maftiffs tro der Mebernahme des Preisrichter- amtes dur Mr. Taunton und der Vermehrung der Claſſen nicht ſtark vertreten. Dffene Clafje: Mr. F. Me. Krill’s „Stafford Belle“ I. und I. Preis, hart ge= drängt duch Jack Beaufort (des Mr. Wilkinfon), welcher in der Limit-Claſſe I. Vreis erhielt, Mr. Me. Krill's Stafford Belle L Preis in der Limit- und dovizenclaſſe.

In Deutſchland hat der Maſtiff bis jetzt nur wenig Liebhaber gefunden und als ernſtlicher Züchter dieſer Raſſe iſt vorzugsweiſe nur Max Hartenſtein zu nennen, in deſſen leider eingegangenem, großartigem Kennel zu Plauen u. A. auch die auf Taf. L abgebildeten Maftiffs Boatfwain und Guinevere fich befanden, welche vom Be— jiger 1884 für den damals hoch zu nennenden Preis von 4200 ME, erworben wurden. Boatjwain (D. 9. St. B. 2412, K. C. ©. 3. 13711) war vom Champion Beau a. d. Prince Royal, geworfen 6. März 1882, Züchter: Mr. Beaufoy; unter jeinen Nachkommen ift namentlich der nad) Amerika verfaufte Orion zu nennen.

2. Der engliſche Bulldog der neueren geit.

Mit dem Verſchwinden der Bullenhege in England (in Yolge des Geſetzes zur Verhütung von Grauſamkeiten gegen Ihiere im Jahre 1855) ſank der Bulldog in Fig. 106.

Schädel eines Bulldog. (Nr. 2470 des Königl. Landwirthichaftl. Muſeums, Berlin.)

der Gunst des größeren Bublicums und erft in neuerer Zeit ift diefe eigenthümliche Raſſe als Ausftellungsobject wieder in den Vordergrund getreten. Seine praktiſche Verwendung beiteht höchſtens noch in der Kreuzung mit anderen Hunderafjen, auf welche er jeinen Muth und feine Ausdauer bis zu einem gewiljen Grade überträgt, während feine Körperformen jehon nach wenigen Generationen in der gefreuzten Rafje nicht mehr zu erkennen find. In Betreff des Charakters oder der Gemüthsart des Bulldog herrſchen die verjchiedenften Anfichten. Im Ullgemeinen fann man wohl an- nehmen, daß die Mehrzahl diefer Hunde friedfertig, indeß ziemlich unberechenbar und wenn einmal in Aufregung verjegt, gefährlicher und ſchwieriger zu beruhigen ift, als irgend eine andere Raſſe. |

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Doggen. 33

Im Anfang der 70er Jahre entjtand der Bull-dog-Club als der erite Specialelub Englands und es hat fich derjelbe in Folge der unabläffigen Bemühungen des Ehrenſecretärs Mr. Crafer und des auf Lebenszeit ermwählten Präfidenten Mi. J. MW. Berrie als der erfolgreichite Club bewährt. Am Jahre 1875 ftellte Dex Bulldog-Elub die nachitehend angeführten, noch heute gültigen Rajjezeihen auf:

„Bei der Beurtheilung des Bulldog ift zuerſt die allgemeine Erſcheinung in Betracht zu ziehen, d. i. der erſte Eindrud, welchen das Gefammtbild des Hundes auf den Beurtheilenden macht; jodann die Größe, ſowie die einzelnen Formen und ihr Verhältniß zu einander. Jeder Punkt muß auf dag Genaueſte in richtigen Berhältnig zu den übrigen ftehen, damit die Symmetrie des Ganzen nicht geftört wird, und der Hund nicht mißgeftaltet ausfieht over in feiner Beweglichkeit gehemmt mird. Drittens follte die Haltung, das Benehmen, der Gang, Gemüthsart und die ver— ſchiedenen Raſſezeichen in der nachſtehenden Reihenfolge geprüft werden, wobei gegen Hündinnen immer entſprechende Nachſicht zu üben ift, da dieſe ſich nicht jo großartig oder fo vollfommen zu entwideln pflegen wie der Hund.

1. Das allgemeine Ausfehen eines Bulldog ift daS eines glatthaarigen unterfegten Hundes von etwas niedriger, aber breiter, mächtiger und gedrungener Figur. Der Kopf ift im Verhältniß zur Größe des Hundes auffallend ſchwer und umfangreich, das Geficht dagegen außerorventlih kurz, die Schnauze ehr breit, plump und aufwärts gerichtet. Der Körper kurz und mohlgeformt, die Gliedmaßen ſtämmig und muskelreich. Die Hinterhand ſehr hoch und kraftvoll, im Vergleich mit dem ſchweren Vorderförper jedoch gewiſſermaßen leicht erſcheinend. Das Ge- jammtbild des Hundes bringt den Eindrud von Entſchloſſenheit, Kraft und Beweglich— feit hervor.

2. Der Kopf muß ſehr groß fein, je größer, deſto befjer, und muß im Um— fange (tingsherum vor den Ohren) mindeftens joviel, ala die Schulterhöhe beträgt, meſſen. Von vorn gefehen, muß er vom Winkel des Unterkiefer bis zur Schädel- ipige fehr Hoch, ungemein breit und edig erjcheinen. Die Baden müffen gut gerundet fein und feitwärts über die Augen hervorragen. Von der Seite muß der Kopf ebenfalls ſehr hoch, vom Genid bis zur Naſenſpitze aber jehr kurz ausfehen.

Die Stirn flach, weder hervorſtehend oder rumd, noch ins Geſicht überhängend; die Stirn- und Kopfhaut ganz loſe und große, Hängende Falten bildend.

3. Die Schläfen- oder Stirnknochen bedeutend vorftehend, breit, eig und Hod), eine tiefe und breite, big zur Mitte der Stirn reichende Grube zwiſchen den Augen bildend, welche den Kopf in einer ſenkrechten Linie theilt, die fi) bis zur Schädel- ſpitze verfolgen läßt.

4. Die Augen liegen von vorn gejehen tief unten am Schädel, jo weit als möglich don den Ohren entfernt, ihre inneren Winkel an der Vorderjeite des Kopfes rechtwinkelig in gerader Linie mit der Einſenkung an der Stirn, jo weit als möglich - don einander entfernt, vorausgejeßt, daß die äußeren Augenminfel fi) noch inner= halb der Außenlinie der Baden befinden. Die Augen find völlig rund, mäßig groß,

34 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

weder zu tief liegend, noch vorftehend, ganz dunkel, beinahe, wenn nicht ganz ſchwarz, und dürfen fein Weiß zeigen, wenn der Hund geradeaus |chaut.

5. Die Ohren hoch am Kopfe angejeßt, d. h. jo, daß der innere Borderrand jeden Ohres von vorn gejehen, die Fortſetzung des Schädel an deſſen Außenjeiten zu bilden scheint, jo weit aus einander, jo hoch über den Augen und jo weit bon denfelben entfernt als möglid. Sie müffen Hein und dünn fein. Das „Rojenohr“

iſt das richtigſte. Diefes ift auf feiner Rückſeite nad) innen gefaltet und der obere

Nand ift vornüber und rückwärts gebogen, jo daß das Innere der aufrecht ftehenden Ohrmuſchel theilweiſe fichtbar ift.

6. Das Gesicht ift, von der Vorderſeite Der Backenknochen bis zur Naſe ge— meſſen, ſo kurz als möglich, die Geſichtshaut tief und dicht gerunzelt.

Die Schnauze kurz, breit, aufwärts gerichtet und don den Augenwinkeln ſenk⸗ recht abwärts bis zum Mundwinkel gemeſſen, ſehr tief.

Die Naſe groß, breit und ſchwarz, die Spitze derſelben tief zurück, beinahe zwiſchen den Augen liegend. Die Entfernung vom inneren Augenmintel (oder bon der Mitte der Grube zwischen den Augen) bis zur äußerten Naſenſpitze darf nicht länger fein, als eine von der Nafenfpige bis zum Nande der Unterlippe gedachte Linie.

Die Nafenlöcher groß, weit und ſchwarz, zwifchen denfelben eine ausgejprochene gerade Linie.

7. Die Oberlippen did und breit, jo tief: herabhängend, daß fie jeitlich (nicht vorn) den Unterkiefer völlig bedecken; vorn mit der Unterlippe abjchneidend und die Zähne gänzlich bedeckend, welche bei geſchloſſenem Maule nicht fichtbar jein dürfen.

8. Die Kiefer breit, ſehr kräftig und edig, die Fangzähne weit don einander entfernt. Der Unterkiefer überragt den Oberkiefer vorn beträchtlich, iſt nad) oben aufgebogen, breit, edig, und die ſechs kleinen Vorderzähne müſſen zwiſchen den Fang— zähnen neben einander in einer Reihe ftehen.

Das Gebiß groß und kraftvoll.

9. Der Hals von mäßiger Länge, eher furz als lang, jehr did, tief und ſtark, am Rücken gut gewölbt und mit vielen lofen, diden Hautfalten verjehen, welche auf beiden Seiten eine vom Unterkiefer bis zur Bruft reichende doppelte Kehlwamme bilden.

Die Bruft ſeitlich ſehr weit, rund, vorftehend und tief, jo daß der Hund born außerordentlich breitbrüftig und furzläufig ausfieht.

10. Die Schultern breit, tief und fehräg, außerordentlich kräftig und musculös.

11. Der Bruftforb, umfangreih von den Schulterſpitzen bis zu jeiner tiefiten Stelle bei der Verbindung mit dem Bruftbeine, fehr tief, rund, gut zwiſchen ben Vorderläufen niedergelaffen, von bedeutendem Durchmeffer und hinter den Vorder— beinen gerundet, feine flachen Seiten, die Rippen gut gebogen. Der Körper hinten gut aufgerippt, der Bauch aufgezogen, nicht Hängen.

12. Der Rüden kurz und ftraff, an den Schultern fehr breit und an ber Nierenpartie verhältnißmäßig ſchmal, unmittelbar Hinter den Schultern leicht abfallend. Dort ift die tiefite Stelle des Rückens; von da erhebt ſich das Nüdgrat bis zur

Doggen. 35

Nierenpartie, welche an Höhe die der Schulter übertrifft; von hier füllt der Rüden in einer Bogenlinie jchneller gegen die Nuthe ab und dies ijt eine der Raſſe eigen- thümliche Eigenschaft, welche man „Karpfen- over Radrüden” nennt.

13. Die Ruthe tief angejeßt, ziemlich gerade Hinausitehend und dann nad) unten gebogen mit horizontal gerichteter Spite. Sie it in ihrer ganzen Länge völlig rund, glatt behaart und ohne Franſe oder grobes Haar, mäßig lang, beſſer kurz als lang, am Anſatz did, ſich raſch verjüngend und in eine feine Spitze auslaufend. Sie wird tief getragen, weder mit einer ausgejprochenen Aufbiegung am Ende, noch ſchraubenförmig oder jonftwie verunftaltet, und der Hund darf fie in Folge feiner Körperbildung nicht über den Rüden erheben fünnen.

14. Die Borderläufe ſehr ſtämmig und Fräftig, weit von einander ſtehend, did, mit vorliegenden Musfeln, und gerade, mit gut entwidelten Muskeln des Vor— armes, jo daß derjelbe eine etwas gebogene Außenlinie zeigt, die Beinfnochen jedoch ſtark und gerade, nicht gefrümmt oder verbogen. Die Vorderläufe jollten verhältniß— mäßig fürzer fein als die hinteren, aber nicht jo furz, daß der Hund dadurch zu lang im Rüden oder Früppelhaft erjcheint, und daß jeine Beweglichkeit darunter leidet. Die Ellenbogen follten tief jtehen und gut von den Rippen abitehen. Die vorderen Fußwurzeln kurz, gerade und ſtark. Die Vorderfüße gerade und ein wenig nach außen gedreht, von mittlerer Größe und mäßig rund. Die Zehen kurz, compact und did, vorn gut geihligt und in den Mittelgelenfen ftarf aufwärts gebogen.

15. Die Hinterläufe groß und musculös und verhältnigmäßig länger als die vorderen, jo daß die Nierenpartie erhöht Liegt. Die Sprunggelenfe leicht gegen einander geneigt und gut niedergelafjen, von der Lende bis zur Ferſe lang und musculös erjcheinend. Der untere Theil des Laufes jollte kurz, gerade und ftark fein, daher der Unterfchentel verhältnigmäßig länger als bei anderen Nafjen. Die Kniefcheiben rund und leicht auswärts gedreht. Die Ferſen nähern fich dadurch einander und die Hinter- füße find leiht auswärts gedreht. Die leßteren follten gleichfalls ein wenig nad) außen gedreht fein und, wie die gerade geſtellten Vorderfüße, Fräftige, kurze, aufwärts gebogene und lang gejpaltene Zehen haben. Durch) diefe Bauart hat der Hund einen bejonderen, Ichmwerfällig gebundenen Gang, anjcheinend mit kurzen, Hurtigen Schritten auf den Zehenſpitzen dahin fehreitend, die Hinterfüße wenig gehoben und anfcheinend den Boden freifend und oft dabei die eine Schulter etwas vorjchiebend, tie ein Pferd im kurzen Galopp.

16. Die wünjchensmertheite Schwere des Bulldog, bei welcher die größte Voll— fommenheit erreicht wird, ift ungefähr 50 Pfd.

17. Haar und Farbe. Das Haar follte fein, kurz, anliegend und glatt jein (Hart nur in Folge feiner Kürze und Dichtigfeit, niemals drahtig). Die Farbe entweder ganz einfarbig oder einfarbig mit ſchwarzer Maske, jedenfalls muß fie in ihrer Art rein und deutlich fein. Die Farben in der Reihenfolge ihres Werthes, wenn rein und deutlich, find zunächſt geftromt, roth, weiß, und ihre Varietäten, tie rothgelb, fahlgelb u. j. w, dann buntſcheckig und gemiſchtfarbig.“

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36 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

Die Tafel LI abgebildeten beiden Bulldogs find Big-Ben (13016 d. 8. €. S. 8.) und Champion Lorne Erfterer ift vom Gamefter a. d. Betſy geworfen 1871; Züchter und Beliger: Mr. Alfred Forman-Belgrave. Champion Lorne von Newton's Crib a. d. Roſe, weiß mit geſtromten SKopfjeiten, erhielt I. Breife in der Bulldog-Club-Schau, Maidftone, Alerandra = Palace; Züchter und Befiger: Mr. Webfter Adams. Die Maße Lorne’3 find: die Schulterhöhe 47 cm; Kopflänge vom Hinterhaupt bis zur Najenjpite 1Scm; Höhe des Ellenbogens vom Boden 25 cm; ganze Rumpflänge vom Buggelent bis zum Hinterende der Keule horizontal gemefjen 59 cm; Breite der Bruft 24cm.

In der Novemberausftellung des Kennelclubs, Kryſtallpalaſt 1889, erhielt in der Challengeclafje den I. Preis Mr. Woodiwiß' Champion Britiſh Monard,

dig. 107.

ö * 2 j : e a 3

Champion Britiſh Monarch (K. C. S. B. 19543). Dockleaf (nad) d. Zeichnung von R. H. Moore). v. Champion Monarch a. Venice, geworfen 1884. v. Dandelion a. Damſon (K. C. ©. B. 34633), geworfen 1890. Bei.: Mr. Woodiwiß. Bei.: Mr. Woodimiß.

in der offenen Glaffe I. und II. Specialpreis Mr. 3. 9. Ellis’ Pathfinder; unter den Hündinnen I. und II. Specialpreis Lady Clifford's Queen Roje In den Zügen (team Class) erhielten Mr. S. Woodimwiß’ Bully IL, Britiſh - Monarch, Mercedes II. und Bunney den Preis.

In der Liverpool-Ausftellung im November 1890 erhielt in der Ghallenge- clafje den Pokal Mr. ©. Woodimwiß’ Champion Britifh Monarch; in der offenen Glafie den I. Preis Mr. 3. BP. Henjhall’s Hades. Unter den Hündinnen I. Preis Mr. ©. Johnſon's RuſticLaß. In Crufft's-Schau 1891 ſchlug Mr. Hope’ Bedgeburg Lion den Britiſh Monarch) (19543, Fig. 107), welcher bereits früher

BR 282 ——— er

Doggen. Si

über Auftic King und Grabber fiegte; unter den Hündinnen errang Dryad des Mr. Woodiwiß den Challenge-Cup. In der Bulldog-Schau 1892 trat der ſpäter jo berühmt gewordene Dodleaf des Mr. Woodiwiß zum erften Male auf, errang zwei I. und 7 Specialpreije und fiegte von da ab auf allen folgenden Schauen, to er ausgeftellt wurde, jo auch auf der großen Erufft’s-Schau 1893 und 1894, wie auf der Bath-Schau im März deſſelben Jahres (1894).

Aus einer Vergleihung der Brämiirungsliften diefer Ausftellungen ergiebt fich die große Weberlegenheit des Dodleaf. Diefer Hund, deſſen Abbildung Fig. 107 (nad) einer Zeichnung von Mr. Moore im Stodfeeper) wiedergegeben ift, ward von Mr. Woodimwiß einige Zeit vor Eröffnung der Bulldog-Schau 1892 als zwei— jähriger Hund für 250 Pd. Sterl. angefauft und erregte dort durch feine außer—

Fig. 108.

Mr. Webiter’3 Champion Lorne. Mr. C. F. Jackſon's Holy Terror.

ordentlich typiſche Erſcheinung wie durch ſeine Siege in allen Claſſen, wo er con- eurrirte, großes Auffehen. Dodleaf ward gezüchtet von Mr. Pybus' Sellon v. Dandelion (vd. Reeve's Crib-Dallia) a. Damjon (Datholite-Lady-Disdain), ge— morfen 1890.

Unter den ſchweren Bulldogs der neueren Zeit ift zunächſt King-Orry zu nennen, welcher auf der Cruffts-Schau, Yebruar 1892, den I. Preis und Special- preis der Claſſe für große Bulldogs erhielt und don manden Züchtern ala einer der bevdeutendften Concurrenten Dockleaf's betrachtet wird. Mer. W. Ford’ Don Salano I. erhielt in der Claſſe unter 45 Pfd. den I. und Specialpreis. Andere renommirte Bulldogs der Gegenwart find noh Mr. Jllis’ „Saptain Jack“, Mt. Smartt's „Bund“ (8. C. ©. B. 34667), mie die Hündinnen Bumble-Bee des Mr. Woodiwiß; Magis des Mr. Reid; Tomfh (R. C. ©. B. 29734) des Mr. 3 W. Roß; Champion Gigarette (R. C. ©. B. 29763) des Mr. E. Farman.

38 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

Die ftetig wachſende Zahl der ausgeftellten Bulldog beweiſt die zunehmende Popularität diefer nationalen Hunderafje in England. Leider ſchätzt der Züchter nur Ertreme und jucht die Raſſezeichen nieht nur zu erreichen, fondern zu übertreiben, und da feit Aufhebung der graufamen Bullenhegen feine praftiihe Verwendung für den Bulldog mehr vorliegt, jo jehen wir in neuelter Zeit die abenteuerlichiten Garricaturen innerhalb dieſer Raſſe entitehen. Den Breisrihtern wird bereit3 empfohlen, auch auf die Beweglichkeit der zu prämiirenden Hunde zu achten, da mande fich nur noch ihwer im Galopp bewegen fünnen. Eine Ausnahme machen die in neuerer Zeit ent- ſtandenen drolligen „Toy=BulldogS“, welche vorzugsweiſe von Mr. Krehl (Stod- feeper) gezüchtet werden und viel Beifall finden. Ws eine „Zwergform“ können diefe Hunde erſt unter den kleineren Luxus- oder Damenhunden nähere Erwähnung finden.

C. Die Doggen in Frankreich.

Nach den Mittheilungen römischer Schriftiteller unterhielten die alten Gallier bereitS ftarfe Meuten großer Kampfhunde, welche dazu beftimmt und abgerichtet waren, den erſten Angriff auf die Reihen der feindlichen Truppen in der Schlacht zu machen und zu unterjftüßen. Diefe Hunde wurden größtentheils im galliichen Belgien tie in Britannien gezüchtet und aufgefauft, doch willen wir in Betreff ihrer äußeren Erſcheinung nichts Näheres. Die Franken führten bei ihrer Ausbreitung in Gallien ebenfalls große Hetzhunde mit fi, auf deren Züchtung fie wie alle germaniſchen Stämme großen Werth Iegten; als Karl der Große dem Beherrſcher aller Gläubigen, Harun al Raſchid, eine Geſandtſchaft ſchickte, Ließ derjelde die von den Gejandten ala Ge— ihenfe mitgebrachten germaniihen Hunde am nächſten Morgen auf einen Löwen hegen, welchen die Hunde fingen und hielten, bis die fränkischen Ritter heranſprengten und ihn mit ihren Degen tödteten. Auch über dieſe fränkiſchen Hetzhunde willen wir nur das, was uns in den alten germanischen Volksrechten mitgetheilt wurde (vergl. ©. 5). In den folgenden Jahrhunderten fpielten dann die ſchweren und leichten Hetzhunde eine große Rolle in Frankreich, wahrscheinlich entſtand auch hier und nicht in Spanien der „Alan gentil“ durch) Kreuzung des Spanischen Alano (Bullenbeißer) mit dem Wind— Hund (im 13. Jahrhundert). Zu Anfang des 16. Jahrhunderts wurden aud) in Sranfreih, wie auf dem ganzen: Gontinent die engliſchen Doggen eingeführt, worauf die früheren Nafjen verſchwanden und ihre Namen zum Theil auf andere

Formen übertragen wurden. Bei näherem Eingehen finden wir, daß auch in Frankreich mie in allen Ländern Europas höchſtens drei jogenannte ſchwere

Habhunde (größere und Eleinere Bullenbeißer und die große hochläufige Dogge) ge= züchtet wurden. Neben diejen drei Doggenraljen ftanden die minder werthvollen Rüden und die Blendlinge (Kreuzung zwiſchen Doggen und Rüden). In Hronologischer Folge haben wir nun folgende ſehr abweichende franzöfiiche Benennungen dieſer Hetzhunde zu unterfuchen:

Doggen. 39

1) „Vautre“. Mit Ausbildung der franzöfiichen Sprache ward die feltijch- römische Benennung des Windhundes als „Veltragus“ in: „Veltris, Viautre und Vautre“ abgeändert und als Sammelmwort auf die ſchweren Habhunde über- tragen im Gegenjah zu den Windhunden, melde nunmehr „levriers“ benannt wurden. So wird im Roman de „Loherain“ im 12. Jahrhundert von dem Ritter Began de Belin gerühmt, daß er einen Eber „sans vautres ni levriers“ gefangen habe. Aus „Vautre* entftand in fpäterer Zeit „le vautrait“ (Die Habmeute) ala Sammelwort für alle leichten und ſchweren Wind- und Hatzhunde, welche für die Sauhagen verwendet wurden. Dagegen gebrauchte man früher den Ausdruck „vautre* auch als Einzelbenennung für die ſchwerſten Hatzhunde. So unterfheidet Phöbus (1387) den „Alan vautre“ als Bullenbeiger vom „Alan gentil“, und noch im Jahre 1665 bezeichnet Borel den „Vautre* als den ſchweren Hebhund, welcher zwifchen dem hochläufigen Alan und dem Maftin (Rüden) in der Mitte jtand.

2) Wan oder Alant. Unter diefem Namen taucht im Laufe des 14. Jahr— hunderts eine große flüchtige Doggenform auf, welche im Allgemeinen als ein Wind— Hund mit kurzem, ftarfem Doggentopf bezeichnet wird. Nah Noirmont ſollen dieſe Hunde im frühen Mittelalter dur) den in Spanien eingemwanderten Volksſtamm der „Alanen“ dort eingeführt jein. Allein der alte ſpaniſche Alan mar eine Bullen- beißerform und der einzige ältere franzöfifche Jagdſchriftſteller, welchem wir eine nähere Beſchreibung der Alants verdanfen, iſt Phöbus, Comte de Foir (1387), und diejer gebraucht den Namen „Want“ nicht für eine einzige Raſſe, jondern als eine Gollectivbezeihnung für drei durchaus verjhiedene Raſſen der Doggen- gruppe. Zunächſt erwähnt Phöbus des „Alant gentil“, mwelher im Körper- bau dem Windhunde ganz ähnlich fei, mit Ausnahme des Kopfes, der groß und furz erſcheine. Die zweite Raſſe ift der „Alant vautre*, welcher eine ſchlechte Wind- hundsform zeigt; dieſe Hunde haben große Köpfe, tief herabhängende Lippen und große Ohren, fie werden zur Bären- und Saujagd benugt, denn was fie paden, halten fie feſt. Allein fie find jchwerfällig und langjam. Die dritten find Die „Alans de boucherie“, (Mebger-) oder Nüdenhunde. Danad) Hatte das Wort Alan zu Bhöbus’ Zeiten in Frankreich etwa die allgemeine Bedeutung des deutjchen „Hetz— Hund“!), während die franzöfiichen Jagdichriftiteller unter Alan immer nur den Wind» Hund mit dem Doggentopf oder „Alan gentil“ des Phöbus verftehen. In Spanien bedeutete Alan von jeher nur einen ſchweren Hebhund oder Bullenbeiger und wir werden dadurch zu der Annahme gedrängt, daß der „Alan gentil“ erſt in Frankreich duch Kreuzung des alten ſpaniſchen Alano (Alan vautre des Phöbus)

mit dem Windhunde entitand und in Frankreich im Mittelalter eine große Rolle

1) Der Verf. möchte der Noirmont'ſchen Erklärung die Ableitung des Wortes „Alant“ vom altfranzöfifhen „aler“ (aller, gehen) vorziehen, denn im früheren Mittelalter jagte man für „Hegen“ „laisser aler“, wie man in jpäterer Zeit jagte: laisser courre (courir, laufen) und „ehiens courants“ für Lauf- und Heghunde.

40 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

jpielte, bis er durch die englifhen „Dogues“ im 16. Jahrhundert verdrängt wurde. Der Alan gentil des Phöbus entſprach mit Ausnahme der Fürzeren Schnauze im Allgemeinen wohl einer leichten deutjchen Dogge, die beliebtejte Färbung mar rein weiß mit ſchwarzem Fleck an dem jpib zugejchnittenen Ohr, Augen und Naje von heller Farbe.

3) Maftin entjpricht dem deutjchen „Rüde“ (vergl. 2, die Rüden), bezeichnet aljo weder den Maftiff noch eine andere Doggenform und wird hier nur aufgeführt, da dag Wort im Plural (wie auch unſer „Rüden“) oft als Sammelmwort für alle ſchweren Hathunde gegenüber den leichten oder Windhunden (ftatt des früher gebräugjlihen „vautre“) benußt wurde. So 3. B. in den Jahresrechnungen der franzöfifchen Hofhaltungen von 1388 ab: „levriers et mastins“. (Xergl. 2, Rüden: Maftin, Mätin.)

4) Meftiff. Das Wort folgt der englifchen Ausſprache des „Maftiff“ und bezeichnete anfängli auch nur dieſe engliihe Raſſe, jpäter ward es durch Aus- icheiden des s in „Metif“ verwandelt und entſprach dann dem deutjchen „Blend- ling“, d. i. ein Kreuzungsproduct zwiſchen Dogge und Windhund oder zwiſchen erfterer und dem Bauernhund (Matin). Mit dem oben erwähnten „Maftin” ift das Wort „mestifi“ und „metif“ nicht in Verbindung zu bringen, wiewohl beide Wörter wahrjheinlih auf den germanischen Sprachſtamm zurüdführen.

5) Dogues. Im 16. Jahrhundert fommen dann wie bei ung die aus England ein- geführten Doggen (vom englischen Worte dog, Hund) an die Reihe und die lebten „Alants“ verſchwinden gleichzeitig ſpurlos. Augenſcheinlich waren fie diefer mächtigen Goncurrenz nicht gewachſen. Karl IX. erhielt am 10. October 1572 bon ber Königin von England eine Anzahl englifher Doggen („des dogues du dict pais“) als Geſchenk und aus den Hofhaltrechnungen jener Zeit geht hervor, daß diefe Doggen wie auch die großen Windhunde (grands levriers) gelegentli auf größere Hausthiere, namentlich) auf lebende Kühe gehebt wurden, um fie auf ihre jagdlihe Beftimmung vorzubereiten d). Unter Ludwig XII. und XIV. lieg man die Hunde der königlichen Hatzmeute gelegentlich einen Eſel im Alter von 1 bis 11/, Jahren hetzen umd tödten und machte ihnen mit dem Fleisch deijelben die „Ourée“ (Salnove).

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts verloren die Doggen in Frankreich als Jagdhunde bereits ihre Bedeutung, da ſowohl die Parforcejagd wie die Schießjagd mit den Vorfteghunden um diefe Zeit dort ftark betrieben wurde. Mit dem Intereſſe für die betreffenden Raſſen hört in der Negel auch bald jedes Verſtändnis derjelben

1) 10. Oftober 1572. „A Guillaume de Haulsoy, pauvre laveur demeurant à Chaillat, 25 livres tournois pour le recompenser d’une vache qui luy aurait este tude par les grands chiens du dict seigneur venant de la chasse du bois de boulogne.“ 14. Dftober 1572. „A Nicol. Andry, valet des grands levriers du dict sieur la somme de 200 livres tournois en testons et pour le recompenser de quatre vaches à luy appartenant, que sa Majest& a faut estrangler (!) par ses grands levriers.“ (Extraits des comptes de Charles IX. Livre du Roy Charles par A. Aubry.)

Doggen. 41

auf und fo fam es, daß in der eriten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich bald die Benennung der urfprüngli aus England importirten Doggen als „Grand Danois“ auftauchte, welche dort für die leichteren deutſchen Doggen noch heute üblich it, während die jtärkeren, dunkler gefärbten Gremplare als „Dogues allemands“ bezeichnet werden. Wahrſcheinlich ift erjtere durch nichts gerechtfertigte Benennung auf die Buffon'ſche Hypotheſe zurüdzuführen, welche annimmt, daß der Windhund durch jeine Ueberführung nad) Dänemark lediglich in Folge klimatiſcher Einflüffe zur großen dänischen Dogge und dieſe durch ihre Einführung nad) Irland zum großen iriſchen

dig. 109.

Dogue de Bordeaux. (Jardin d’Acclimatation.)

Wolfhunde geworden jeil Wie in Deutfchland, jo nahm man auch für die aus England ſchon früher eingeführten Heghunde ‚den Namen „Dogue* (vom englifchen dog, Hund) an. Eine befondere Raſſe der großen Doggen ift in Frankreich aljo jeit dem Untergange des Alan gentil nicht mehr entjtanden, dagegen hat ic) eine eigenthümliche Nafje des Bullenbeißers (Maftiffs) im ſüdlichen Frankreich unter dem Namen „Dogue du Midi“ und „Dogue de Bordeaux“ erhalten, welche in früherer Zeit vielleicht dem meniger gut conjerbirten altſpaniſchen Bulldog (alano) gleich mar.

42 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde ꝛc.

Der „Dogue de Bordeaux“ (Fig. 109) hat eine Schulterhöhe von 60 bi 70cm, der Kopf ift verhältnigmäßig groß, die Stirn breit und abgeplattet, die Oberlefzen ftarf überhängend, die Schnauze kurz und breit, das Geficht faltig, das Ohr ſehr flein und fein. Das Vordertheil außerordentlich kräftig, die Bruft breit, der Hals die, die Hinterhand ſchwächer entwidelt und die Hinterläufe oft kuhheſſig geftellt. Die Farbe roth oder gelbbraun, je dunkler deſto beijer, das Haar furz und dicht.

D. Die Doggen in Italien und Spanien.

Wie alle anderen Hunderaffen, jo find auch die Doggen in der alten italieniſchen Jagdliteratur jehr ungenügend behandelt. Doch wurde gerade dort im Ausgang des 16. bis ins 17. Jahrhundert die Hebe des Schwarz und Rothwildes ſtark betrieben. Sin der Forer’fchen Ueberſetzung der lateinischen Naturgefchichte Geßner's (1551) wird bereit3 im Capitel der Rüden oder Heghunde bemerkt: „Desgleihen merden auch aus einer Inſel Italiens Hunde gebraht, die man Kurßhunde (Courshunde) nennt.” Der italienische Maler und Kupferfteher St. della Bella hat zu Anfang des 17. Jahrhunderts diefe Hebhunde und ihre Verwendung in einer ganzen Collection von Radirungen verewigt, welche äußerſt lebendig und charakteriftiich gehalten find. Die berittenen Jäger find mit langen Turnierlangen, auch wohl mit langen Degen bervaffnet und halten auf meiten Lichtungen oder Blößen vor dem Walde, aus welchem jagende Hunde das Wild (Sauen und Rothwild) hervortreiben. Sobald das Wild an den aufgeftellten Warten vorüber ift, werden die Hebhunde gelöft und ein einzelner Reiter folgt der Hetze, um das Wild abzufangen. Die Hunde find hod)- läufige Doggen und variiren in Bezug auf Stärfe und Form eben fo ſehr wie Die alten „Engliſchen Doggen”, welche zu jener Zeit aus England nad) Deutjchland ein-

geführt wurden, und höchft mahrjcheinlich bezogen auch die Italiener ihre Hetzhunde

dort her).

In Betreff der Spanischen Doggen erfahren wir durch den franzöſiſchen Jagd— ſchriftſteller Gafton Phöbus, Comte de Foix (14. Jahrhundert), daß Die großen franzöfiichen Doggen unter dem Namen Alans aus Spanien ftammten. Gleichzeitig gebraucht Phöbus den Namen „Alans“ nur als Collectivnamen für drei ganz verjchiedene Hunde (A. gentil, A. vautre, A. de boucherie) und gleichbedeutend mit dem deutjchen Sammelworte Hebhund oder dem jpanifchen „perro de presa“. Faſt zu gleicher Zeit mit Phöbus jchrieb Alfonfo XI, König beider Gaftilien und von Xeon, (1342) jein Jagdbuch, in welchem nur eine gewiſſe Doggenform in Spanien unter dem Namen „Alano” angeführt und ſehr genau geſchildert wird. Nach diefer Be—

1) Doch heißt die Dogge in Italien noch heute „Alan“ und der englijche Maftiff wird „mastin“ genannt, was nur durch völliges Mißverſtehen der altfranzöfischen und jpanijchen Rafien und ihrer Benennung zu erklären ift. (Vergl. Doggen in Frankreich.)

se ee? aaa,

Doggen. 43

ſchreibung war der alte ſpaniſche Ulano ein unferem alten Bulfenbeißer oder dem Maftiff jener Zeit ganz ähnlicher Hund, doch wünſcht König Alfonſo ihn nicht zu groß, wenigftens nicht „ohne bejondere Urſache“. Es ſchließt dies die Annahme nicht aus, daß der alte Alano im Allgemeinen nicht ebenjo ſchwer war, wie die Maftiffs und Bullenbeißer anderer Länder.

In Don Alonzo M. de Espinar’s Abhandlung über die Kunft des Schießens und der Hochwildjagd, welche um 1644 erſchien, finden wir als Schwere Hatzhunde nur aufgeführt: „alano, dogo, mastin*. Der Alano wird ganz ähnlich wie in König Alfonſo's Jagdbuch geſchildert und ift eben noch derjelbe Hund mie der alte deutjche Bullenbeißer und der alte engliihe Maftiff. Neu ift das Auftreten des „Dogo“, welcher (nad) Don Guttierez) größer als der Alano und von diejem verjchieden war. Ohne Zweifel haben wir e3 hier ebenfall3 mit den ſchon zu Anfang des 16. Jahrhunderts aus Irland und England in allen europäiſchen Ländern ein= geführten großen Hunden zu thun, welche bei uns (nad) dem engliichen „dog“) als Doggen in Frankreich und Spanien als „dogues“ und „dogos“ bezeichnet wurden und die Vorfahren unjerer heutigen deutjchen Doggen find. (Der „Maftin” ent- ſpricht nicht dem englifchen Maftiff, ſondern dem gleichnamigen franzöfiihen Hunde jener Zeit und unſeren deutjhen „Rüden”, von denen im nächiten Capitel die Rede jein wird.) Der 1864 in Madrid „von einer Gejellihaft von Jägern“ heraus- gegebene „Tesoro de la cazeria* (Jagdſchatz) erwähnt den „Dogo“ nicht mehr, fondern jchildert nur den „Alano“ oder „perro de presa“!) und den Maftin (Rüden) als ſchwere Hebhunde, nebft einigen ungenau bejchriebenen Baftardformen. Hier ift der Alano bereits als das gejchildert, was er noch heute ift: der |panijche Bulldog, welcher im Laufe der Zeit fih aus dem alten großen Alano entmwidelte, wie der englifche Bulldog aus dem alten Maftiff. Der alte jpanijche Alano entſprach alfo dem alten Maftiff und dem alten deutjchen Bullenbeißer, der jpätere ſpaniſche „dogo“ der engliſchen Dogge und der „Maftin“ unferen Rüden und dem A. vautre.

Krichler ſchildert den heutigen Alano als einen „nicht jehr maſſiv, Jondern eher leicht und Hodläufig gebauten Bulldog, von Farbe meiſtens graubraun und ſchwarz geſtromt. Die Bruft meit ſchmäler, Lefzen und Kehlwamme meniger ſtark entwickelt, wie beim Bulldog. Die lange, unten etwas bürſtenartige Ruthe tief hängend getragen, Haut weit, dünn, Haar kurz, dicht und weich. Größe eines mittleren Schweißhundes. Kreuzungsproducte gern zur Saujagd benutzt“.

Zum Beſchluß der ſpaniſchen Doggen müſſen wir noch der ſagenhaften „Dogge bon Cuba“ oder des „ſpaniſchen Bluthundes“ erwähnen, welcher in manchen kynologiſchen Abhandlungen als beſondere conſtante Raſſe hingeſtellt wird. Bald nach der Entdeckung Amerikas (1493) wurden Hunde als Kriegsgefährten von den Spaniern auf ihren Eroberungszügen in Amerika mitgeführt. Dieſe Hunde oder

1) Perro .de presa iſt das alte, noch heute gebräuchliche Sammelwort für alle ſchweren Hetzhunde, bezeichnet aber nicht eine bejondere Raſſe.

6*

44 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

richtiger ihre Herren erhielten bei Theilung der Beute einen gewiſſen Antheil je nach der bewiejenen Tapferkeit. Die Annalen der Eroberung haben mit biographifcher Treue die Ihaten einzelner berühmter Hunde erhalten. Da war zunächſt Becerillo (Kälbchen), der bei der Eroberung von Puerto Rico dur) den Pfeil eines Gariben fiel. Von Becerillo ftammte berüchtigter faſt wie jein Bater Leonfico, der treue Begleiter de Vasco Nunnez Balboa, der jeinem Herrn auf dem Zuge nad) der Südjee über 500 Gaftellanos (3000 fl.) gewann, denn der Beutetheil dieſes Hundes war bedeutender, al3 der eines Büchſenſchützen. Am 24. September 1513

jaß Balboa nach Niederlage des Häuptling Torecha dev Landſchaft Duarequa zu.

Gericht, bei welcher Gelegenheit 40 Indianer von den Blutdunden zerriffen wurden. Um diefe Zeit entitand das Verbum: „apperear“ (don perro, Hund) von Hunden tödten laſſen. Opiedo, lib. XVI. (Zeitalter der Entdeckungen von DO. Peſchel 1877.) Der bedeutendfte ſpaniſche Kynolog unferer Zeit, Don Guttierezt), äußerte fi in Betreff der ſpaniſchen Bluthunde in einem Briefe an Herin Krichler wie folgt:

„Es ſteht feit, daß eine barbariihe und blutige Sklavenjagd mit Hunden auf Cuba beitand, eingeführt durch Chriſtoph Columbus jelbit, gleich nach der Ent- defung und Groberung des Landes. Der berühmte Pater Las Caſas jagt in jeiner Bejchreibung der großen Schlacht von La Vega real, als Zeitgenofje und Augenzeuge, Folgendes: „Der Admiral wählte ungefähr 100 der gejundeiten Spanier als Fußgänger und, 20 zu Pferde, alle mit Schleudern, Morgenfternen, Lanzen und Schwertern und einer anderen, für die Indianer noch Ichredliheren Waffe ausgerüftet. Dies’ waren 20 Lebreles de presa (ſtarke Windhunde), melde, nachdem man fie gelöft halle, auf das Wort „tömalo* (greif’!) in einer Stunde jeder einzelne beinahe 100 Indianer fampfunfähig machten.“ (Historia de los Indias, libro I. Cap. CIV.)

„Später nennt Las Caſas die Hunde „lebreles* und führt Ferdinand Columbus als den Verfaſſer des folgenden Sabes an: „Die Reiter befanden fich auf der einen Seite und die Lebreles auf der anderen und vorwärts rüdend und tödtend richteten alle eine ſolche Verheerung unter den Feinden an, daß Gott uns den Sieg verlieh.“

„Es wurden aljo bei der Entdeckung der Inſel lediglich „lebreles de presa“ oder Hebhunde gebraucht. Später führten die Spanier zu gleichen Zwecken sabuesos (Schweißhunde) ein, wegen der befjeren Naje. & wurden dann Häufig Kreuzungen

bon sabuesos und lebreles gebraucht, Leßtere wurden neben den Maftins auch bei

Saujagden verwendet.” (S. hierüber: Manual del cazador cubano, D. Enr. Manera y Cao, p. 181.)

Co weit Don Guttierez. Wir erjehen daraus, daß Anfangs die befannten Blendlinge von Windhunden und Doggen (lebreles, franzöfiich: levriers d’attache)

1) Don Guttierez de la Bega, früher politiiher Gouverneur und Provinzialdirector auf Guba, Herausgeber der ältejten und wichtigſten ſpaniſchen Abhandlungen über Jagd und Hunde, unter dem Titel: „Biblioteca venatoria*.

Rüden. 45

für die ſchmachvollen Indianerhegen verwendet wurden. Später gebrauchte man auch Schweißhunde, wie auch Kreuzungen von Schweißhunden und Windhunden. Eine befondere, für die Sklavenjagden gezüchtete und unterhaltene Raſſe der Cuba— doggen oder Bluthunde hat niemals eriftirt und iſt jedenfalls ebenjo imaginär wie der Buffon'ſche Grand Danois.

2) Die Rüden.

Unter diefer Bezeichnung laſſen ſich alle jene Hundetypen zufammenfaffen, welche gewiſſermaßen zwiſchen Doggen und Jagdhunden in der Mitte ftehen und jedenfalls als Vorläufer und Mebergangsform diejer beiden Gruppen zu betrachten find. Zu befonderen conftanten Raſſen find daher die Rüden nur felten und vorübergehend ausgebildet worden; es ſind meiſtens mittelgroße, gewandte, aufmerkſame und muthige Hunde, welche ſich von den Doggen und Jagdhunden zunächſt durch die weniger ſtumpfe, mehr wolfsartige Schnauze, durch den kurzen, ſchlechten Behang und die an der Unterſeite oft ſtark behaarte Ruthe unterſcheiden. Die Behaarung iſt voll und dicht, meift „ſtockhaarig“ feltener rauhhaarig oder gar langzottig.

Der Rüdentypus!) findet ſich bereits unter den Jagdhunden der alten Yegypter und Afiyrer, und die Mehrzahl der Kampf= und Hebhunde der alten Römer find echte Rüden mit wolfsartiger Schnauze und feine Doggen! Ebenfo finden mir den Rüdentypus wieder in den heutigen Treib- und Mebgerhunden der meiften euro- päiſchen Länder, ohne daß jemals bejondere Anftrengungen zur Raſſenzüchtung der- jelben irgendwo gemacht wären. Nächſt ven ſpitz- und jchäferhundartigen Typen ftehen die Rüden troß ihrer hängenden Ohren doch in ihrer molfsähnligen Form und dem unruhigen, aufmerkfamen Wejen den Wildhunden am nächften unter allen Hunderaffen. Der altenglifche „Drovers-dog“, der franzöſiſche Nätin, der ſpaniſche Maftin und die deutichen Treib- und Mebgerhunde find alles nur Variationen der alten Rüdenform, welche fich ſeit Jahrhunderten nur wenig veränderte.

Im deutfchen Jagdbetriebe haben die Rüden von jeher eine große Rolle gejpielt. Merkwürdiger Weile findet ich indeß der Ausdruck „Rüde“ noch nicht in den alten Volksrechten des 5. bis 12. Jahrhunderts, ſondern zuerft im Schwabenjpiegel (1281). In Hadamar’3 Jagdgediht (13. Jahrhundert) finden mir „Rüden to dem Swiene“ wohl zum Unterfchied von den „Schafrüden“, welche die Schäfer zum Schub der Heerde gegen den Wolf mit ſich führten. Immer verftand man im Mittelalter unter Ride ſchon einen Hebhund, denn die Hof- und Wachthunde nannte

1) Rüde, plattv. röe vom altd. vudo, der Rufende, Bellende; vielleicht die ältejte Be— zeihnung des Haushundes im Allgemeinen, im Mittelalter für alle ſchweren Heghunde (im Öegen- fat zu den Windhunden) gebräuchlich, ſpäter hauptſächlich als Bezeichnung der nicht raſſig gezüchteten Hathunde im Gegenjag zu den Doggen. In der Jägerſprache erhalten in Ridemann und dem Zeitwort „rüden”, in Bezug auf den die Hathunde führenden Jäger, ferner auch zur Unterjheivung des männlichen Hundes von der Hündin gebräuchlich.

46 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

man „Hovawarth“ und „Miftbeller”. In Betraht der häufigen Verlufte und Beihädigungen der Rüden auf den Saujagden lohnte es nicht der Mühe, bejondere Raſſen zu züchten und die koſtſpielige Aufzucht der Welpen zu übernehmen. Dazu fommt, daß die Sauhab jo fehr auf den, jedem Hunde innewohnenden Naturtrieb bafirt ift, daß eine befondere Abrichtung derjelben für diefe Jagdart gar nicht er- forderlich ift. Es ward daher ſchon im 16. Jahrhundert an den meiften deutjchen Fürftenhöfen Gebrauch, nur die Doggen und jehweren Hatzhunde ſelbſt zu züchten und aufzuziehen, die fämmtlihen Rüden oder das Gros der Habmeute aber unter den Hunden der Schäfer, Mebger, Wafenmeifter auswählen zu lafjen. Dieſe Hunde mußten dann vor Beginn der Sauhagen nach gejchehener Aufforderung von den Be— figern eingeliefert (geftellt) werden. So beitimmte ſchon 1519 der Abt von Hersfeld bei Verſchreibung eines Gutes: „Auch behalten wir und vor einen Hund jerlichen, ob Schefer da weren oder würden, zu Schweinehatz zu fodern, der una dann un— geweigert gehandreicht werden fol.” Ebenjo erliek Landgraf Philipp von Hefjen den Befehl, daß jedem feiner Unterthanen, welcher Schafe und einen Pferd), aber feinen ftarfen „Rödden” halte, der zur Saujagd zu gebrauchen ſei dieſes an- zubefehlen und bei Nichtbefolgung des Befehles ihm die Schäferei ganz und gar nieder- zulegen ſei. Der Landgraf Morig von Hefjen ſchickte gewöhnlich zur Zeit der Schweinehatz Jäger durch's Land, um diefe Hunde zu ſammeln; mer aber „Heine, zur Jagd untauglihe Hunde liefern würde, follte jeden Hund mit fünf Hämmeln büßen“. Die Zahl der in diefer Weife zuſammengebrachten Hunde betrug gewöhnlich 200; als man 1613 nur 160 auftreiben konnte, genügten diejelben nicht.

Weit großartiger als in Heffen geftaltete fich die Aufftofung der Rüden in einigen anderen deutjchen Ländern. So erſchien der Herzog Heinrich Julius von Braunfchweig im Jahre 1592 mit nicht weniger als 600 Rüden zur Sauhage an der Obermejer (Landau). In Württemberg betrug bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts die Zahl der „verſtellten“, d. i. nicht auf den Jägerhöfen gehaltenen, jondern auf dem Lande untergebrachten Rüden oft 1000 Stüd und darüber! Herzog Chriftoph forderte im Jahre 1556 eine Zufammenftellung der in den einzelnen Forſten den Unterthanen zur Verpflegung übertragenen Herrjchaftshunde In der betreffenden Lifte, melche dv. Wagner (Jagdwejen in Württemberg) mittheilt, finden wir nicht weniger als 906 Rüden angeführt, dazu fommen das Forftamt Heidenheim mit 108 Schäferhunden und Nagold und Schorndorf mit „sehr vielen Hunden“. Der Herzog befahl num (wie jhon früher) die Tödtung der überflüffigen Hunde und bejtimmte in der Jäger— ordnung vom gleichen Jahre, e3 follten nicht über 50 Habhunde und 700 Rüden bei den Unterthanen verftellt werden. Die „Schweinberichte” vom Anfang des folgenden (17.) Jahrhunderts ergeben indeß für die disponiblen Rüden zur Sauhatze noch folgende Zahlen: 779 Rüden für 1617; 871 für 1618; 909 für 1619; 728 für 1625. Unter Herzog Carl ſank die Zahl der Rüden auf 280 herab. Die angegebenen Zahlen beziehen ſich nur auf die bei den Unterthanen verftellten Rüden, welche nır während der etwa einen Monat andauernden Schweinehat auf herrichaft-

Rüden. 47

liche Koften erhalten wurden, während die eigentlichen Hebhunde, welche zum Theil dureh Kreuzung der engliſchen Doggen mit Rüden und Windhunden entftanden, ſowie die werthvollen Doggen ſelbſt größtentheil® in den herrjchaftlihen Zwingern und auf den Jägerhöfen unterhalten und gezüchtet wurden.

Als letztes Auffladern der alten Jägerherrlichkeit Württemberg ift das von Matthijon bejungene „Dianenfeit“ zu Bebenhaufen vom Jahre 1820 zu betrachten. Es wurden bei diefer Gelegenheit noch 200 „Hatzrüden“ vorgeführt und in Thätigfeit gejegt jedenfalls waren hier wohl auch die eigentlichen ſchweren Hatzhunde und Doggen inbegriffen.

Es ift nit außer Acht zu lafjen, daß der Nutzungswerth des erlegten Roth- und Schwarzwildes in früheren Jahrhunderten eine ganz andere Bedeutung hatte wie heutzutage. Die große Zahl der früher zu den Sauhaten verwendeten Hunde mag oft unnöthigerweife übertrieben worden jein, fie ward aber zum großen Theile bedingt dur) die damaligen Jagdverhältnifje und nicht allein durch) die Jagdpaſſion der be= treffenden Landesherren. Streng gejchievene, conftante Raſſen der Rüden find übrigens bei uns für den jagdlichen Zweck niemals gezüchtet, da die häufigen Ver— lufte die Aufzucht raffiger Hunde nicht empfehlenswert) machten. Die von Riedinger öfter (u. U. auch im Entwurf einiger Thiere I, Nr. 12) abgebildeten rauhhaarigen oder zottigen „Saurüden“ wurden bereitS von Fleming als pommerjche oder cafjubijche Schäferhunde befchrieben. Am beiten erhalten ſcheint mir die alte Rüdenform in den niederrheinifchen und norddeutſchen Mebgerhunden, welche dem ſchon von Göß 1834 abgebildeten Hunde noch heute völlig gleichen. Ihre Farbe ift meiftens einfarbig xothgelb oder ſchwarz mit gelben Abzeichen, fat immer mit Stumpfſchwanz und kurzen hängenden Ohren und in der Größe eines ftarfen Jagdhundes. Leider verſchwinden dieſe jehr typijchen Hunde in Folge der Ausdehnung der Bahnjtreden immer mehr, da das Schlachtvieh nicht mehr wie früher meilenmweit getrieben werden muß. Auch die Württemberger oder Rottweiler Mebgerhunde bildeten früher und wohl noch jest eine conftante Raſſe. Ein näheres Eingehen auf diefe Typen dürfte bei dem vorausſichtlichen Verſchwinden derjelben überflüffig erſcheinen.

In den romaniſchen Spraden borzugsweile im Altfranzöfiihen und Spanifhen finden wir die Rüden ſchon im 14. Jahrhundert unter dem Namen „mastins“ aufgeführt. Gafton Phöbus (1387) führt den Maftin am Schluß fämmtlicher Jagdhunderaffen an: „Die Beſtimmung der Maftins und ihre Natur- anlage ift die Bewahung des Viehes und der Wohnung ihres Herrn, es ift eine gute Art Hunde, denn fie vertheidigen und bewachen mit allen ihren Kräften das Eigen- thum ihres Heren, aber es find böfe und häßliche Hunde („mais vilains chiens et de vilaine taille sont“). Sie jagen auch die Fährten aller milden Thiere, aber fie arbeiten die Rüdfährte nicht; dies Liegt nicht in ihrer Natur. Aus Maftins und jagenden Hunden lafjen fih gute Hunde für alles edle Wild züchten, ebenjo aus Maftin und Alanen für die Wildfauen, Bären und Wölfe. So auch dur Kreuzung des Maftin mit dem Levrier u. |. w. In den folgenden Jahrhunderten ward in

48 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

Frankreich der Ausdruck „Maſtins“ Häufig, wie unfer deutfches „Rüden“, als Collectiv— bezeihnung für alle jchweren Hatzhunde gebraucht, denn wir finden in den Haushalts- rechnungen der Könige immer neben den PBarforcehunden (Chiens courants) eine Anzahl „mastins pour le pors“. Ende des 16. Jahrhunderts nad) Einführung der Doggen finden wir dann ftatt „mastin“ den Ausdruck „dogue“. Gleichzeitig entitand aus dem alten Worte „mastin“ dur Ausfall des s das noch heute ge= bräuchliche „mätin“, welches ſchon vor Buffon’s Zeiten den unbeitimmten Begriff des „Bauernhundes“ mit fich führte eigentlich aber unjerem „Rüde“ entjprechen ſollte.

A. Der ſpaniſche Maftin.

(ig. 110.)

Um ſchönſten ausgebildet und erhalten finden twir die Rüdenform in dem ſpaniſchen Maftin (Fig. 110)1). Dieje ebenjo originelle wie ſchöne Hundeform ift eine der älteſten ſpaniſchen Raſſen und bei uns bis heute wenig oder gar nicht be= fannt. Herr F. Krichler Hatte während eines Aufenthaltes in Guadalupe die Güte, bon den in feinem Beſitz befindlihen „Maftins“ Photographien und folgende Be— ſchreibung dem Verfaſſer einzujenden: „Ich Halte ven Maftin für den ureigenjten Hund Spaniens, er ift nicht Schäferhund in unferem Sinne, denn die hiefigen Hunde haben nicht den Zweck, die Heerden zu treiben und zufammenzuhalten, jondern fie dienen zum Schuß derjelben gegen Wölfe und werden außerdem, wie bei ung die Rüden, als Treib- und Hebhunde bei den Jagden auf größeres Wild gebraucht. Der Maftin iſt ein meit edleres Thier als unſere Mebgerhunde, er ift ftarf und majlig gebaut, ohne jedoch an die plumpen Formen des Maftiffs zu erinnern. Der Hals ilt frei von Kehlwamme, dagegen jehr ftarf und musculös, die obere Nadenpartie geht jo unmerflih in den Hinterkopf über, wie dies beim Dtter der Fall if. Der Körper it im Berhältnig zur Höhe nicht jehr langgeftredt, ſondern jteht in guten Verhält— niljen zur Höhe der Läufe. Der Rippenkorb ift jehr geräumig, Hinterhand ehr elegant; kreuzlahme und fuhheifige Exemplare habe ich jelbft unter den größten Maftins bis jeßt nicht gefunden. Der Hinterlauf jteht im Sprunggelenf ziemlich teil (wenig gebogen). Die Nuthe wird meiſt Hängend getragen, die Dhren werden ſtets . kurz coupirt. Die wenigen Hunde mit unbejchnittenen Ohren, melde ich bis jebt jah, tragen das furze Ohr Halb aufgerichtet, mit vorn überfallender Spibe.”

Die Najjezeihen des Maſtins laffen ſich in folgender Weife wiedergeben:

a) Beitimmung: In erfter Linie Schuß der Viehheerden gegen Wölfe; dann Hebhund bei den Sau-, Wolf- und Rothrwildjagden.

b) Allgemeine Erjheinung. Mittelſchwere bis ſchwere Hunde von 65 bis 75cm Sculterhöhe, hochgeſtellt, maſſig, aber doch elegant gebaut, Rüden nicht durch— gedrüdt, jondern in der Yendengegend leicht gewölbt; Kopf etwas höher wie die Rüden-

1) Bergl. „Doggen in Frankreich“, Maſtin mätin; Maftiff metif.

Rüden. f 49

| Linie getragen, Ruthe hängend, das legte Drittel nad) oben gekrümmt. Geſichtsausdruck ernft, doch nicht unfreundlich. c) Kopf: Mittelſchwer, Oberkopf breit, mäßig gemwölbt, mittelmäßig lange Lefzen, Nafenrüden breit ohne auffälligen Stirnabſatz, Schnauze vorn abgeftumpft. d) Augen: Nicht jehr groß, Kar, Iris dunfel, fein Roth im Ihränenminfel. e) Ohren: Aufrecht ftehend, meilt furz am Kopfe coupirt. f) Hals: Gedrungen, jehr Fräftig, Naden jehr breit und Stark, feine Wamme. 8) Bruft: Mächtiger, tiefer Bruſtkaſten, Bauch aufgezogen. h) Zäufe: Borderläufe ftärfer als die hinteren, ohne plump zu fein, Hinter- läufe ziemlich fteil.

Big. 110.

Der ſpaniſche Maftin „Terrible”. Bei. F. Kridler.

i) Fuß: Rund, fait Kabenpfote, ziemlich geſchloſſen, Hinterpfoten gejchlofjener wie die vorderen.

k) Haar: Kurz und hart. Wegen des beſtändigen Aufenthaltes dieſer Hunde im Freien verlängert fi das Haar im Winter etwas an manchen Partien des Körpers, ohne deshalb in Hoſen u. dgl. auszuarten.

1) Ruthe: Säbelfürmig hängend getragen (wie bei vielen Bernhardinern), im legten Drittel ftarfe Bürfte, Ruthenanſatz ſehr ſtark und breit.

m) Farbe: Weiß, weiß mit ſchwarzen Platten, ſchwarz.

n) Sonftiges: Es kommen häufig Welpen mit Stummelſchwänzen in den Würfen vor, die übrigens in jeder anderen Hinficht dem allgemeinen Typus vollftändig entjprechen.

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50 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

0) Fehlerhaft: Zu niedrige, zu gedrungene, tonnenförmige Bauart, zu ſchwacher Hals, Kehlwamme, über den Rüden gerollte Ruthe, rauhe Behaarung.

Maße des Maftin („Terrible” Fig. 110 a. v. ©.): Schulterhöhe 66 cm; Kopflänge 27 em; Bruftumfang 79 cm; Länge von der Naje bis zum Ruthenanſatz 98 cm; Ruthenlänge Al cm. (Bei der Abbildung fünnte Naden und Bruft ftärker fein.)

In dem 1864 in Madrid von einer „Geſellſchaft von Jägern“ herausgegebenen „Tesoro de la cazeria* (Jagdſchatz) wird der Maftin folgendermaßen gejhildert: „El mastin: Ein guter Maftin muß don großer Figur und ftodhaarig fein, ſtarken Kopf und Hals haben, die Schnauze mittelmäßig, die Bruft ſtark umd breit, die Pfoten groß, die Färbung jehr geſcheckt. Man pflegt fie anftatt des „alano“ (Bulldogs) bei der hohen Jagd zu verwenden, um das Wild zu verfolgen, indeß ift ihr Hauptzwed, die Heerden zu beſchützen, weil fie große Kraft befigen und fich gern mit den Wölfen herumfchlagen, ja jogar diejelben tödten.”

Sp weit die Mittheilungen des Herrn Krichler, welchem jeder Kynologe für dieſe eingehende Schilderung einer bei uns faſt unbefannten Hunderafje Spaniens zu Dant verpflichtet jein wird, um jo mehr, als wir dur) die Vergleihung des Maftin mit dem gleichnamigen franzöſiſchen Hunde und den deutſchen Rüden einen umerwarteten Aufſchluß in Betreff der Zufammengehörigteit diefer Typen, im Gegenſatz zu den eigentlichen Doggen erhalten.

B. Der dänifde Hund. (Danske Hunden.)

Dieſe eigenthümliche Rüdenform entjtand nachweislih dor etwa 40 Jahren vielleicht Schon Früher in Dänemark und joll auf die in früherer Zeit in Schleswig- Holftein, wie in Dänemark häufig gezüchteten, großen Mebger- oder Schlachterhunde von rothgelber Farbe zurüczuführen fein. Herr dv. Wardenburg-Hamburg (Preis- vihter der deutjchen Doggen auf unferen norddeutschen Ausftellungen), melcher dieſe „dänischen Hunde“ jchon in feiner Jugend kannte, theilt darüber Folgendes mit:

„Der große gelbe dänische Hund ift hervorgegangen aus der Veredelung eines wohlgeformten ftarfen „Schlachterhundes“, der namentlich) in Schleswig-Holftein und Dänemark heimisch war. In einer Preisfchrift des dänischen Profeſſors Melchior: „Die Säugethiere des dänischen und norwegiichen Staates” vom Jahre 1834, iſt diefer Hund in Wort und Bild bejchrieben und „Großer dänischer Hund, Schlachter: hund“, benannt. Man findet ihn auch ausgeftellt im zoologischen Mufeum in Kopen— hagen. Die planmäßige Züchtung und Veredelung dieſes Hundes begann vor etwa 30 Jahren und wurde namentlich dadurch gefördert, daß der König Friedrich VII. (1848 bis 1863) ihm eine bejondere Vorliebe zumandte und den damaligen Staats- rath Klemp beauftragte, diefe Raſſe weiter zu züchten, event. diejelbe wieder her— zuftelfen. Die Beihaffung des Zuchtmaterials joll durch die Erwerbung eines geeigneten Dethundes aus Schleswig-Holitein Hauptfächlich gefördert”fein. Bon diefen Züchtungs— beitrebungen de3 Königs ward die Raſſe jpäter wohl Frederik VII.-Raſſe oder

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Rüden 51

Jägerpriis- Kaffe genannt” '). So weit Herr dv. Wardenburg. Dieje Yunde ges langten ſpäter, namentlich) dur) einen berühmten Deckhund Holger, in Beſitz des Zoologiſchen Gartens bei Kopenhagen, doch müfjen die Zägerpriis-Hunde zu Anfang der fünfziger Jahre bereits recht jelten geworden ſein, denn es entſtand in dieſer Zeit die Nebenrafje oder Varietät des Broholmer Hundes, worüber der jebige Beſitzer der Zucht, Herr Hofjägermeifter Sehefted, dem Berf. auf feinen Wunſch Folgendes mittheilte:

„Um das Jahr 1855 beſchloß der Beliter des Majorats Broholm in Fünen, Kammerherr v. Sehefted, die Lleberrefte des däniſchen Hundes zu jammeln, die Raſſe zu bewahren und ihr im Lande allgemeine Verbreitung zu ‚verjchaffen. Die Aufgabe war nicht leicht, theil3 weil nicht viel Material vorhanden war, theils weil man zu der Zeit nicht mit Beftimmtheit wußte, mie der dänische Hund ausſehen jollte. Die Type, die er ſuchte, war ein großer, braungelber Hund mit großem breiten Kopfe, ſchwarzem Maule, Träftigem Halfe und ſtark entwidelter Bruft und Vorderbeinen, während das Hintertheil gewöhnlich nicht jo kräftig war. Dieſe Type juchte er durch die Zucht weiter zu entwideln, und die Jungen wurden unentgeltlih an Sole aus- geteilt, die innerhalb der Grenzen des Landes für die Bewahrung und Verbreitung der Raſſe wirken wollten und ſelbſt für die Zucht geeignete Thiere bejaßen.

So entftand der Broholmer Hund, und im Laufe von 20 Jahren wurden über 150 Junge ringsum im Lande vertheilt.“

Bei Gelegenheit der erſten nordiſchen Jagdausftellung in Kopenhagen im Jahre 1886 ward zugleich eine große, internationale Hundeausftellung abgehalten. Hier follten auch die Raffezeihen des „gelben, dänischen Hundes“ feitgeftellt werden. Unter den vier oder fünf ausgeftellten Gremplaren fiel die Wahl eines Modells auf den mit dem I. Breife ausgezeichneten Baldur (Abbildung Taf. LID), einen großen, aber feineswegs ſchwerfälligen, jehr vegelmäßig gebauten Hund Broholmer Zucht, damals im zmeiten Jahre. Eigenthümer: Mr. Möller-Ra in Raus bei Helfingborg. Die Farbe gelb mit ſchwarzer Schnauze und ſchwarzen Augenfleden. Seine Make find:

Schulterhöhe 73 cm; Kopflänge 32 cm; Oberkopf zwijchen den Behängen breit 22 cm; Behang lang 15 cm; breit LO cm; Länge des Rumpfes 90 cm; Ruthe 54cm; Bruftumfang 104 cm.

I) Im altnordiihen Mujeum in Kopenhagen befindet ſich ein altes Wandbild (Gobelin), den König Friedrich IT. (1559 bis 1588) von Dänemark mit Scepter und Krone darjtellend. Zu jeiner Rechten fit ein großer gelber Hund von maftiffähnlihem Körperbau, jedoch mit Jagd— hundkopf und auffällig langem VBehang, jo daß er unmöglich als Vorfahr des „däniſchen Hundes” betrachtet werden kann, wie dies früher wohl gejchehen ift. Auf dem Halsband diejes Hundes finden fi) die Initialen des auch an manchem Hausgeräth jener Zeit angebrachten Wahl- ipruches: „Treu ift Wildpret”. Durch die irrthümlihe Annahme, daß das Wort „Wildpret” der Name des Hundes gewejen ſei, find namentlich in franzöfifhen und engliſchen Werfen die ionderbarften Erklärungen jenes Spruches entjtanden. Ich finde in einem deutſchen Stammbuche des 16. Jahrhunderts den oben erwähnten Spruch in folgender Fafjung: „Treu ift Wild- pret Wol dem der jie gefangen bett“, Der ziemlich peſſimiſtiſche Sinn des Spruches geht alfo dahin, daß auf die Treue der Menſchen und ihre Gewinnung ebenjowenig mit Sicherheit zu reinen jei, wie. auf das Auffinden und den Yang eines lebenden Wildes.

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Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

Raſſezeichen des däniſchen Hundes.

1. Allgemeine Bemerkungen: Ziemlich groß, Vorderkörper jehr Fräftig entwidelt, Hinterförper verhältnißmäßig ſchwächer, großer, ziemlich breiter Kopf, ſchwerer Hals, breite Bruft, leicht gefrümmter Rüden. Der Kopf wird gewöhnlich nach vorn geftredt getragen, ein wenig hängend; die Ruthe wird im Laufe gerade getragen, ſonſt nach unten hängend, leicht nad) oben gekrümmt. Die Bewegungen ruhig und etwas Yangjam.

2. Der Kopf verhältnigmäßig groß und breit, die Frontallinie ein wenig höher als die Nafenlinie, jonit parallel mit diefer. Die Stirn jehr breit und Fräftig, die Nafe, mit leicht angedeuteter Erhöhung nad) der Spitze zu, breit; gut überfallende Lefzen. Der Unterkiefer von derjelben Länge als der Oberfiefer. Die Kiefermusfeln ſehr ſtark entwidelt. Die Haut unter dem Halfe bildet eine ſtarke Kehlwamme. Ber- hältnigmäßig Kleine Behänge, ſehr hoch und nad hinten ſchräg angejegt, glatt an= liegend; runde, braune Augen mit ſcharfem, doc gutmüthigem, ruhigem Ausdrud, niemals tiefliegend oder Bindehaut zeigend.

. Hals jehr ſchwer und Fräftig, leicht gebogen.

Bruft ſehr breit und kräftig, mit ſtark entwideltem Bruſtkaſten, ziemlich tief. Rüden jehr Fräftig, leicht gebogen, ein wenig abſchüſſiges Kreuz.

Ruthe mittellang, breit an der Wurzel, Haarwuchs an der Unterjeite nicht ftärfer al3 an der Oberjeite, etwas nad) unten hängend, fat gerade getragen, niemals wie ein Horn nach oben gebogen.

7. DBorderläufe ſtark und kräftig, der Oberarın jehr musculös, von vorn gejehen ganz ſchwach gebogen, im Profil gejehen ganz, gerade.

3. Hinterläufe etwas ſchwächer als die Vorderläufe, die Muskeln weniger ftarf entwidelt, das Kniegelenk ziemlich ftarf gebogen.

9. Fuß rundlich, kräftig mit gut geſchloſſenen gemwölbten Zehen, ſtarke Krallen.

10. Haar ſehr furz und dicht, unbedingt glatt anliegend.

11. Farbe röthlichgelb oder fahlgelb; Schnauze, Behänge und Abzeichen über den Augen dunkler gefärbt.

Fehlerhaft find zu lange Behänge, ſpitze Schnauze, auffteigende Stirn, ftarf hervortretendes Hinterhauptsbein, tiefliegende oder die Bindehaut zeigende Augen, ſchwache, ſchmale Bruft, Leichter Bau, zu fteile oder kuhheſſige Stellung der Hinter- (äufe, nad) oben gefrümmte Ruthe, Bürfte an der Ruthe.

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Need Thott, Ghriftianjen, Seheited, Gaund. Rask pr. Uldum. Tangegaard. Naben Levetzau, Bud, Aalholm. Knuthenborg Skooridengaard.

Secretariat des däniſchen Jagdvereins Nykjöbing p. F.

Rüden, 53

Aus der Abbildung dieſes Hundes, Tafel LII. (Profil und Borderanficht) ift leicht erfihtlih, daß der Broholmer Hund noch immer in der Kopfbildung viel Doggenartiges hat, was nach den Photographien älterer Exemplare Früher noch in weit höherem Grade der Fall gewejen fein muß. Dagegen zeigen die immer jeltener auftretenden dänischen Hunde „Frederik's VII.“ in der Kopfform mehr den Jagd— hund- ähnlichen Nüdentypus, auch find letztere wohl durchſchnittlich bei geringerer Höhe etwas leichter gebaut. Die Farbe ift meiſtens Heller wie bei den Broholmer Hunden, einfarbig gelb, mit ſchwärzlicher Schnauze und eben ſolchen Augenfleden. In Betracht diefer geringen Unterjchiede fcheint die Verſchmelzung beider Typen nur Frage der Zeit zu fein, wiewohl die auf der Ausftellung 1886 angenommene Bezeihnung „Der däniſche Hund“ in dem dor einigen Jahren erjchienenen dänishen „Standard“ in „Broholmer Hund“ abgeändert wurde‘).

Als Wachthunde und Begleiter find diefe dänischen Hunde jehr zu empfehlen, da fie von Natur wachſam, aber gutmüthiger und weniger zum Jähzorn geneigt find wie 3. B. die Mehrzahl unferer deutſchen Doggen. Außer den eigentlihen Broholmer- und Jägerpriis-Hunden begegnet man in den Straßen Kopenhagens und der Umgegend übrigens allen möglichen Kreuzungen diefer Hunde mit jeder anderen erdenklichen Raſſe.

Außer den angeführten Rüdenformen (Nord- und Mitteldeutſcherz Mebgerhund, Rottweiler Hund, franzöfifcher Chien de bouvier, ſpaniſcher Maſtin, altenglijcher drovers dog und dänischer oder Broholmer Hund) find dem Verfaſſer zur Zeit feine andermeitigen, raſſig gezüchteten Typen dieſer uralten vielfach unterſchätzten Form des Haushundes bekannt. Der Verfaſſer möchte nur noch darauf hinweiſen, daß in früherer Zeit viele Zufalls- und NKreuzungsproducte der Rüden von damaligen Zoologen und Künftlern unter den verfchiedeniten Namen als bejondere Raſſen ge- ihildert wurden. Solche Beihreibungen find in neuerer Zeit wohl citirt, um Die frühere Griftenz imaginärer Naffen zu beweiſen. Man hat aud u. U. die Aus-

1) Merkwürdig genug ift aber in dem erwähnten Standard gleichzeitig die alte Benennung „däniſcher Hund“ auf unjere deutſche Dogge übertragen und find deren Nafjezeihen daneben angeführt! Wenn die Franzojen unjere Doggen als „Grand Danois“ und die Engländer diejelben al3 „Great Danes“ bezeichnen, jo liegt Hier einfach Unfenntniß der Raſſengeſchichte zu Grunde, die däniſchen Züchter wiſſen aber doch, daß unſere Doggen nicht in Dänemark ent= ſtanden find: Wozu denn dieje Begriffsperwirrung ?!

Uebrigens haben feineswegs alle franzöfiichen Kynologen der Jetztzeit die Buffon'ſche Anſicht vom „Grand Danois“. So ſchrieb 5.8. M. de la Blanchere (Chiens de Chasse) jhon vor 18 Jahren: „Les chiens que l’on avait classes si mal & propos dans la derniere exposition sous le nom des grands danois et qui sont les chiens de Souabe, chiens du Schwarzwald et de ces contrees, source de nos vrais mätins que l’on employait alors.“

54 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde ꝛc.

Iprüche von Buffon, Götz und Niedinger herangezogen, um die Heimath unferer Doggen nad Dänemark zu verlegen. Die nachftehend (Fig. 111) angeführten Copien jener alten Fig. 111. |

Auffaffung des jogenannten dänifhen Hundes in früherer Zeit. „Däniſcher Jagd- oder Hetzhund“ „Grand Danois“ nah Buffon (1740).

nad Götz (1834). „Dänifher Hund“ nad Riedinger (1738).

Abbildungen werden aber zur Genüge zeigen, welche Sl den alten Autoren als Modelle ihrer Beichreibungen dienten.

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Der St. Bernhardshund, Neufundländer und Tibethund. 55

weite Gruppe.

Der HL. Dernbardshund, Neufundlander und Vibethund.

Die Hunde diefer Gruppe ſtehen Hinfichtlih der allgemeinen Körperform zwiſchen den ſchwereren Doggen (Bullenbeiger und Maftiff) und den Rüden. Sie unterjcheiden fi) von erſteren Hauptjächlich durch Die Form des Kopfes, welche (bon oben gejehen) ſich mehr der ftumpfen SKeilform nähert, ferner durch den im Profil höher gewölbten Dberkopf, durch den ſchwachen Unterkiefer und den ftärfer ausgebildeten Behang. Bon den Rüden unterjcheidet fie der maffigere Körperbau, der ſchwere Kopf mit kurzem, im Profil ſehr tiefem Schnauzentheil und ftark entwidelten Lefzen. Die Behaarung ift länger und dichter, namentlich an der Unterjeite der bufchigen Nuthe; am übrigen Körper findet ſich entweder das dichte, verlängerte Stodhaar (furzhaariger Bernhards— Hund) oder das lange, weichere Seidenhaar, ähnlich der ſchwach gemwellten Behaarung unferer langhaarigen Vorſtehhunde. Die Färbung ift gegenwärtig bei den Bernhardinern auf Rothgelb mit weißen Abzeichen oder Weiß mit rothgelben Platten und auf Gelb- braun und dunkel geftromt bejchränft; bei den Neufundländern finden mir nur das ein= farbige Schwarz und das Weiß mit Schwarzen Platten bei den Tibethunden nur ſchwarz mit wenigen gelbbraunen, dahshundartigen Marken. Mit Ausnahme des Tibet- Hundes, welcher in jeiner Heimath ausſchließlich als Wachthund dient, gegen Fremde bortiegend bösartig auftritt und in der Kopfbildung den Doggen am nächſten fteht, finden wir bei den Hunden diefer Gruppe meilt ein friedfertiges, menjchenfreundliches Weſen und Hohe Intelligaz. Es fteht dies im Einklang mit ihrer urjprünglichen Verwendung, welche ſich zunächft auf die Rettung verunglüdter Menjchen erſtreckte und daher wohl als die edelſte Thätigfeit des Hundes im Dienfte des Menschen betrachtet werden fann.

St [ep]

Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

1) Der St. Bernhardshund. A. Der St. Bernhardshund in der Schweiz.

Dieſe Kaffe, welche in neuerer Zeit einen jo bedeutenden Aufſchwung genommen hat, führt ihren Namen bekanntlich von dem auf der Höhe des großen Bernhard be= (egenen Hospiz, welches in feinen erſten Anfängen traditionell bis ins 8. Jahrhundert zurüdveichen fol. In früherer Zeit, al anderweitige Verbindungswege jelten waren, und der Paß über den St. Bernhard bei Weitem mehr als Alpenübergang benutzt wurde als Heutzutage, hatten die Klofterbrüder häufig Gelegenheit, Reiſenden, welche im Nebel oder Schneegeftöber unterwegs verirrt waren, zu Hülfe zu kommen.

dig. 112.

Schädel eines St. Bernhardshundes (Zudt der Wolfsmühle). Golf, des Verfaſſers. wirkl. Größe.

Bei diefen mühjamen, täglichen Gängen führten fie als Pfadfinder und zum Aufjuchen Verunglückter immer mehrere gut abgerichtete Hunde mit fig. Einer diefer Hunde, Namens Barry, melcher nach 12jährigem Bergdienft im Jahre 1812 einging und noch jest im ausgeftopften Zuftande im Berner Mufeum gezeigt wird, rettete während jener Zeit nad) zuverläffiger Ueberlieferung eine große Anzahl von Menjchenleben 1).

Es muß hier bemerkt werden, daß der eigentliche, für den praftifchen Gebrauch) auf dem Hojpiz gehaltene Bernhardshund immer furzhaarig, oder richtiger ftodhaarig mar; die lange, meiche Behaarung unjerer langhaarigen modernen Bernhardshunde mürde im Schneegejtöber jener unmwirthlihen Höhen gewiß den Hunden die Arbeit

1) Ohne Frage find übrigens die Leiftungen der Bernhardshunde im Allgemeinen vielfad) übertrieben worden. US Kindermärchen betrachte ich alle jene poetiſchen Schilderungen und Abbildungen, welde die Hunde des Hofpizes mit Deden und Erfriſchungen beladen allein auf die Sude nad) Verunglüdten ausziehen laſſen; ebenjo jene rührende Scene, wo der alte Barıy mit dem geretteten Kinde auf dem Nüden auf der Schwelle des Hojpizes an der Glocke ziehend Einlaß begehrte! Dieſe und andere Fabeln entſtanden während der „empfindſamen“ Periode in den zwanziger Jahren und haben ſich zum Theil bis heute fortgepflanzt.

En 3

Tafel LIM.

Aurzhanriger und langhaariger Bernhardiner.

Hector v. Bafel, v. Barıy a. Gemmi 1889, Büchter: B. Siegmund=Bafel. Beſiher: Krupp- Gen.

Bruins, dv. Young Barry (©. H. St. B. 105) a. Irma Büchter: Dr. Künzli-St. Gallen. Beliger: U. Lat

1888.

Euskirchen.

Die Bernhardiner. 57

erfchwert haben. Für den Dienft des Hofpizes Haben daher immer nur furzhaarige oder richtiger „ſtockhaarige“ Hunde Verwendung gefunden, da dieje Varietät indek erfahrungsmäßig oft nad) einigen Generationen die gewünjchte dichte und volle Be— haarung verliert, jo ift es jeit langer Zeit Gebrauch geworden, die kurzhaarige Barietät mit der langhaarigen, welche mehr in den Niederungen gehalten wird, zu

dig. 113.

>> De en - be] DIE en Br Fr SE = * <__ )

Kurzhaariger St. Bernhardshund Rasco II., (Champion „Keeper”). v. Ivo aus Sanspeur; Züchter: Dr. Siegmund, Bajel.

kreuzen. In den Würfen finden fih dann theils kurz-, theils ua Welpen. jeltener die nicht gewünjchte Mittelform.

Die rein gezlichteten Bernhardshunde zeigen fi) bei guter Behandlung durch— ſchnittlich als gutmüthige, ſehr anhängliche und gelehrige Thiere, wiewohl ihre In— telfigenz vieleicht nicht jo bedeutend ift, wie die des. Neufundländers. Im Gegen- fat zu letzterem zeigt der Bernhardshund durchaus feine Vorliebe für das Waller, ohne daſſelbe eben zu jcheuen. Gegen Regen und Kälte ift ev weniger empfindlic) wie der Neufundländer. ES ift anzunehmen, daß die Verwendung großer Hunde für den Bergdienft Schon ſeit Jahrhunderten ftattfand, doch fehlen nähere Berichte über

58 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde zc.

die Zeit der Entftehung oder Einführung der heutigen Raſſe der Bernhardiner, welche mit Sicherheit faum über den Anfang diefes Jahrhunderts zurüdzuführen find. Die große Verbreitung, welche diefe und ähnliche Formen großer Hunde aber noch heut- zutage in der ganzen Schweiz haben, läßt nicht annehmen, daß man zuerft und aus— ihlieklih nur auf dem Hofpiz für den gedachten Zweck eine befondere Rafje!) dur) complicirte Kreuzungen herſtellte! Man benugte das überall im Lande vorhandene Material, weldhes durch andauernde Zuchtwahl fi allmählih zu einer Raſſe herausbildete. So fonnte aud) der angebliche DVerluft ſämmtlicher Hunde des Hoipizes im Jahre 1816, menn derſelbe überhaupt ftattgefunden hat, nicht jo ſchwer zu erjegen jein. Noch jet werden Hunde der früheren Raſſe auf dem St. Bernhard gehalten, doch ift ihre Verwendung eine weit bejchränktere geworden, jeit außer dem Bernhardspaß manche andere und bequemere Verbindungen hergeftellt find. Herr v. Berlepſch-Seedorf, ein guter Hundefenner und vorurtheilsfreier Beobachter, bejuchte das Bernhardhoſpiz 1883 und theilte mir über die damaligen dortigen Verhältniffe Nachftehendes mit: „Bon den 11 dort vorhandenen alten Hunden werden nur nod drei benußt, um bei Ächlechtem Wetter die Knechte des Hoipizes auf ihren Wegen nad) dem zwei Stunden entfernten Martigny, wie auf der italieniſchen Seite nad) dem gleich weit entlegenen Aoſta und zurüd zu begleiten. Die Hunde fennen den Weg genau, felbjt wenn derjelbe duch Schnee verweht ift, und die Mönche find jomit nicht der Gefahr ausgeſetzt, ſich zu verivren oder in Ab- gründe zu ſtürzen. Dienfte, wie der alte Barıy fie Häufig geleiftet, fommen wohl faum noch dor, auch werden etwaige Erfriſchungen u. ſ. w. nicht mehr wie früher von den Hunden, fondern von den Knechten felbjt getragen. Doch wurden una im Kloftermufeum die Deden gezeigt, melde man früher den Hunden auf den Rüden ſchnallte und die Fäßchen, melde fie unter dem Halſe trugen. Uebrigeng waren die auf dem Hoſpiz vorhandenen Hunde (1883) von jehr verjchiedener Güte, neben einigen jchönen, edel ausfehenden Ihieren, fand ich andere von gemeinem Ausjehen. Die Behaarung der Hunde ift durchweg kurz (ftoChaarig), die Farbe vorherrſchend weiß mit roth- oder braungelben Platten. (Im Inneren des Hofpizgebäudes fand ich jedoch eine große Anzahl gegerbter, ala Fußdecken benutzter Zelle, welche faſt nur

1) In neuerer Zeit hat man verjucht, die Abftammung der Bernhardhunde bis auf die fleinen Hunde der Schweizer Pfahlbauten zurüdzuführen. Ohne die Möglichkeit dieſer weit: läuftigen Verwandtihaft in Abrede zu ftellen, möchte der Verfaffer doch auf die näher liegende Abſtammung von den ſchweren Doggen- oder Bullenbeißerformen hinweijen, welche gegenwärtig faft nur durch den engliihen Maftiff vertreten werden. Dieje ſchweren Hof- und Hetzhunde waren früher feineswegs auf England und die Schweiz bejhränft, jondern jhon im Mittelalter über den ganzen Continent in wechſelnder Form verbreitet. Aus diejen ſchweren Formen entwidelten ſich wahrjheinlich erſt im Laufe des vorigen Jahrhunderts in der Schweiz die Vorfahren des Bernhardhundes. Umgefehrt find erweislich nod) in den 30er Jahren ganze Zuchten von Bernhardshunden unter dem Namen „Alpine Maftifjs“ nad) England geſchafft, um dort den fait ausgeftorbenen engliſchen Maftiff wieder herzuftellen. Ob die ipätere langhaarige Form des Bernhardiners durch Kreuzung mit langhaarigen Jagdhunden, Neu— fundländern oder Wallijer Schäferhunden entjtand, bleibt fraglich.

Die Bernhardiner. 59

einfarbig rothgelb gefärbt waren. Langhaarige Exemplare waren aud) hier nicht zu finden.) Behänge und Ruthen der damals auf dem Hofpiz lebenden Hunde wurden jehr verfchieden getragen. Durchweg fand ich eine mehr oder weniger ftarf gemölbte Stirn bei diefen Hunden. Ale, von den augenscheinlich nicht jehr in der Kynologie bewanderten Conventualen, als „echt“ bezeichneten Hunde hatten zwei jtarfe Afterflauen an den Hinterläufen, von denen die eine oft nur loſe in der Haut hing. Die langen Nägel dieſer Zehentudimente müſſen den Hunden beim Gehen jedenfalls oft Hinderlich gewejen fein. Außerdem wurde ich bei einigen Gremplaren auf daS verlängerte dichte Haar zwiſchen den Zehenballen aufmerkſam gemacht, welches ſich zum Theil auf die Sohlen der Ballen legt, jedenfalls Schub gegen Wundlaufen auf geftorenem Boden gewährt. Die Naje der Hunde wurde als vorzüglich gerühmt ihre äußerere Er- ſcheinung ift im Allgemeinen noch dieſelbe wie die des alten Barry, welcher aus- geftopft im Berner Mufeum fich befindet.” „Ein ftreng rationelle Züchtungs— verfahren findet auf dem Hoſpiz wohl faum ftatt, Hunde und Hündinnen laufen gemeinschaftlich umher, etwa zwei bis drei Würfe werden jährlich aufgezogen und durchſchnittlich das Stüd mit 300 Francs an Neifende, namentlih an Engländer, verfauft. Einige junge Hunde waren in den tiefer und vor den ſcharfen Winden mehr geſchützten „Gantine de la Prozze* untergebracht.”

Manche junge Hunde werden auch dom St. Bernhard nah dem Hofpiz auf dem Simplon zur Aufzucht geſchickt. Die Thiere gedeihen Hier in Folge des milderen Klimas beffer, fie find derjelben Abftammung wie die auf dem großen St. Bernhard, erden aber zu feiner Dienftleiftung herangezogen. Doch werden fie gern gezüchtet, da ihr Verkauf ein gutes Stüd Geld abwirft. Herr Mar Hartenjtein- Plauen, welcher den Simplon 1884 bejuchte, fand dort nur jieben Stück dor, darunter zwei vier Monat alte, welche kurz zuvor vom St. Bernhard gefchidt waren. „Größe und Farbe Sämmtlicher Hunde ließ zu wünſchen übrig im Vergleich zu den früher dort borhandenen Hunden. Sämmtlihe Hunde hatten Afterflauen, meiſtens waren die— jelben doppelt, die Hinterfüße meift nach außen gerichtet, dabei war der Gang indeß nicht kuhheſſig, jondern im Schritt nur etwas ſchwankend.“ Soweit Herr Hartenftein. Wenn auch die Zichtungsverhältniffe auf dem Bernhard und Simplon durch Einwirkung der ſchweizeriſchen kynologiſchen Geſellſchaft fich möglicherweife günftiger geftaltet Haben, glaubte der DVerfaffer doch die obigen, unparteiiſch gehaltenen Schilderungen Hier anführen zu müffen, da man bei uns nur zu ſehr geneigt ift, die Hunde vom Hoſpiz ala das A und O aller Bernharvinerzüchtung zu betracgten. In Wirklichkeit fönnen die wenigen Hunde. melche überhaupt jährlich auf dem Hospiz gezogen werden, gar nicht in Vergleich fommen mit der großen Zahl raffiger Hunde, welche gegenwärtig an vielen Orten der Schweiz, namentlich im Ganton Bern, von Privaten gezüchtet werden. Großes Verdienſt um die Bernhardinerzucht hat der jedem Freunde diefer Rafje wenigitens dem Namen nad) befannte Herr Shumader in Holligen bei Bern, welcher diefe Hunde ſchon jeit länger als 30 Jahren nad dem Vorbilde des alten Barıy züchtete. Im Jahre 1812 madte Herr Schumacher den Conventualen des Hojpizes ein Paar jeiner

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60 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde ꝛc.

ihönen Hunde zum Geſchenk und es joll der männliche Hund, welcher dem alten Barıy jehr ähnelte, viel zur Veredlung und Auffrischung der Raſſe beigetragen haben. In neuejter Zeit finden wir) das Gros der Bernhardzüchter überhaupt im Canton Bern, nämlich die Herren Gebrüder Boß in Grindelwald, Egger Vater und Sohn in Fruttigen und Kanderfteg, Gurtner in Lauterbrunnen, Fahıny und Tihaggeny in Thun. Ferner erwähnen wir B. Siegmund in Bafel, Frau Geheimrath Deihmann in Vadız, Dr. med. Künzli in St. Gallen und den fynologifchen Verein Barry ebendafelbit. Dr. Künzli ijt vielleicht der erfolgreichjte und eifrigfte der jegigen Züchter, die Zahl der in feinem Beſitz befindlichen, meift jelbjt gezüchteten St. Bernhardshunde belief fi” im Jahre 1889 auf circa 70 bis 80 Köpfe Die meilten während der legten Jahre prämtirten kurz und langhaarigen Hunde ſtammen aus dem genannten Zwinger.

Unter den Schweizer Züchtern ſind ferner zu erwähnen: Jörin-Gerber in Zürich, Dr. Araumann in Woldenburg, Zwinger Baumgarten in Thun, E. Vogt in Winterthur und Kohler-Grütter in Balel.

Es iſt wohl nicht in Abrede zu Stellen, daß die zunehmende Beredlung und Maſſen— züchtung während der legten 15 bis 20 Jahre zunächſt, wenn nicht ausſchließlich der Vorliebe der Engländer (in neuefter Zeit auch der Amerikaner) für die Bernhards- ftellung der Raſſezeichen dieſer Hunde fand jogar in England früher ftatt, als in der eigentlichen Heimath des Bernhardiners. Der ſtarke Export nad) England hat auf die continentalen Züchter Fehr anregend gewirkt, doch jind exjtere bald ihren eigenen Weg gegangen, wie mir jpäter (vergl. die Bernhardiner in England) zeigen werden. Im nördlichen Deutjchland, von wo die fynologijche Bewegung in den 70er Jahren zuerſt ausging, hat man in der Bernhardinerfrage nur langjam und verhältnigmäßig jpät das rechte Verſtändniß gefunden. Urjache war zunächſt die große Seltenheit rein gezüchteter Bernhardiner und der gänzliche Mangel officiell in der Schweiz anerkannter Raſſezeichen und Stammbäume Dazu fam

die immer mehr überhandnehmende Mafje der fogenannten „Leonberger, Berg

hunde u. ſ. w.“, welche in allen möglichen Behaarungen, vorwiegend von Württemberg aus, verbreitet wurden. Sp fam es, daß man bei der erften Verfammlung zur Beititellung der Rafjezeihen in Berlin (Elite-Ausitellung 1878) eine gemeinjame Claſſe der „Alpenhunde“ aufftellte und diefelbe als furzhaarige, langhaarige und mollige (gerollte) unterjchied. Nach verjchiedenen jpäteren Abänderungen, welche ſich immer al3 unzulänglich erwieſen, fand man endlich den richtigen Weg, indem man die Bernhardiner als nationale Raſſe ven Schweizern und die Neufundländer den Engländern zur Beitimmung überließ. Die jämmtlichen in Deutſchland inzwijchen

1) Es ift nicht zu überjehen, daß ſich unter den jogenannten „Leonberger-Hunden“ nicht ſellen wahre Brachteremplare befanden, welche an Stärfe und ſchöner Behaarung die meiften damaligen Bernhardshunde weit übertrafen. Die deutjhen Vereine gaben ſich gewiß nicht um— ſonſt die Mühe, die Züchter diefer Zufallsproducte zur Herftellung einer conftanten Raſſe jolcher Hunde zu bewegen.

Die Bernhardiner. 61

entitandenen Kreuzungs- und Hebergangsformen ‚aber wurden von den deutjchen Ver— einen nicht weiter berücfichtigt, da verſchiedene Verſuche, mit den Züchtern und Händlern dieſer raffelofen Producte zu einer Verſtändigung zu gelangen, fi) als nußlos erwieſen. Erſt nach der Veröffentlihung des in England von Seiten des Kennelclubs aufgeftellten Standard des St. Bernharohundes (1882) erſchienen auch die don der Schweizer kynologiſchen Geſellſchaft aufgeftellten officiellen Raſſezeichen (1883), welche fi) von der engliſchen Auffaljung in manden Stüden unterſchieden. Um zu emer allgemeinen gültigen Faſſung der Kafjezeihen der Bernhards— Hunde zu gelangen, beichloffen die Schweizer Vereine und Privatzüchter dann bei Gelegenheit der geplanten großen internationalen Austellung zu Züri 1887, eine Zuſammenkunft von Delegirten der englischen und continentalen Vereine zur Berathung und Erledigung der Vernhardinerfrage anzuregen. Da der Stenmelclub fich nicht be= theiligte, waren al3 Vertreter ausmärtiger Vereine nur Baron A. v. Rauch (Deutſche Delegirten- Commiffion), Hofbuchhändler Radetzki (Bräfident des Hector-Berlin) und Mar Hartenftein (Vorftandsmitglied des Hector) erſchienen, welde im Verein mit den Schweizer Delegixten und den anmejenden Preisrichtern und Züchtern unter Vorſitz des Dr. Künzli-St. Gallen die ſchwebenden Fragen zu allgemeiner DBefriedi- gung der Berfammlung löften. Sehr erleichtert wurde diefe Aufgabe durch das groß— artige Material der beiten St. Bernhardshunde jener Zeit, melche zur Austellung ein- geſchickt waren und der Reihe nach während der Beratdungen vorgeführt wurden. Das Refultat jener Sigung ift in nachftehender Faſſung niedergelegt:

Die Rafjezeihen des St. Bernhardshundes feitgejtellt vom

Internationalen Congreß in Jürid) 18837. a) Der furzhaarige St. Bernhardshund.

Allgemeines: Kräftige, Hohe, in allen Partien ſtramme, musculöfe Figur mit mächtigem Kopf. und höchſt intelligentem Gefihtsausdrud. Bei Hunden mit dunkler Maske erſcheint der Ausdruck erniter, doch nie bösartig.

Kopf: Wie der ganze Körper jehr kräftig und impofant. Der ftarfe Ober- fopf ift breit, etwas gewölbt und geht ſeitlich in janfter Rundung in die jehr kräftig entwidelten, hohen Badenpartien über. Hinterhauptsbein nur mäßig entwidelt. Der Supraorbitalrand ift jehr ſtark entwidelt und bildet mit der Längsachſe des Kopfes annähernd einen vechten Winfel. Zwiſchen den beiden Supraorbitalbogen, an der Schnauzenwurzel, tief einfchneidend, beginnend und gegen den Anſatz des Hinterhaupts- beines allmählich ſeichter werdend, zieht ſich eine, namentlich in der vorderen Hälfte kräftig marfixte Furche über den ganzen Oberkopf. Die feitlichen Linien vom äußeren Augenwinkel zum Hinterkopfe divergiven nad) Hinten ziemlich ſtark. Die Stivnhaut

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bildet über den Supraorbitalbogen gegen die Stirnfurche convergirende, mehr oder weniger deutlich ausgeſprochene, ziemlich ſtarke Falten, die befonders im Affect ſtärker hervortreten, jedoch nichts weniger als den Eindrud des Finjtern bewirken. Der Oberkopf geht plötzlich und ziemlich fteil abfallend in die Schnauzenpartie über. Die Schnauze ift kurz, nicht verjüngt und der ſenkrechte Durchſchnitt an der Schnauzen- wurzel muß größer fein als die Länge der Schnauze. Der Schnauzenrücken iſt nicht gewölbt, fondern gerade, bei manden guten Hunden mitunter leicht durchgebrochen. Bon der Schnauzenwurzel führt über den ganzen Schnauzenrüden eine ziemlich) breite, deutlich ausgeſprochene ſeichte Rinne zur Naſe. Die Lefzen des Oberfiefers find ſtark entwicelt, nicht ſcharf abgeschnitten, jondern in ſchönem Bogen in den unteren Rand übergehend, leicht überhängend. Die Lefzen des Unterkiefers dürfen nicht tief- hängend fein. Das Gebiß ift im Verhältniß zur Kopfconfiguration nur mäßig ftart entwidelt. Ein jhwarzer Nahen ift erwünſcht. Die Naje (Schwamm) ift jehr räftig, breit, mit weit geöffneten Najenlöchern und ſoll, wie die Lefzen, ftets ſchwarz ſein.

Der Behang iſt mittelgroß, ziemlich hoch angeſetzt, an der Baſis mit ſehr kräftig entwickelter Muſchel leicht abſtehend, dann in ſcharfer Biegung ſeitlich abfallend und ohne jede Drehung der Kopfform ſich anſchmegend. Der Oberlappen iſt zart und bildet ein abgerundetes, nach der Spitze hin wenig verlängertes Dreieck, deſſen vorderer Rand feſt am Kopfe anliegt, während der hintere, beſonders bei aufmerk— ſamer Haltung, etwas abſtehen darf. Schwach angeſetzte Behänge, die ſich an ihrer Anſatzlinie ſofort dem Kopfe anſchmiegen, geben demſelben ein ovales, zu wenig markirtes Ausſehen, während die kräftig entwickelte Behangbaſis demſelben eine mehr eckige, breitere Oberkopfpartie und ein viel ausdrucksvolleres Ausſehen verleiht.

Die Augen ſtehen mehr nach vorn als nach der Seite, ſind mittelgroß, braun, nußbraun, mit klugem, freundlichem Ausdruck, liegen mäßig tief; die unteren Lider ſchließen in der Regel nicht volllommen und bilden dann gegen den inneren Augen— winfel eine eckige Falte. Zu tief hängende Liver mit auffällig Hervortretenden Thränen- drüfen oder hochgerötheter, wulftiger Bindehautfalte find verwerflich.

Der Hals ift hoch angefegt, ſehr Fräftig und wird im Affecte fteil, ſonſt aber horizontal oder leicht gejenft getragen. Der Mebergang vom Kopf zum Naden iſt durch eine deutliche Furche markirt. Naden jehr musculös und feitlic) gewölbt, wo— dur) der Hals ziemlich kurz erfcheint. Gut ausgejprochene Kehl- und Halswamme, doch iſt zu ſtarke Entmwidelung derfelben nicht erwünjcht.

Die Schultern find ſchräg und breit, fehr musculös und kräftig. Widerrift jtarf ausgeprägt. |

Der Bruftkaften ift ſehr gut gemölbt, mäßig tief, ſoll nicht über die Ellenbogen herabreichen.

Rüden: Sehr breit, nur in der Lendengegend ganz leicht gewölbt, ſonſt bis zur Hüfte vollfommen gerade, von der Hüfte zur Kruppe ſanft abfallend und un— vermerkt in die Schwanzwurzel übergehend.

Die Bernhardiner. 63

Hinterhand: Gut entwidelt, Keulen ſehr musculös.

Bauch: Bon der jehr kräftigen Nierenpartie deutlich abgejeßt, nur wenig auf- gezogen.

Die Ruthe (Stiel, Schwanz), unvermittelt aus der Kruppe breit und Fräftig entſpringend, ift lang, jehr ſchwer; fie endigt in fräftiger Spitze und wird im der Ruhe gerade herabhängend, nur im unteren Drittel leicht aufmärts gekrümmt ge= tragen. Bei einer großen Anzahl von Exemplaren wird die Ruthe an der Spibe leicht umgebogen getragen (wie bei allen früheren Hoſpizhunden nach früheren Ge— mälden) und ift daher /-fürmig hängend. Im Affecte tragen alle Hunde die Ruthe mehr oder weniger ſtark nach oben ‚gebogen. Doch darf fie nicht zu fteil oder gar über den Rüden gerollt getragen werden. Leichtes Umrollen der Schwanzſpitze noch) eher geitattet.

Oberarm: Sehr kräftig und außerordentlich) musculös.

Borderläufe: Gerade, kräftig.

Hinterläufe: Im Sprunggelenf mäßig gebogen, je nad) Entmwidelung einfacher oder doppelter Wolfsklauen (Sporen), in den Füßen mehr oder weniger nad) außen gedreht, was nicht mit kuhheſſig zu verwechſeln ift.

Pfoten: Breit, mäßig geſchloſſen, mit fräftigen, ziemlich ſtark gemölbten Zehen. Die einfachen oder doppelten Sporen tief angeſetzt, jo daß jie fait mit der Sohlenflähe in gleiche Höhe zu ftehen fommen, wodurch allerdings eine Verbreiterung der Gehfläche bewirkt wird und der Hund im Schnee weniger leicht durchbrechen fann. 63 giebt Hunde, welche an den Hinterfüßen eine regelmäßig gebildete, fünfte Zehe tragen (Daumen). Die jogenannten Wolfsklauen, welche fi) mitunter an der Innen— jeite der Hinterfüße vorfinden, find unvollfommen entwidelte Zehen und haben für den Gebrauch wie für die Beurtheilung des Hundes feinen Werth.

Das Haar ift ſehr dicht, ſtockhaarig, glatt anliegend, derb, aber doch nicht rauh ih) anfühlend. Keulen find leicht behoft. Die Ruthe an der Bafis länger und dichter, gegen die Spike allmählic) weniger lang behaart. Die Ruthe erſcheint buſchig, feine Fahne bildend.

Farbe: Weiß mit Roth oder Roth mit Weiß, das Roth in feinen verjhiedenen Nüancen; weiß mit graugelben bis graubraun geftromten Platten, oder eben dieſe Farben mit weißen Abzeichen. Die Farben Roth oder Graugelb und Braungeld find völlig gleichwerthig. Unbedingt nöthige Abzeichen find: weiße Bruft, Füße und Ruthen— ſpitze, Naſenband, Halsband; Genidflet und Bläſſe ſind jehr erwünſcht. Niemals einfarbig oder ohne Weiß. Tehlerhaft alle anderen Farben außer der ehr beliebten dunklen Berbrämung am Kopfe (Maske) und den Behängen.

Die Shulterhöhe des Hundes (mit Galgenmaß gemeijen) jollte im Minimum 70cm, der Hündin 65 cm .beiragen.. Die weiblichen Thiere find durchweg zarter und feiner gebaut.

Als fehlerhaft find alle mit den Points nicht jtimmenden Abweichungen zu betrachten.

64 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

b) Der langhaarige St. Bernhardshund.

Der langhaarige Hund iſt vollfommen der gleiche, mit Ausnahme der Behaarung, die nicht ſtockhaarig, jondern mittellang, ſchlicht bis leicht gemwellt, nie gerollt oder ge= fräufelt und ebenjowenig langzottig fein darf. Gewöhnlich ift das Haar auf dem Nüden, namentlich in der Gegend der Hüfte bis zur Kruppe, etwas ſtärker gemellt, was übrigens leicht angedeutet auch bei dem ftodhaarigen, jelbft dem Hoſpizhund zu treffen. ift.

Die Ruthe it buſchig, ſtark, doch mäßig lang behaart. Gerolltes oder ge— (odtes Haar an der Ruthe nicht erwünscht. Gefcheitelte oder Fahnenruthe fehlerhaft. Geſicht und Behang jind kurz und weich behaart; länger entwideltes Seidenhaar an der Ohrbaſis gejtattet,.vejp. fait jtet3, jo zu jagen al3 Norm vorkommend. Border- läufe nur leicht befevdert; an ven Heulen ſtark entwidelte Yeder.

Sehlerhaft find vor Allem Bildungen, die an Neufundländerkreuzung erinnern, wie 3. B. Senfrüden und unproporkionirt langer Rüden, zu ſtark durchgebogene Sprunggelenfe und mit aufitehenden Haaren bejeßte Zwiſchenräume der Zehen.

Baron U. von Rauch, Abgeordneter der deutſchen Delegirtencommilfion. Ludwig Bedmann-Düfjedorf. 9. Inman=Betterton, England. Mar Harten- tein= Plauen, VBorftandgmitglied des Vereins „Hector“, Berlin. Radetzki, Präſident des Vereins „Hector“, Berlin. E. K. Korthals-Biebesheim, Helfen. €. Ping— gera, Zwinger „Bavaria“, Münden. B. Stegmund=Bafel und Dr. Th. Rünzli- St. Gallen, Vertreter der Schmeizerifchen kynologiſchen Gejelichaft. Hermann Dür- Burgdorf, Vertreter des Schweizeriihen St. Bernhard-Club. Dr. Machwürth von Lüttwitz-Zürich, Präſident der Schweizeriſchen kynologiſchen Gefellichaft. Dr. C. von Muralt-Wild-Zürih, Mitglied der Stammbuchcommiſſion. A. Rittmann-Baſel,

Mitglied des Centralvorſtandes der Schweizeriſchen kynologiſchen Geſellſchaft.

Die Züricher Ausſtellung 1887 war die erſte „internationale“ Ausſtellung der Schweiz und das ganze Arrangement derſelben nach allen Richtungen ſo vorzüglich und zweckentſprechend, daß ſie ohne Frage zu den beſt eingerichteten aller bis jetzt ab— gehaltenen Ausſtellungen zu zählen iſt. Herrn Dr. Machwürth von Lüttwitz gebührt die Ehre, die erfte Anregung zu Ddiefem Unternehmen gegeben und die Einrichtung und Durchführung deijelben vorzugsweiſe geleitet zu haben. Die Zahl der aus— geftellten Bernhardiner betrug im Ganzen 139; davon famen auf die Claſſe der furz- haarigen Hunde 40; furzhaarige Hündinnen 32; langhaarige Hunde 49; langhaarige Hündinnen 18. Die betreffenden Claſſen waren jo vorzüglich vertreten, wie bis dahin auf feiner anderen Ausſtellung des Gontinents,. jo daß ein neben uns ftehender Herr beim Borführen der fünf beiten langhaarigen Hunde in die Worte ausbrad „für ein fynologijch gejtimmtes Herz jei ein ſchönerer Anbli faum denkbar.” In der Claſſe der furzhaarigen errang Nr. 268 des Katal. (Jvo des Herrn C. Weitnauer-Bafel) den

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Die Bernhardiner. 65

Ehrenpreis (filbernen Becher), wiewohl manche Züchter vielleicht Nr. 259 des Fatal. (Bluto der Frau Geheimrat 2. Deichmann-Vaduz) den Vorzug gegeben hätten. Der feßtere inzwiſchen eingegangene Hund hatte von jeher das Mißgeſchick, von manchen Kennern der Raſſe als das Ideal des Bernhardiners, von anderen als Caricatur des— jelben betrachtet zu werden. Sicher ift, daß dieſer Hund die „Points“ des Bernhards: hundes, namentlich in der Kopfbildung, in jehr extremer Ausbildung zur Schau trug (Mopsbildung). Eine ganz vorzügliche Collection bildeten die kurzhaarigen Hündinnen von einem ſolchen Material ließ ſich mit Recht viel erwarten. Mit Spannung jah man allgemein dem Wettkampf der langhaarigen Hunde entgegen, ftand doc) einer der berühmteſten Hunde Englands im Ringe (Prinz Battenberg, Beliter: Mı3. King-Patton, Birmingham), und wirklich übten das ſchöne Ebenmaß feiner Körherformen und das prächtig gepflegte Haar bei ſchöner Färbung einen be= ftechenden Einfluß auf manchen Beſchauer aus, der von Weiten herbeigeeilt war, um diefen Hund zu jehen. Allein die Preisrichter waren jofort einig, daß Prinz Batten— berg troß feines beſtechenden Aeußeren Young Barıy (Mr. 35) des Herrn Dr. Künzli-St. Gallen das Feld räumen müſſe. Letzterer erreicht nicht ganz Die Höhe und Mächtigkeit des vorigen, doch ift ex ebenfalls ein jehr Fräftiger, regelmäßig ge- bauter Hund von guter Farbe und Behaarung und hat zugleich einen unübertrefflich typiſchen Kopf don mächtigen Dimenfionen, außerdem gute Ruthe mit durchaus correcter Haltung. Die beiden leßtgenannten Partien waren bei Prinz Battenberg weniger tadellos zu nennen, namentlich erſchien der Kopf defjelben viel zu leicht im Verhältniß zum Rumpf und erinnerte an den einer Hündin. Das Preisrichter— collegium ſprach daher einftimmig dem Young Barıy den Ehrenpreis (500 Yrancs) zu, während Battenberg den I. Preis erhielt.

Im Juli 1889 fand die Berner Ausftellung ftatt, welche abermals den Beweis lieferte, daß die Bernhardinerzüchter der Schweiz während der legten Jahre gewaltige Fortfehritte gemacht Hatten. Auch hier war die Abtheilung der Furzhaarigen Hunde der langhaarigen Varietät an Zahl und im Allgemeinen auch an Güte überlegen, trotzdem während der lebten Zeit viele furzhaarige Hunde nad England verkauft torden waren. Glafje 40, kurzhaarige Hunde, war dur) 50 Exemplare vertreten, unter denen Ivo des Herin Weitnauer in Bafel den Ehrenpreis, und Hector (bon Ivo aus Mr. Betterton’s Sanspeur) den folgenden (zweiten) Preis erhielt. Ivo galt damals troß einiger Keinen Mängel für den beiten Zuchthund des Gontinents und fiegte auch gegen den langhaarigen Young Barıy im Kampfe um den Ehren- preis für den beiten Bernhardiner der Berner Austellung. Die Clafje der Hündinnen (kurzhaarig) enthielt 30 Nummern faſt durchweg guter Thiere; Juno (Nr. 263 d. Kat.) errang den I. Preis.

Die langhaarige Varietät hatte wohl kaum gleiche Fortſchritte aufzuteilen, wie die beiden vorhergehenden Glaffen. Der I. Preis fiel auf den befannten Young Barry des Herrn Dr. Künzli, der II. Preis auf Orſino, einen Sohn des Young Barıy, welcher dem vorigen in Hinficht auf allgemeine Körperbildung gleihfteht, ihn

66 Dritter Theil. Haus- und Hirtenhunde x.

jedoh in der Kopfform nicht völlig erreicht. Unter den langhaarigen Hündinnen erhielt Hero Mr. 323 des Kat.) den I. Preis, Yubra (Nr. 261 des Kat.) einen II. In den Jugendclaffen erhielt dev furzhaarige Hund Pluto (Mr. 337 d. Kat.) den J., die Hündin Belline (N. 352 d. Kat.) den II. Preis. Unter den langhaarigen wurde Kean (Nr. 364 d. Kat.) ſchon damals als ein hervor— ragender Hund bezeichnet; die lebte Clafje, langhaarige Hündinnen, war nur ſchwach vertreten.

Die im Frühjahr 1893 in Zürich abgehaltene internationale Schau zeigte be= deutende Fortjhritte in der Bernhardiner Züchtung, namentlich) in Betreff der Größe, Stärfe und Anzahl der Hunde (170 Bernhardiner). Hier erihien der alte Young Barry nochmals „hors concours“. In der Siegerclafje fiegte Young Pluto von Arth des Herrn Heiner-Arth über die don Frau Geheimrath Deichmann gezüchtete Hero v. Hirslanden, Bel.: Jörin-Gerber in Zürid. Kurzhaarige von? zwei Jahren und darüber: fein I. Breis; Pluto dv. Buochs (Züchter: Steiner-Arth) und Cäſar dv. Olten (Belißer: Keuenberger-Dlten): je einen II. Ehrenpreis. Hündinnen: Belline des Herrn Röthlisherger- Langnau: Ehrenpreis; II. Preis: Piora des Herin C. Weitnauer (gez d. B. Siegmund); Ilſe (v. TIL a. Sarah) ebenfall® I. Preis. Hunde von 1 bi8 2 Jahren: die beiden von Dr. Künzli gg. Hunde Willi-Wood und Barry-Roebot den I. und II. Preis; Hündinnen: Blanche des Dr. Künzli I. Preis; Freya des Herrn Dürr-Burgdorf II. Preis. Die langhaarigen Hunde in Quantität und Qualität alles frühere übertreffend. Czar, einer der edelſten der in der Schweiz bis jest gezüchteten Bernhardiner, Tafel LV (Zühter: B. Siegmund-Bafel) mußte mit Barry vd. Biel, welcher dem Gzar an Adel bedeutend nachſteht, ihn aber an Stärfe etwas übertrifft, den Ehrenpreis theilen. Dlof des Dr. Künzli, der etwas ſchwächer als die beiden erjten Hunde, ihnen aber ſonſt ebenbürtig iſt, erhielt II. Preis. Langhaarige Hündinnen, zmweijährig und darüber: Young Norma des Herrn E. Bogt-Winterthur bejonders zu erwähnen. Hunde von 1 bis 2 Jahren: Barry Frauenfeld und Hector IL. v. Biel theilten den Ehrenpreis. Kean IL und Samiel des Dr. Künzlhi IL und II. Preis. Hündinnen: Belline v. Zürih und Jduna des Dr. Künzli Ehrenpreis und II. Breis. Jugend clafje: die von Herrn E. VBogt- Winterthur gez. beiden Hündinnen dv. Czar (Bd. Siegmund) a. Young Norma jcheinen berufen zu jein, dem Namen ihres Baters Ehre zu machen.

Unter den in neuejter Zeit in den Vordergrund getretenen Bernhardinern der Schweiz müfjen hier noch erwähnt werden: Young Pluto, Young Tell und Willy Wood des Dr. Künzli. Unter den langhaarigen namentlich die beiden Goncurrenten der legten Zürider Schau Barry v. Biel und Czar. Lebterer (Abb. defjelben ſ. Taf. LV) it inzwiſchen in den Beſitz des erſten Bernhardinerzüchters in England, des Mr. 3. F. Smith-Sheffield übergegangen, wie jchon früher die Hündinnen Thisbe und Aroſa.

> Se,

Tafel LV.

Langhaariger Bernhardiner Gzar. (S. 9. St. 2. 404). Züchter: B. Siegmund-Bafel.

Die Bernhardiner. 67

B. Die Bernhardiner in Deutſchland.

Auf der erften deutſchen Humdeausftellung in Hamburg 1863, melde bei Gelegenheit einer landwirthſchaftlichen größeren Ausftellung abgehalten wurde, finden wir unter 447 Meldungen noch feine Bernhardshunde. Dagegen find auf der 1869 zu Altona unter dem Chrenpräfidium St. Exellenz des Bundestanzlers Grafen v. Bismard abgehaltenen intern. Schau (467 Meldungen) bereits 12 „St. Bernhard3- hunde” in einer Glaffe, unter denen Nr. 210 des Katal. (Tell, rauhhaarig, fünf Sabre, rothbraun) und Nr. 212 des Katal. (Jungfrau, glatthaarig, röthlich, fünf- jährig) von Mr. 3. Cumming Macdona, Hilbre Houfe, Cheſhire eingeſchickt und mit 10000 Pfd. Sterl. tarirt waren. (Es ift dies der Rev. J. C. Macdona, melder die Bernhardiner zuerſt in größerer Zahl nach England einführte) Tell (2458 des 8. E. ©. 2.) ward 1865 in London zuerit ausgeftellt und gab die erite Anregung zur Bernhardinerzüchtung in England. Auf der Hamburger Augftellung 1876 er— ſchienen bereits 41 „St. Bernhardshunde”, unter denen indeß 12 im Statolog als „Leonberger“ und einer als „Berghund“ angegeben waren.

Die Berliner „Elite-Ausftellung“ 1878, welche nur eine beſchränkte Anzahl raſſig gezüchteter Hunde zur Aufftellung ihrer Nafjezeichen bringen follte, hatte nur fieben „Bernhardiner“, deren Abjtammung unbekannt war. Selbſt von dem höchſt prämtirten „Courage“ des Prinzen Albrecht zu Solms-Braunfels waren weder Züchter noch Abftammung befannt. Ebenſo wenig von Barry I. (geld mit ſchwarz) defjelben Beſitzers. Die-zu jener Zeit in Deutjehland weit überwiegende Mafje der Kreuzungs- producte, welche vorläufig gar nicht abzumeifen war, gab Anlaß, die engere Bezeich- nung „Bernhardiner” aufzugeben und dafür die allgemeinere der „Alpenhunde* aufzuftellen!). Lebtere Bezeichnung wurde indeß nur fo lange beibehalten, bis die Schweizer (1887) jelbft die Raffezeichen des Bernhardiners beitimmten.

Nachſtehend die Nejultate einiger der größeren deutſchen Ausjtellungen bon 1888 ab: Die Frankfurter Ausftellung 1888 brachte (eingefchloffen fieben Würfe) 108 Bernhardiner. Kurzhaarige: Jvo des Herrn Weitnauer Ehrenpreis; ebenjo Iſolde des Dr. Rappaz. Langhaarige: Dr. Künzli’s Young Barıy Ehrenpreis; ebenfo Norma des Herrn O. Shmid-Hleiner, Zürich. Köln 1889: 50 Meldungen. Kurzhaarige: Rhenania-Barry, Beliger: C. Sauer-Goblenz I. Preis, ebenjo Iſolde defjelben Beſitzers. Langhaarige: Dr. Künzli's Young Barry Ehrenpreis, und Orſino deſſelben Beſitzers II. Preis. Hündinnen: F. Bubat’s-Zürih Hero Ehren- preis und E. Vogt’3 Norma II. Preis. Gafjel 1889: 47 Meldungen. Ivo, Rawyl, ferner Lola (Beier: I. Schweinlin-Bajel) erhielten Ehrenpreife. Berlin 1890: 106 Meldungen. I. Breife: Orfino von Hirslanden, Bictor-Blavia, Ingo,

1) Vergl. die frühere englifche Benennung der Bernhardshunde als: „Alpine Maftiffs“ und „Alpine Spaniels“ (S. 69, 70).

68 Dritter Theil. Haus- und Hirtenhunde x.

Young Barıy, Hero, Kean und Erica-Plavia. Frankfurt 1891: 75 Mel- dungen. I Preiſe: Orſino von Hirslanden, Blanka v. Bajel, Argos und Hero; Auftin Friar (Beliger: L. Oppenheim=London) II. Preis. Münden 1892: 53 Meldungen. Bernhard des Fıhın. dv. Jordis I Preis und Chrenpreis; G. Schmidbauer3 Munidhia-Troja I Preis; 9. Hellwig’S Jenatſch I, I. Preis und Ehrenpreis. Hannover 1893: nur 16 Meldungen. Signor Orſino (Beier Fr. Schrott-Braunſchweig) I. Preis; Roſe-Bella des Dr. Teufel-Cujin= Tuttlingen I. Preis. Dortmund und Züri) 1894: im Nach— trag zu Band U. S

Zu den, größtentheils auch auf unjeren Ausstellungen, ſeit Anfang des vorigen Jahrzehnts erichienenen hervorragenden Bernhardinerhunden der Schweiz gehören u. A.:

Courage (Beliter: Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels), ein langhaariger, weiß und braun gefledter Hund, geworfen 1876. Schulterhöhe SIcm. Gemicht 73 ke. Eine ftattlihe Erſcheinung, wiewohl die Ruthe im Effect geringelt wurde. Viel— fah in England und Deutſchland prämiitt.

Nocher (2221), Beliser: Mar Hartenftein=Blauen, gem. 1883, langhaarig, weiß mit rothen Platten. I. Preis Wien 1884 und 1885, I. Preis Brüfjel 1885, Ehrenpreis Leipzig 1886. I. Preis Kopenhagen 1886, Ehrenpreis Altenburg, Ehren- preis Hannover 1887, Ehrenpreis Sr. Maj. des Königs von Württemberg, Stuttgart 1857. Maße: Schulterhöhe 72cm; Kopflänge 26cm; Schnauze Ilem; Behang 15cm lang; breit Ilcm; vom Ellenbogen bis zum Boden Alcm; Nuthe 48cm; Rumpflänge 48cm; Gewicht 64 ke.

Young Barıy (©. 9. St. B. 105), Beſitzer: Dr. Künzli-St. Oallen. Züchter: Lehmann-Bern, gew. 1883 von Barıy aus Lea. Langhaarig, weiß mit roth- gelben Platten und dunkler Maske. II. Preis Bajel 1886, UI. Preis Wien 1886, Ehrenpreis Zürich 1887, Ehrenpreis Hannover 1887, Ehrenpreis Berlin 1888, Ehren= preis Frankfurt 1888, I. Preis Bern 1889. Mape: Schulterhöhe 79 em; Kopflänge 32cm; Schnauze 20 cm; Ellenbogen 44cm vom Boden hoc); Nuthe 58 cm; Hinter- mittelfuß dom Boden Hoc) 23cm; Umfang des Bruftforbes Hinter den Schultern 95cm (Abbildung Taf. LIV).

Pluto (©. 9. ©t. B. 185), Beliger: Frau 2. Deichmann-Vaduz, Züchter: St. Bernhard-Hofpiz, furzhaarig, gejtromt mit weißen Abzeichen und dunfler Maske, gew. 1882 von Türf aus der Juno. I. Preis Züri) 1887, Nefervepreis Frank— furt 1888, I. Preis Baſel 1888. Maße: Schulterhöhe 72cm; Kopflänge 29 cm; Schnauze 12cm; Behang 15cm; Ferfe vom Boden hoc) 22cm; Nuthe 48cm; Numpflänge vom Bug bis zum hinteren Steulenrand 79 cm; Umfang der Bruft 88 cm.

300 (©. H. St. B. 83), Befiger: C. Weitnauer-Bafel. Züchter: Hermann Dürr-Burgdorf, gem. 1884 von Leon (©. 9. St. B. 1) aus Belline (©. 9. St. B. 93). Kurzhaarig, weiß mit orange Platten, ſchwarzer Maste und weißer Bläſſe. UI. Preis Jugendclaſſe Bajel 1888, Ehrenpreis Züri) 1887, Ehrenpreis Frankfurt 1888, Ehren- preis Caſſel 1889, Chrenpreis Bern 1889.

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Tafel LVI.

Englifher langhanriger Bernhardshund Cadwallader (8. ©. ©. B. 9363.)

Die Bernhardiner. 69

Unter den gegenwärtig in Deutichland befindlichen Bernhardinern find unter anderen hervorzuheben: Kurzhaarige: Hector vd. Bafel (Taf. LIII) des Herin Krupp- Shen; VBictor-PBlavia und Jupiter des Herin Shmidbauer- Münden. Lang- haarige: Großglodner (Taf. LIV) des Herin E. Landfried in Heidelberg (Früher A. Lab-Euskichen), Medor des Herin Dr. Zeppenfeld-München und Brutus des Herrn A. Laß (Taf. LI). Seit Gründung des deutihen „St. Bernhardsclub“ (mit dem Sit in Münden), im Juni 1891, hat die Züchtung der Vernhardiner au) in Deutfchland große Fortichritte gemacht. Der größte deutſche Bernhardiner-Zwinger ift gegenwärtig wohl der des Herrn Probſt in Münden (nad) dem Stammhunde) „Swinger Beliſar“ genannt.

C. Die Bernhardinerhunde in England.

Einzelne Bernhardinerhunde find gewiß ebenjo oft und ebenjo früh durch Reijende aus der Schweiz nad) England gebracht worden, wie zu uns. Im Jahre 1817

Dig. 114.

„An Alpine Mastiff“ (1817).

wurde das Bild eines Bernhardshundes von ungewöhnlicher Größe in England in Kupfer. geftochen mit der Unterfchrift: An Alpine Mastiff, der größte Hund in England, vom Bernhardsberge gebracht und gegenwärtig zu Leaſow Caſtle bei Liverpool u. ſ. w. (Vergl. die verkleinerte Abbild. Fig. 114.)

Youatt (1845) bildet einen. ftochaarigen Bernhardshund ganz zutreffend ab, mit dem üblichen Fäßchen unter dem Halfe und der Ueberſchrift: „The Alpine

70 Dritter Theil. Haus» und Hirtenhunde x.

Spaniel or Bernardine Dog“ In Blaine’S Rural Sports 1852 wird er ebenfalls Alpine Spaniel genannt mit dem Bemerken, daß er außer jeiner jeidigen Behaarung nichts mit dem eigentlichen Spaniel gemein habe. Zu allgemeiner Kenntniß gelangten diefe Hunde in England indeß wohl exit zu Anfang der 60er Jahre, als man die zuerit nur für Jagdhunde bejtimmten Ausſtellungen aud) an die übrigen Hundeclaſſen ausdehnte.

Die nachſtehende Schilderung der Gedichte der Bernhardshunde in England ver danke ich der großen Güte des Mr. Joſeph Smith-Sheffield, eines der bedeutendſten Züchter und beſten Kenner der Bernhardinerraſſe, früheren Beſitzers des berühmten Hundes Plinlimmon. Leider gejtattet der hier für den vorliegenden Zweck bejtimmte Raum eine vollftändige Wiedergabe jener intereflanten Studien in allen Einzelheiten nicht, und ich werde mich darauf beſchränken müſſen, die wichtigiften Angaben im Aus— zuge wiederzugeben, ohne auf die Einzelbejchreibung aller bedeutenden Bernhardiner Englands einzugehen. Mr. 3. Smith hebt zunächſt hervor, daß die Ehre, den Bernhardshund in England befannt und heimiſch gemacht zu haben, dem Rev. 3. Cumming Macdona gebühre, welcher viele erfolgreiche Neifen nad) dem Hospiz St. Bernhawd, wie nad) anderen Orten der Schweiz in dieſer Angelegenheit machte. Er importirte den berühmten Tell (K. C. S. B. 2458) und Hofpice (K. C. S. B. 2429), welche beide in hohem Grade zur Begründung der damals in England nicht be- triebenen Bernhardiner-Züchtung beigetragen haben. Tell erregte bei feiner erſten Schauftellung in London 1865 ſolches Aufjehen, daß bald darauf verſchiedene andere Herren, unter denen Mr. 3. 9. Murdijon an der Spibe fand, fi) auf Die Bernhardiner-Zühtung verlegten. Der genannte Herr importirte den befannten Thor (8. C. ©. B. 2462), einen Hund, welchen wir als einen der erjten und hauptſächlichſten Grundpfeiler des „St. Bernard Stud Book“ betrachten, und es iſt Thatſache, daß dieſer Hund ſolchen Erfolg hatte, daß noch heute Züchter Werth darauf legen, das Blut Thor's in ihren Stämmen zu beſitzen. Unter anderen werthvollen Hunden, welche zu jener Zeit aus der Schweiz nach England eingeführt wurden, ſind Mr. Macdona's Alp (8. C. ©. B. 2405), Sir Charles Isham's Leo (R. C. ©. DB. 2437), Mı. Garnett’S Bruno (8. 6. ©. B. 2419), welcher vielleicht den ſchönſten Bernhardiner= fopf bejag, Mr. Hooper's Bernardine, Mr. Murdijon’s Jura (8. C. ©. B. 2434), Mr. Macdona’s Geßler (K. 6. ©. B. 2422), Hedwig (K. 6. ©. B 2423), Monarque (8. C. ©. B. 2446) u. A. mehr zu nennen. „Es ind die Vorfahren jener herrlichen Thiere, welche wir als die Ariftofraten unter den Hunderafjen be= trachten fünnen. Der St. Bernhard hat nicht feines Gleichen unter den Hunden, jeine folofjale Größe bei vollfommenfter Symmetrie der einzelnen Formen, jeine Yarbe und Abzeichen, der großartige Ausdruck des Kopfes und feine edle Gemüthsart be= rechtigen ihn zu all den Ehren, made wir ihm angedeihen laſſen.“

„Den Borgange des Nev. J. 6. Macdona und Wr. Murchiſon folgend, jehen wir Mr. Fred Gresham mit großartigem Erfolge die Züchtung betreiben und in wenigen Jahren einen Kennel einrichten, wie er bis dahin in Betreff der Bernhardiner

Die Bernhardiner. 71

noch nicht exiſtirte. Im Jahre 1867 züchtete ev Bernie (2416), Mutter der berühmten Champion Abeß (2403), eine der großartigften, kurzhaarigen Hündinnen, welche jemals Iebte [von Sir Jsham’s Leo (2437). Im Jahre 1873 hatte Mr. Gresham aus der Abbe von Thor den berühmten Wurf, welcher den glatthaarigen Ihe Sham (4481), den langhaarigen Champion Hector (4476) und die ſchöne lang haarige Dagmar (5350) enthielt. Außer den genannten Züchtern jener Zeit müßten manche andere erwähnt werden, wenn der Raum es geftattete; fie haben alle geholfen, die Bernhardinerzüchtung auf ihre jebige hohe Stufe zu bringen und gegenwärtig find Bernhardinerzüchter in allen Gegenden unferes Landes zu finden, alle beſtrebt, das Erreichte noch zu überbieten.“

„Der St. Bernhardg-Club wurde im Jahre 1882 begründet, zunächſt durch Die Bemühungen des Rev. A. Carter of Temin, Hartford, und man kann für dieſes Werk nicht genug des Lobes auf genannten Herrn häufen; er iſt aber auch Kenner der Bernhardshunde wie fein anderer, eine wahrhafte Encyklopädie der Stammbäume dieſer Raſſe und was mehr iſt ein Freund der ganzen Thierwelt! Der Zweck des St. Bernhardclubs iſt die Reinzucht der betreffenden Raſſe, die Verbreitung gründ— licher Kenntniß des richtigen Typus und der Raſſezeichen in Uebereinſtimmung mit dem unveränderlichen Standard, nach welchem Bernhardiner gerichtet werden ſollen. Ferner die Unterſtützung und Einrichtung von Ausſtellungen, Stiftung von Preiſen und Wahrung aller Intereſſen der Raſſezüchtung. Die erſte Jahresſchau des Clubs fand im November 1882 in London ftatt, mit 252 Anmeldungen, unter denen ſich einige hervorragende Thiere befanden; es herrſchte aber eine große Verſchiedenheit der Typen und viele waren höchſt mangelhaft im ganzen Charakter der Erſcheinung. Die zweite Schau 1883 zeigte, daß die Züchter bereits Erfahrungen geſammelt hatten, denn es zeigten ſich nur wenige untergeordnete Exemplare und durchweg eine größere Gleichmäßigkeit. Die dritte Schau 1884 bewies, daß die Züchter großen Vor— theil dureh die Exiſtenz des Clubs hatten, welcher nur in dem Forterrier-Club einen Nivalen befist. Der St. Bernhardsclub jest zwei große Challengepokale zur Preis- bewerbung aus, jeden im Werthe von 100 Pfd. Sterl.; einen für den beften Hund und den anderen für die befte Himdin (kurz oder langhaarig), nicht weniger als zwei— mal und nicht öfter als dreimal in jedem Jahre. Es müſſen au dauernde Ghallengepofale vorhanden fein, und ein Silbergeſchirr im Werthe von 15 Pfd. Sterl. ſoll dem Cigenthümer des Hundes gegeben werden, melder den Pokal dreimal gewonnen hat.“ |

„Es wird alljährlich durd) das Comité des Clubs eine Lifte ſolcher Mitglieder hergeftellt, welche im Stande und Willens find, als Preisrichter der St. Bernhards- hunde zu fungiren, und auf die Aufforderung des Comites ſchickt der Secretär eine Abſchrift jener Lifte und arrangiert das Nöthige mit den als Preisrichter für ſolche Schauen gewählten Herren; die Koften find von dem Comité der betreffenden Schau zu tragen. Der Richter foll weder direct noch indirect auf einer Schau ausftellen, wo er ſelbſt richten wird. Bei allen Ausftellungen, wo der Club Preiſe oder

72 Dritter Theil. Haus- und Hirtenhunde x.

Pokale jtiftet, joll der Name des Preisrichters vor dem Schluß der Anmeldungen veröffentlicht werden.”

„Gegenwärtig bejigt England mehr St. Bernhardshunde wie jemals, und es hält ſchwer, auf irgend einer größeren Schau ein wirklich umtergeoronetes Exemplar zu finden.” So weit Mr. 3. F. Smith-Sheffield, einer der gejhhägteiten und populäriten Preisrichter, eifriger Freund und Züchter der Bernhardinerhunde, welcher, wie auch Rev. A. Carter (Ehrenjecretär des Bernhardelubs), in neuerer Zeit vielleicht das Meilte dazu beigetragen hat, um den Bernhardshund in England auf feine jeßige hohe Stufe der Ausbildung zu bringen. Wo nur ein bvielderiprechendes Eremplar auftauchte, haben beide weder Mühe noch Koften gejheut, um dafjelbe in England al3 Zuchtthier zu behalten oder dort einzuführen.

Kopf des Plinlimmon (K. C. ©. ©. 15.050).

Mr. 3. F. Smith’s Trio, beftehend aus Save (10 626), Blinlimmon (15050) und Leonard (12862), konnten als prächtige Nepräfentanten der Bernhardiner betrachtet werden. Lebterer gewann den 100 Pfd. Sterl. Challengepofal zweimal.

Blinlimmon (15050) war ohne Frage der bedeutendſte Hund feiner Zeit, wiewohl jeine ziemlich geſtreckte Kopfform dem bei uns wie in der Schweiz gewünfchten Typus wohl faum entjpricht. Unjere Abbildung Taf. LVIL Stellt Blinlimmon im jugendlichen Alter von etwa 11 Monaten dar, das Kleinere Tertbild Fig. 115 zeigt den Kopf diejes Hundes im ausgewachjenen Zuftande. Plinlimmon wurde im Alter von etwa 11 Monaten

Tafel LVII.

Englifher langhaariger Bernhardiner Champion Plinlimmon. (8. €. ©. 8. 15 050.)

Die Bernhardiner. 7a

dureh den Rev. U. Carter von Mr. Chapman angefauft und ſchlug im Alter von 1!/, Jahren bereit3 den damals berühmten Barry um den 100 Pfd. Sterl. Challenge- pofal auf der Bernhard-Schau zu Knight's Bridge. Blinlimmon ging dann in Be— is des Mr. 3. 3. Smith-Sheffield über und fiegte auf allen Schauen, wo er nur auögeftellt wurde. Yu jener Zeit fingen die Amerikaner an, für bedeutende Hunde, namentlich für Bernhardiner hohe Preiſe zu zahlen, wie diejelben bis dahın jelbit in England nicht erreicht waren. Den Anfang machte wohl der amerikaniſche Schau= ipieler Mr. Emmet, welcher zunächſt Mr. Hearne’3 Bernhardiner Nector für 800 Pd. Sterl. und fpäter Plinlimmon des Wr. 3. F. Smith für 1000 Pfd. Sterl. anfaufte und nah New Hork entführt. Nach) dem 1891 erfolgten Tode Mr. Emmet’s ging Plinlimmon in Belig eineg Mr. Moore über, welcher den Hund für das Dedgeld von 40 Pd. Sterl. den Beligern guter Hündinnen zur Verfügung ftellte.

Wiewohl die Bernhardinerfteunde Englands die Weberführung Plinlimmons nach Amerika anfangs al3 einen ganz unerſetzlichen Verluſt betrachteten, jo tauchte doch bald nach jeinem Abgange eine bis dahin ganz unbefannte Größe in der Bernhardinerzudt auf. Es war dies der langhaarige Hund „Sir Bedivere“ (Taf. LVIII) 8. €. ©. B. 25009 gezüchtet und im Beſitz von dem bis dahin als Züchter wenig genannten Mr. T. 9. Green in Cheſhire. Sir Bedivere trat zuerft 1888 in der Puppyclaſſe zu Warwid als Sieger auf, dann in Birkenhead, wo er I. Breis und Pokal in der offenen Glafje errang. Bon da ab erfolgte Sieg auf Sieg; als der Hund 2, Jahre alt war, wurden bei Gelegenheit der Sheffield-Au3- ftellung von Mr. Gosling 1000 Pd. Sterl. und von Mr. Halſy 1500 Pfr. Sterl. vergeblich für ihn geboten, da Mr. Green ihn für fich zu behalten wünſchte. Doc) ward er jpäter für 1300 Pfd. Sterl. von dem Amerifaner Mr. Sears (The Wyoming Kennels, Maffajuchetts) angefauft. Im November 1893 brachte die englijche Sport- zeitung „Field“ die Nachricht, daß Sir Bedivere von feinem lebten Beliser (Mr. Reit in New York) für einen unverhältnigmäßig geringen Vreis an Mr. C. U. Bratt, of Little Rod, Urcanjas, verkauft jet.

Auch Für diefen hervorragenden Hund ſcheint in England bereits ein Erſatz in Ausſicht zu fen. Es ift dies der zweijährige, langhaarige „Lord Douglas“ v. „Lord Hereward” a. der „Frandley Erica”, Beliger: Mr. Joſef Royle-Mancheſter, einer der älteften Aussteller, welcher nach längerer Zurücdgezogenheit wieder mit un— gewöhnlichem Erfolg an die Deffentlichkeit tritt. Der Preisrihter 3. F. Smith ertheilte nämlich dem „Lord Douglas“ bei feinem Debut auf der Kennelcub - Schau im October 1893 drei I. Preife und die Championjhaft. Ob Lord Douglas in gleicher Weile fortjchreiten und feinen berühmten Vorgänger erjegen wird, iſt aller- dings abzuwarten. Ein gutes Portrait dieſes Hundes brachte der „Stoffeeper“ im November 1893.

Unter den in neuerer Zeit aus der Schweiz nad) England eingeführten Bernhards- Hunden find namentlih Czar und Arofa zu nennen, welche der Rev. Mr. A. Carter vom Großrath B. Siegmund in Baſel bezog, wie ſchon früher Barıy (v. Tuchſchmidt

10

74 Dritter Theil. Die Haus: und Hirtenhunde x.

in Romanshorn), Thisbe, Yeila, Diane u. U. gute Zuchthunde. Auch der berühmte Plinlimmon war anfänglih im Beſitz des genannten Herin. Aroſa, melde für die Ihönfte und ſtärkſte Hündin in England galt, it leider vor einiger Zeit eingegangen.

Nachſtehend mögen hier noch kurze Einzelbejchreibungen des Exterieur, ſowie Abſtammung und Größenverhältniffe der namhafteſten Bernhardiner in England (jeit Anfang des vorigen Jahrzehnts) Platz Finden.

Champion Cadwallader (K. C. ©. 23. 9363) von Hercules aus Hebe, gew. 1878, Beliger 9. C. Joplin. I. Preis Hannover 1882. Langhaarig; ein mäch- tiger, etwas plump gebauter Hund mit ſchwerem, hoch gewölbtem Kopf, etwas fteil in den Hinterläufen. Farbe prächtig rothgelb mit weißer Bläffe, Ruthenſpitze und Füßen, im Geficht ſchwarz gebrämt. Schulterhöhe 76cm; Kopf 32 cm; Schnauze 12 cm; Behang 16cm lang, 12cm breit; Oberkopf zwiſchen den Ohren 16cm breit; Numpflänge 85 cm; Ruthenſpitze höchſtens 15 cm über dem Boden. Cadwallader, welcher bei uns großes Aufjehen und Bewunderung erregte, hat in England den dritten oder bierten Pla unter den beiten Hunden feiner Zeit eingenommen. Man- tadelte feinen zu tiefen Ausſchnitt vor der Stirn (dish faced), die runde Kopfform und den ſchwachen Rüden. (Abbildung Taf. LVI.)

Plinlimmon (8. €. ©. 2. 15050) von Bilgrim (14067) aus Beſſie I. (13 793), gem. 1880. [Bilgrim von Leo (7461) aus Xottie (7492) Belfie von Bayard (8447) aus Hebe (8464).] Ein jehr regelmäßig gebauter Hund von bedeutender Höhe und Schwere. Der Kopf nad) unferen Begriffen des Bernhardiner- Typus zu langgejtredt, doc) war dies im zumehmenden Alter weniger auffällig, als bis zu ' jeinem erſten Lebensjahre, als unjere Abbildung (Taf. LVII) Hergejtellt wurde. Farbe: ein reihes Drange (Rothgelb); breite, weiße, mit Schwarz eingefaßte Bläſſe, vollftändig ausgebildeter weißer Halskragen, weiße Bruft, Läufe und Ruthen— ſpitze. Geſicht ſchwarz verbrämt. Einfache Afterklauen. Maße: Schulterhöhe 88cm; Kopf 33cm; Schnauze 13 cm; Umfang des Oberkopfes 71cm; der Schnauze 41cm; des Halſes 73cm; der Bruft 114cm; des Vorarmes 33cm. Gewicht 951/2 kg. (Abbildung Taf. LVII und Fig. 115, Abb. des Kopfes.)

Save (K. C. ©. B. 10626) von Othmann (6422) aus Sidney's Hedwig, geworfen 1879. [Dthmann von Moltfe (4478) aus Aber Hedwig von Menthen aus Alp.] Gewinner vieler I. Preife und Pokale. In der Färbung ähnelt Save dem Plinlimmon jehr, Doch ift der Halskragen weniger vollfommen. Seine Afterflauen. Maße: Sculterhöhe 84cm; Kopf 311/, cm; Schnauze 111/, cm; Umfang des Oberfopfes 70cm; der Schnauze Alcm; des Halfes 74cm; der Bruft 112cm; des Borarmes 33 cm.

Thisbe (8. E. ©. 2. 15008), eine ſchöne, langhaarige Hündin, welche eben- ſowohl die bejte Hündin ihrer Zeit genannt werden fann, wie Plinlimmon der beite Hund. Farbe: rothgelb mit weißer Bläffe, Bruft und Füßen. Im Jahre 1885 waren ihre Maße, obwohl jie noch nicht völlig ausgewachjen, folgende: Schulterhöhe 78 cm; Stopflänge 23cm; Schnauze 111/; cm; vom Genick bis zum Anja der Ruthe

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Tafel LVIII.

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Engliſcher lunabaariger ßernhardshund Sir Bedivere, (GG.C. ©. 3. 25009.)

Die Bernhardiner. 75

1,7m; Ruthe 60 cm; ganze Länge 1,95 m; Umfang des Kopfes 62 cm; der Schnauze 33 cm; der Bruft 94cm; des Vorarmes 251/,;, cm. Gewicht 66 kg.

Brinz Battenberg vom Champion Save (K. C. ©. B. 10626) aus Lady Winmerleigh (17576), gew. 1885. Beſitzer und Züchter Mrs. King-Batton, Birmingham. Gewinner von fünf I. Preiſen und Pokalen in England 1886 und 1887, I. Preis in Züri) 1887, wo er mit Young Barıy (Ehrenpreis) concurrirte. Gin Schöner, regelmäßig gebauter langhaariger Hund von bedeutender Größe, melcher indeß Durch den kleinen Kopf etwas an eine Hündin erinnert und dadurch in der ganzen Erſcheinung etwas geſchädigt wird. Seine Maße betragen: Schulter— höhe SAcm; NKopflänge 3lem; Schnauze 12cm; Behang 18cm; Ellenbogen vom Boden hoch 45cm; Ferſe vom Boden hoch 24cm; ganze Rumpflänge vom. Bug- gelent bis zum Hinterrand der Keule 85cm; Bruftumfang 104cm. Farbe roth- gelb, mit weißem Vordertheil und Läufen, weiße Bläffe, die Schnauze ſchwarz ver— brämt.

„Sir Bedivere“ (K. C. 25009) von Nero IH. (17676) aus Bena (25.029), ger. 27. Auguft 1887. Beliger und Züchter Mr. T. H. Green, Wallafey, Chefhire. In feinem Stammbaume finden wir Champion Bayard des Ned. Macdona dreimal vertreten und DBedivere verdankt jeine ſchöne Kopfform Ddiefem feiner Zeit berühmten Hunde. Im Alter von 15 Monaten errang er bereits auf dev Aus— ftellung des Berndardelubs den I. Preis, zwei Pokale, eine Medaille und den Challenge- pofal don 100 Guineen. Seitdem hat dieſer Hund zum dritten Male den 160 Guineepofal und eine große Zahl von Ehren- und erſten Preifen errungen. (Bergl. ©. 73.) Seine Schulterhöhe beträgt 85 cm; jein Gewicht 210 Pfd. 1). Lang— haarig, xothgelb mit jehr regelmäßigen weißen Abzeichen. (Abbildung Taf. LVIII.)

Aroſa v. Czar a. Dinorah, vielleiht die ſtärkſte aller bis jetzt exjchienenen Hündinnen. Kurzhaarig, weiß mit rothgelben Abzeichen, ver Yang ſchwarz verbrämt. Make: Schulterhöhe SO cm; Kopfumfang 64cm; Sopflänge 36cm; Najenlänge 11cm; Schnauzenumfang 42cm; Bruftumfang 99 cm; Körperlänge 1,14m; Ge— wicht 6G5kg. (Vergl. ©. 67 und 73.)

Czar (©. 9. ©. B. 404), ein ſehr typiſch gebauter Hund, langhaarig, roth— gelb mit regelmäßigen weißen Abzeichen. Seine Schulterhöhe betrug im Alter von 10 Monaten: 78cm; im Ulter von 21/, Jahren: 83 cm; Kopfumfang und Behang 68 cm; Kopflänge 34 cm; Nafenlänge 11 em; Schnauzenumfang 42 em; Bruftumfang 99cm; Dberarmumfang 28cm; Körperlänge 1,15m; Gewicht 7Skg. (Abbildung Taf. LV.) (Bergl. ©. 66 und 73.)

Die engliſchen Raſſezeichen oder Points der Bernhardiner wurden zuerft in der erften Ausgabe von Stonehenge's Buch (Dogs of the British Isles) ver- öffentlicht. Wir ftogen hier noch auf verjchiedene, den Angaben dev Conventualen oder

1) Mr. T. Schillock's Lord Brute wiegt circa 218 Pfd.; Prior des Mr. 3. 3. Smith- Sheffield wiegt bei 85cm Schulterhöhe 226 Pfd., da er länger im Rumpfe als Sir Bedivere it. Als ſchwerſte Hündin gilt Lady Florence mit circa 185 Pfd. (engl. Gew.).

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76 Dritter Theil. Die Haus- und Hirtenhunde x.

ihrer Ausleger entlehnte Annahmen, auf welche heute in den englichen Points fein großer Werth mehr gelegt wird, jo 3. B. die weiße Nadenlinie im Haar, welche mit einem Abzeichen der Ordenskleidung der Mönche übereinftimmen jollte; ferner die gewünſchte Anmejenheit einer fünften Zehe an den Hinterläufen, welche das Einfinfen der Füße in den Schnee verhindern follte, außerdem die einfachen over doppelten Afterklauen, welche auch bei uns wie in der Schweiz lange Zeit als Beweis der „Echtheit“ eines Bernhardshundes angejehen wurden, wiewohl dieje bei allen Raſſen porfommen können und einfach als Mißbildung zu betrachten find. Mt. 3. F. Smith-Sheffield Tieferte 1885 eine den fortjchreitenden Anforderungen mehr entiprechende Scala der Bernhardiner- Points, welcher 1886 der fürzer gefakte „Standard for Judging St. Bernards“ folgte, verfaßt von den Herren Ned. Arthur Carter (Hon. Secretary of the St. Bernardelub) und Mr. Gresham. Wir lafjen die betreffenden Nafjezeichen, welche ji) in einigen unwejentlihen Stüden von denen der Schweizer unter= jcheiden, nachſtehend folgen, da eine Einigung der Anfichten vorläufig nicht in Aus— ficht Steht.

Nafjezeihen des St. Bernhardshundes in England.

Kopf: Groß und maſſiv, Umfang des Oberfopfes mehr als doppelt jo lang wie die Länge des. Kopfes don der Naje bis zum Hinterhaupt. Schnauzen= oder Geſichtstheil kurz, voll unter dem Auge und vierefig in der Schnauze, bedeutende Tiefe vom Auge bis zum Unterkiefer. Xippen tief Hinabreichend, jedoch nicht zu ſehr hängend (pendulous). Najenrüden von der Spite bis zum Stirnabſatz vollfommen gerade. Stirnabſatz ziemlich plöglich und beftimmt ausgeſprochen. Oberkopf breit, feicht gemölbt mit etwas vorjpringenden Brauen.

Behang: Mittelgroß, dicht anliegend und nicht zu lang behaat.

Augen: Ziemlich Hein und tiefliegend, dunfelfarbig, das untere Augenlid etiwas hängend, jo daß das Roth im Thränenwinkel in geringem Grade fihtbar ift.

Naje (Najenkuppe): Groß und ſchwarz mit gut entwidelten Nüfterın. Zähne: Gleichmäßig. Geſichtsausdruck follte ſowohl Gutmüthigfeit und Intelligenz, tie edlen Charakter anzeigen.

Hals: Mäßig lang, musculös, leicht gemölbt, die Kehlwamme gut entwidelt. Schultern: Breit und jchräg geftellt. Bruft: Breit und mäßig tief, die untere Linie jollte nit bis unter den Ellenbogen hinabreichen.

Rumpf: Nüden breit und gerade, Rippen gut gerundet. Die Lende breit und jehr musculös. Ruthe: Ziemlich Hoch angelegt, mäßig bufchig, einer Fuchslunte ähnelnd; in der Nuhe niedrig getragen und jelbjt in der Aufregung oder Bewegung nicht über die Rüdenlinie hinaus gehoben.

Läufe und Füße: Vorderläufe völlig gerade, ftarf von Knochen und von guter Länge. Hinterläufe ſtarkknochig, im Sprunggelenf gut gebogen und die Unter- ichenfel jehr musculös. Füße groß, gejchloffen, mit gut gemwölbten Zehen.

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Die Bernhardiner. Zar

Afterklauen: Um von Werth zu jein, müſſen fie bejtimmte Zehen bilden und einen Theil des Fußes ausmachen. (Fünfte Zehe. Der Verf.)

Größe: Der mänmliche Hund follte mindeftens 30 Zoll (75cm) hoch in den Schultern jein und die Hündin 22 Zoll. (Je größer, je beſſer, vorausgeſetzt, daß die Symmetrie dadurch nicht beeinträchtigt wird.) Ueberall in gutem Verhältniß und bon maſſigem Bau. Die allgemeine Erſcheinung des Hundes joll Kraft und Ausdauer ausdrüden.

Behaarung: In der langhaarigen Varietät jollte diejelbe dicht und flach anliegend jein, voller am Halfe und hier einen Kragen bildend, an der Hinterfeite der Keulen bildet daS Haar eine nicht zu Harfe Feder. Bei der furzhaarigen Varietät joll das Haar dicht und jagohundartig jein, mit furzer Feder an den Keulen und der Ruthe.